Märchenhaftes Indien mit Mumbai Marathon 2012

Lauferlebnisreise durch Indien und Nepal

12.01. - 27.01.2012 von Bernd Neumann Teil 1

 Wie schrieb so schön die HNA Kassel in einem Bericht von meinem 100. Marathon, „der Weltenbummler aus Vellmar“. Und meine Sammlung und Reise geht weiter. Ich berichte aus einer für uns ganz anderen Welt, Indien und Nepal sind meine Ziele für den Januar. Jedoch bevor das Jahr 2012 begonnen hat, hieß es Visum beantragen und Impfungen für Indien durchführen. Dann erst konnte die Vorbereitung für die eigentliche Reise oder besser gesagt das Reiseabenteuer beginnen.

 Namaste (Sanskrit für „Ich verbeuge mich vor dir“) ist der traditionelle Gruß der Inder, mit zusammengelegten Handflächen und nach oben zeigenden Fingern auf Brusthöhe und einer leichten Verbeugung ihres Gegenübers. Namaste ist auch die Verbeugung vor einem Land das die kulturelle Vielfalt eines ganzen Kontinents hat. Indiens landschaftliche Schönheit ist verbunden mit Jahrtausendealter Geschichte und Religionen. Ein Land mit dem Vermächtnis der Mogule und Maharadschas die dem Land prachtvolle Paläste und Tempel geschenkt hat. Ein Land mit prächtigen Elefanten und heiligen Schlangen, Ratten und Kühen. Ein Land mit dem Zauber Bollywoods, wo angeblich jeden Tag ein Film fertig wird.

Gesichter eines Landes, aufgenommen während der Reise:

 Nun genug davon und erst mal ein paar Fakten zum Land: Indien liegt in Südasien, in der tropischen Klimazone und ist eine Bundesrepublik mit 28 Bundestaaten plus 7 bundesunmittelbaren Gebieten. Auf der Gesamtfläche von 3.287.590 km² leben lt. Volkszählung vom März 2011 rund 1,21 Milliarden Menschen hier. Das heißt 382 Inder müssen sich 1 km2 teilen, in Deutschland leben auf 1 km2 nur 230 Einwohner und im europäischen Vergleich sogar nur 116 Menschen. Im Norden und Nordosten bildet das höchste Gebirge der Welt, der Himalaya die Grenze nach China und Nepal. Im flächenmäßig 7.-größten Staat der Erde wird mit indischen Rupien (1 Rupie = 100 Paise) (1€ = 62R) bezahlt. Vielleicht noch was zum Wetter. Die günstigste Reisezeit ist der Januar und Februar, dann ist hier Winter mit Temperaturen zwischen 19 und 28 Grad und um die 10 Sonnenstunden pro Tag (Mumbai). Die Hauptstadt ist Neu-Delhi mit rund 250.000 Einwohnern, das südlich von der Altstadt von Delhi seit 1911 angelegt wird. Die größte Stadt (Metropolregion) in Indien mit 21,4 Mill. Einwohnern ist Mumbai (Bombay), die Nr. 2 ist Delhi mit 18,7 und die Nr. 3 ist Kolkata (Kalkutta) mit 15,5 Mill. Einwohnern.

 Unsere Reiseziele werden sein: Mumbai mit Marathon, Udaipur am Rande des Pichola-Sees mit dem Jag Mandir Palast, dem Superhotel Lake Palace sowie dem Königspalast, Jaipur, die einstige Hauptstadt Indiens, der „Stadt der Könige“ mit dem „Palast der Winde“ (Hawa Mahal) und dem vielleicht schönsten Palast Rajasthans das mittelalterliche Amber Fort wo wir mit Elefanten hochreiten, Agra - sowie die verlassene Ruinenstadt Fatehpur Sikri, die „Stadt des Sieges“ mit den roten Sandsteinhäusern der indischen Herrscherfamilien sowie dem Höhepunkt der Reise das weltberühmte Taj Mahal, die „Krone der Paläste“, Zeugnis einer unsterblichen Liebe, Delhi mit Alt-Delhi, das Rote Fort, die größte Moschee Indiens Jama Masjid, das bunte Geschäftsviertel und die Gedenkstätte Mahatma Gandhis, Neu-Delhi mit den Qutab Minar Complex, der u. a. das größte Minarett des Landes einschließt und dem Mausoleum von Humayuns. So nun geht`s los.

Donnerstag 12. Jan./Freitag 13. Jan.: - Wir fliegen um 11 Uhr vom Airport Frankfurt am Main über Abu Dhabi nach Bombay (Mumbai). Für die Strecke benötigen wir ca. 11 ½ Stunden inkl. 4 ½ Stunden Zeit-verschiebung. Wir kommen so gegen 3 Uhr in Mumbai an. Es ist Freitag und wir werden am Flughafen erwartet und sofort ins Hotel dem Comfort Inn Heritage gefahren. Da in Bombay rund um die Uhr Rush-Hour ist sind wir erst gegen 6 Uhr im Zimmer. Nach einem kurzen Ruhen bzw. Schlafen beginnt der 1.Tag in Indien.

 Wir beginnen unsere Reise in Mumbai die wohl größte multikulturelle Metropole des Landes. In keiner anderen indischen Metropole findet man einen so hohen Anteil an Minderheiten wie Muslime, Christen, Buddhisten oder Juden. Die meisten Einwohner sind Hindus. In dieser Stadt findet man den Glanz der Wirtschaftsmetropole ebenso wie die größten Slums in ganz Asien. Keine andere indische Stadt hat ein so hohes soziales Gefälle. Es gibt sogar geführte Touren durch die Slums die man auf keinen Fall allein betreten sollte. In dieser Gegend gibt es eine hohe Kriminalitätsrate, obwohl Mumbai ansonsten als sehr sicher gilt. Auch davon werden wir noch einiges sehen.

  Bevor wir unsere City-Tour beginnen bin ich jedoch schon auf dem unserem Hotel schräg gegenüberliegenden Markt eingetaucht. Auf dem Weg dorthin merkt man, dass die ganze Stadt von den schwarz gelben Taxen beherrscht wird und dazwischen die vielen Mopeds die alle unentwegt hupen um sich bemerkbar zu machen. Es gehört schon ein Geschick frech drauflos zu laufen und zwischen den vielen Fahrzeugen die Straßenseite zu wechseln, aber es geht hier alles sehr harmonisch miteinander.

  Neben der Farbenvielfalt der indischen Frauen mit ihren wunderschönen Saris bestimmt hier die Farbe der Gemüse- und Obstsorten das Bild. Hier werden Lebensmittel angeboten die uns in Europa teilweise fremd sind. Ich lasse mich von der Vielfalt des Angebotes einnehmen und schlendere rund um den Byculla Bahnhof und nehme die neuen Eindrücke in mich auf. Da diese Eindrücke so unwahrscheinlich vielfältig sind versuche ich mit vielen Fotos ein kleines Bild zu zeichnen.

 Wie wir die Gleise am Byculla Bahnhof überqueren sehen wir zum ersten Mal die Baugerüste aus Bambus mit denen hier ganze mehrstöckige Häuser eingerüstet werden. Von der Eisenbahnbrücke haben wir einen Blick auf die unter uns durchfahrenden Züge die heute jedoch nicht so überfüllt sind das ganze Scharen von Menschen außen dranhängen. Nur wenige scheinen den Luftzug zu mögen und stehen an dem offenen Waggon.

 Auf der anderen Seite der Bahngleise sind noch weitere Marktstände bzw. auf dem Bürgersteig haben meist Frauen ihre Waren ausgebreitet für die Käuferinnen. Dies ergibt ein farbenfrohes schönes Bild die Kombination zwischen bunten Saris und dem bunten Obst und Gemüse. Es ist besonders schön wie sie ihre Waren teilweise schon künstlerisch aufbauen. Ich kann gar nicht genug davon kriegen und so gehe ich noch in einige weitere Straßen.

 Da ich noch etwas Zeit habe gehe ich nochmal kurz in die andere Richtung vom Hotel, wo der überladene Handkarren neben dem Ochsenkarren und den Taxen ein buntes Bild ergeben. An einer Mauer hat ein Barbier seinen Spiegel mit einem Stuhl davor und rasiert gerade mitten im Stadtstaub seinen Kunden. Solche Bilder sehe ich noch zu Hauf in den nächsten Tagen.

 Dann geht es ins Hotel wo uns der Bus für die Stadtrundfahrt erwartet. Wir machen eine halbtägige City-Tour durch Bombay wie es bis 1996 hieß. Heute heißt die 18,4 Mill. Metropolregion Mumbai. Als 1508 der portugiesische Forscher und Händler Francisco de Almeida mit seinem Schiff in den natürlichen Hafen der Insel fuhr, gefiel ihm die Insel so gut, dass er sie Bom Bahia (gute Bucht) nannte. Später, 1583 kamen die ersten Engländer an die indische Westküste und im Laufe der Jahre wurde daraus Bombay. Seit 1901 verzehnfachte sich die Bevölkerung von 813.000 auf 8,1 Mill in 1981, die Stadt erlebte einen kometenhaften Aufstieg. Die Stadt wurde das Wirtschaftszentrum Indiens.

 Wir tauchen in die Stadt ein mit seiner ganzen Vielfalt aus Religion, Geschichte und Mystik. Ich finde die folgenden Sehenswürdigkeiten muss man in Mumbai gesehen haben, Crowford Market, Moschee - Haji Ali Daragh, Gothische Gebäude aus der Kolonialzeit, Malbar Hill mit den Hanging Gardens, Taj Mahal & Tower Intercontinental Hotel, Hutatma Chowk mit Flora Fountin (Brunnen), Raja Bai Clock Tower (Gothic, 1878), High Court das gotische Gerichtsgebäude, Gateway to India, das Prinz of Wales Museum sowie eines der Mahatma Gandhi Museen und den Besuch der Wäschereien von Mumbai.

 Zuerst möchte ich sagen, dass die durchgeführte Stadtführung in keinster Weise meine Zustimmung fand, denn aus meiner Sicht fehlten viele wunderschöne und interessante Gebäude, die wir aber zum Teil noch eher anderen Umständen zu verdanken gesehen haben. Unsere Fahrt geht in südliche Richtung in die Laburnam Road 19. Hier befindet sich eines der Museen des größten Nationalhelden Indiens, Mani Bahavan Gandhi. Er führte Indien durch friedliche Demonstrationen und sehr viel Verhandlungsgeschick in die Unabhängigkeit gegen die Engländer. Hier wird sein Arbeitszimmer gezeigt sowie in vielen kleinen Schaukästen mit Puppen sein Lebensweg dargestellt. An den Wänden sind viele seiner Schriften und Fotos aus der ganzen Welt. Im Untergeschoss gibt es eine Sammlung von Werken in denen Gandhi in allen Sprachen der Welt vorkommt. Das besondere dieses Museums ist, es kostet keinen Eintritt man lebt von großzügigen Spenden der Besucher sowie von einem Souvenirshop.

 Nun geht es weiter per Bus vorbei am Chowpatty Beach hinauf zum Malabar Hill, einer sehr gehobenen Wohngegend von Mumbai. Der Chowpatty Beach wird nachts hell erleuchtet und ist die Inn-Meile der Jungend. Der Sandstrand ist auch Drehort vieler Bollywood Filme und hier gehen auch Hunderte zum Ende des Ganesh-Chaturthi-Fest mit ins Wasser wenn die Götzen eingetaucht werden.

 Oben auf dem Malabar Hill befinden sich die Hängenden Gärten (Ferozeshah Mehta Gardens), ein Kunstwerk des Gartenbaus. In diesen Ziergärten sind zahlreiche Büsche und Sträucher in Formen von Affen, Elefanten, Giraffen und anderen Tierarten geschnitten.

  Auch die Türme des Schweigens sind hier auf dem Berg. Dabei handelt es sich um die sieben parsischen Türme die durch eine große Mauer und einem dichten Vorhang aus Grünpflanzen umgeben ist. Auf den Türmen bestatten die Parsen ihre Toten, indem sie die Leichen auf hohe, zylinderförmige Behälter legen, damit Geier die Knochen säuberlich vom Fleisch befreien können. Es wird angenommen, dass dieses uralte Bestattungsritual vor 2.500 Jahre aus dem alten Glauben entstanden ist. Der Prophet Zarathustra hatte dies befürwortet um eine Verschmutzung der vier heiligen Elemente (Luft, Wasser, Erde und - das heiligste von allen - Feuer) zu verhindern. So kann es auch mal passieren, dass die Geier noch nicht ganz abgenagte Knochen menschlichen Fleisches auch über den Touristen fallen lassen. Heute denkt man über eine elektr. Feuerbestattung nach.

 Noch schöner ist der Blick vom gegenüberliegenden Kamala Nehru Park (Name der Frau des ersten indischen Ministerpräsidenten) auf die Stadt, Chowpatty Beach, und das Halsband der Königin, dem Marine Drive. Hierbei hat man einen herrlichen Blick über die Stadt und den Hafen. Wir fahren zurück über den Marine Drive zu unserem Marathonstartplatz. Hier steht das Brihanmumbai Mahanagar Palika, das Gemeindeverwaltungsgebäude. Es wurde nach Plänen von Stevens 1893 im gotischer Stil fertiggestellt. Markant ist die 77,7m hohen Turm mit Kuppel auf dem eine riesige geflügelte allegorische Figur steht.

 Viel bekannter und noch größer und schöner ist die ehemalige Queen Victoria Station, der Bahnhof von Mumbai. Der Chhatrapati Shivaji Terminus ist Weltkulturerbe und im Stil der viktorianischen Neogotik erbaut worden mit einem Stahl- und Glasdach. Das 1888 fertiggestellte Gebäude hat über dem Haupteingang eine begehbare achteckige Kuppel. Das Gebäude ist mit vielen Steinfiguren und Reliefs verziert. Sonntagnacht gegen 5:30 Uhr werden wir das Gebäude hell erstrahlt sehen, wenn wir von hier über die Startmatte laufen. Jetzt jedoch ist äußerste Vorsicht geboten, denn die Rous-Hour ist in vollem Gange und man muss höllisch aufpassen beim Fotografieren, denn um einen rum ist alles voll von Bussen, Autos und Mopeds und wie immer wird laufend gehupt.

 Wir verlassen den Platz und kommen wieder in den dichten Verkehr der auch hier weitgehendst von den schwarz-gelben Taxen beherrscht wird. Es geht weiter im Fort-Viertel wo sich sämtliche Banken und große Geschäfte niedergelassen haben und sich die eindrucksvollsten der Prachtbauten aus der britischen Kolonialzeit befinden. Inmitten des Fort-Geländes liegt der "Hutatma Chowk", der früher Flora Fountain hieß. Es ist eine verkehrsreiche Fünf-Straßen-Kreuzung und wurde zum Gedenken an die Freiheitskämpfer, die im Kampf um die Aufnahme des Bundesstaates Maharashtra in die indische Union ihr Leben ließen, in Hutatma Chowk (Platz der Märtyrer) umbenannt. Im Mittelpunkt der Kreuzung steht auf einem Brunnen eine Statue der Göttin Flora die 1869 zu Ehren von Gouverneur Sir Bartle Frere (1815-1884) aufgestellt wurde.

 Wir umrunden einmal den Azad Maiden Platz wo die Inder ihren Nationalsport das Cricket betreiben. In 2011 war Indien neben Bangladesch und Sri Lanka Gastgeber des Cricket World Cup Turnieres und wurde nach 1983 zum zweiten Mal Weltmeister. Beim Blick über den Platz sehen wir fast zufällig eines der Sehenswürdigkeiten der Stadt, den Raja Bai Clock Tower. Erbaut wurde der Glockenturm, der dem Big Ben in London nachempfunden wurde, von George Gilbert Scott in venezianischem und gotischem Stil. Der 85m hohe Turm wurde von 1869-1878 erbaut und war damals das höchste Gebäude der Stadt.

 Wir fahren am alten Fischereihafen entlang der heute nur noch ein Slum ist und kommen zu einer weiteren, aber sehr nachdenklichen Touristenattraktion, der Wäschereien von Mumbai. Sie stammen noch aus der britischen Kolonialherrschaft und gliedern sich in unzählige kleine und mittelgroße Betriebe. Die Besitzer dieser Betriebe weisen ihren Arbeitern betongegossene Waschbecken zu wo die meist Männer für einen Tageslohn von 100 rupi (ca. 1,40 Euro) ein tägliches Kontingent von rund 100 Kleidungsstücken per Hand bearbeiten. Bei einem 16-stündigen Arbeitstag werden meist Kleidungstücke von Privatpersonen und vielen Hotels gewaschen, getrocknet und gebügelt. Hier werden täglich rund eine Million Kleidungsstücke bearbeitet. Durch die aggressiven Chemikalien werden viele der Wäscher chronisch krank. Die meisten leben auch hier auf engstem Raum. Diese Arbeit sichert dennoch rund 10.000 Menschen ihren Lebensunterhalt plus den auf dem Land lebenden Familien. Der größte Feind dieser Wäscher sind die modernen elektrischen Waschmaschinen und elektr. Bügeleisen wodurch sie arbeitslos würden!?

 Nebenan auf dem großen Platz, der von Müll nur so übersät ist, trocknet ein Teil der Wäsche und die Jungs spielen hier ihren Nationalsport, Cricket. Wir fahren wieder zurück, vorbei am Fischereihafen-Slum zum Marine Drive.

 Der Marine Drive mit seiner großen Betonmauer ist die Attraktion am Abend zum Sonnenuntergang. Hier treffen sich die Pärchen und genießen den Sonnenuntergang über der Bucht. Die bunten und sehr kitschigen Pferdedroschken fahren die Touristen den Marine Drive hoch und runter.

 Mitten in diese Idylle und romantische Stimmung kommt eine Gruppe der Marathon-Elite-Frauen die hier ein lockeres Läufchen mit Gymnastik machen. Von unserer Gruppe sind auch ein paar Teilnehmer den Marine Drive hoch und runter gelaufen, während der große Teil sich den Sonnenuntergang angesehen hat.

 Bei Dunkelheit fahren wir wieder zurück ins Hotel. Bei dem Straßenverkehr in Mumbai kann da schon mal eine Strecke von 5km auch 1 – 2 Stunden dauern.

 Hier noch ein paar schöne Seiten der Stadt. Nördlich vom Stadtteil Fort schließt sich die Altstadt mit ihren zahlreichen Basaren an, und noch weiter nördlich liegen die zentralen Stadtteile Byculla, Parel und Dadar, sowie die Villenviertel Bandra und Juhu. Bandra gehört zu den modernen Vierteln mit modernen Geschäften, Restaurants und Bars. Zu den großen Shopping-Malls gehört in Haji Ali Mumbai das Heera Panna Shopping Center. Eines der größten Einkaufszentren in Asien ist die Inorbit Shopping-Mall im Westen der Metropole. Bis jetzt sind dies noch die Ausnahmen, denn die ganze Stadt ist ein Laden. Überall bieten die Menschen am Straßenrand ihre Waren an. Es gibt unzählige kleine Läden, überall. Das gehört auch zum bunten Leben einer solchen Großstadt.

 Die Metropole Mumbai hat eine sehr multikulturelle Gastronomie-Szene, die von indischen Nationalgerichten bis zu modernen westlichen Küchen geht. Man findet hier vor allem viele iranische und muslimische Restaurants und tausende von Garküchen an den Straßenrändern. Der bekannteste Lebensmittelmarkt ist der Crawford-Markt mit einen unüberschaubaren Angebot an frischen Nahrungsmitteln, wie Obst, Gemüse aber auch Fleisch und Fisch und alles bestimmt immer frisch.

 Zu den Event-Highlights von Mumbai gehören unter anderem: das Mumbai Film Festival im Februar, das hinduistische Fest Ganesh Chaturthi im Juni oder die Feier zum Tag der Revolution im August. Von November bis April findet die Pferderennsportsaison in Mumbai auf dem Mahalaxmi Racecourse statt.

Samstag 14. Januar: Für einen Teil unserer Gruppe ist heute ein Ausflug zu den Elephanta Höhlen angesagt. Die Höhlen mit ihren unzähligen figürlichen Darstellungen dienen hauptsächlich der Verehrung Shivas. Sie befinden sich auf der kleinen Insel Elephanta rund 10km östlich von Mumbai und können nur mit dem Boot erreicht werden. Die Tempelhöhlen wurden im 8. Jh. errichtet und stehen seit 1987 auf der UNESCO-Liste des Weltkulturerbes. Torsten hat mir einige Eindrücke von der Insel und den Elephanta-Höhlen mitgebracht.

 Ich nehme an dieser Fahrt nicht Teil und gehe in die Stadt um mir einige andere Dinge hier anzusehen.

 Mein Weg führt mich wieder auf den Markt und die Straßen. Rund um den Byculla Bahnhof bietet sich auch heute wieder ein buntes Bild. Ich tauche heute noch tiefer in die Hallen ein wo ich von den Menschen begafft werde, wegen meiner hellen Hautfarbe. Hier bin ich ein Ausländer, es tut nicht weh, es ist nur sehr ungewöhnlich. Ich schlendere durch die Blechhallen und erfreue mich an den tollen Farben.

 Neben dem Bahnhof gibt es frisches Hühnchen. Dass das wirklich frisch ist sieht man wie die Hühnchen vor Ort getötet und ausgenommen werden. Die Füße werden abgehackt und als Delikatesse verkauft. Man kann den Werdegang vom Käfig bis zum Kochtopf verfolgen. Sehr ungewöhnlich aber wie ich meine ehrlich und die Hühner leben hier im Umland von Mumbai bestimmt besser wie unsere Hühnchen in unseren Legebatterien. Es ist halt nur gewöhnungsbedürftig.

 Auf dem Markt ein Paradies für jeden Vegetarier und auf der Straße ein funktionierendes Chaos. Es immer wieder interessant anzusehen mit was für schwer beladenen Handkarren die schmächtigen Inder sich durch den Straßenverkehr quälen.

 Die Transportmittel für Personen sind neben den Zügen auch die vielen bunten Busse. Jede Farbe hat hier eine besondere Transportaufgabe. Es gibt gelbe, grüne und rote Busse. Die gelben sind die Schulbusse, die roten sind ohne und die grünen sind mit Klimaanlage. Das Besondere sind die grauen LKW`s, das sind nach hinten offene Pritschenwagen in denen die armen Menschen kostenlos fahren dürfen. Es ähnelt schon ein wenig an Viehtransporter!

 Wieder zurück an den Markthallen werden gerade LKW`s abgeladen, natürlich wird hier alles per Hand gemacht und die teils schweren Säcke werden auf dem Kopf zum jeweiligen Stand getragen. Immer dabei ist das Handy. Es wird trotz großer Kopflast einhändig telefoniert. In einer Ecke sind Berge von Zuckerrohr gestapelt. Die Stangen werden in speziellen Maschinen meist am Straßenrand mehrfach durch Pressen gequetscht um den Zuckerrohrsaft zu gewinnen, der bei den Indern als Getränk sehr beliebt ist.

 An dieser Stelle noch ein paar Infos über Indien die für den Touristen interessant sind. Über die noch heute übliche Begrüßung „Namaste“ sprach ich schon. Was ich jedoch am blödesten finde ist die Sitte, dass die linke Hand in Indien ausschließlich zu hygienischen Zwecken gebraucht wird und deswegen als unrein gilt. Deshalb ist es zu vermeiden, jemanden mit der linken Hand zu berühren oder damit Essen zu servieren. Auch man selbst sollte zum Essen nur die rechte Hand verwenden. Bitte keine Personen heranwinken wie es bei uns üblich ist sondern zum Heranwinken den Arm nach vorne auszustrecken und die Hand nach unten zu bewegen, sonst könnte es beleidigend wirken.

 Um die Gruppe wieder zu vereinen trafen sich die nicht zur Elephanta Insel gefahrenen Teilnehmer um dann gemeinsam sich im Taj Mahal Palace zu treffen. Da noch etwas Zeit war bin ich schnell ganz nach oben in unserem Hotel auf die Dachterrasse gegangen. Von hier oben 9. Etage hat man einen herrlichen Blick über die Stadt Mumbai. Jetzt fällt einem auch auf das es schon eine Menge Hochhäuser gibt und somit eine neue Skyline sich entwickelt. Dann ging es per Bus zum Hotel. Jetzt kommt der Zufall mir zur Hilfe um doch noch zwei der ganz besonderen Sehenswürdigkeiten der Stadt zu sehen.

 Wir fahren durch Colaba zum Hafen in dessen Nähe befindet sich das Wahrzeichen von Mumbai, das „Gateway to India“. Dieser riesige 24m hohe Triumphbogen im britisch-indischen Baustil befindet sich direkt am Ufer des alten Hafens. Er galt als Begrüßung zu einer Zeit wo noch alle mit dem Schiff nach Bombay kamen. Erbaut wurde es 1926 als Erinnerung an dem Besuch von König Georg V., der sich zum Kaiser von Indien krönen ließ. Hier vom Gateway legen auch die Ausflugsschiffe zur Elephanta Insel ab.

 Gleich daneben ist eines der vielen 5 Sterne Hotels der Stadt das Taj Mahal Palace & Tower. Die Stadt hat eine der höchsten Dichten an 5-Sterne-Hotels in Indien. Anfang des 20. Jh. wurde es im Auftrag des parsischen Industriellen Jamshedij Tata erbaut. Auf der ganzen Welt berühmt wurde es leider durch negative Schlagzeilen. Bei den Terroranschlägen im November 2008 wurde es schwer beschädigt und im Hotel wurden zur gleichen Zeit mehrere Dutzend Geiseln von bewaffneten Männern festgehalten.

 Das Hotel besteht aus zwei Gebäuden, dem Palace (Altbau) und einem nördlich gelegenen Tower. Über der Mitte des Palace thront eine große Kuppel die auch ein Merkmal der Skyline von Mumbai ist. Der Baustil ist eine Mischung aus mittelalterlichen Formen aus Gujarat, viktorianisch-gotischen Einflüssen und islamischen und arabischen Formen. In diesem Palast waren schon Könige, Maharadschas, Prinzen, Präsidenten, Stars und Sternchen aus aller Welt zu Gast, in einem der 565 Zimmer und Suiten.

 Was noch fehlt und wohl auf dieser Reise wir nicht zu Gesicht bekommen ist das „Prince of Wales-Museum“. Das imposante Gebäude das im Stil der indo-sarazenischen Architektur gebaut wurde ist das wichtigste Museum der Stadt. Heute heißt es „Chhatrapati Shivaji Maharaj Museum“ und beherbergt eine Sammlung von rund 50.000 Gemälden und Skulpturen. Hier findet man auch Indus Valley Civilization Artefakte und andere Relikte aus dem alten Indien aus der Zeit der Gupta, Mauryas, Chalukyas und Rashtrakuta. Das Gebäude ist von einem Garten mit Palmen und vielen bunten Blumenbeeten umgeben.

Am Nachmittag hieß es dann Startunterlagen abholen. Ohne Meldebestätigung und Pass kam man nicht in den abgesperrten Teil der Halle. Dann ging alles recht schnell und problemlos. Auf einem Bildschirm war man mit Foto und pers. Daten angezeigt. Anschließend hieß es eine Telefonnummer für den Notfall abgegeben, die auch auf dem Bildschirm war und anschließend holte man seinen Einweg-Chip ab. Ein Stück weiter war die Ausgabe des Starterbeutels der gefüllt war mit vielen Proben und viel Papier. Wir wollten uns noch ein Erinnerungs-Shirt kaufen, das einzige was es gab war ein Polo-Hemd für umgerechnet 40€ und das noch in weiß mit kleinem Aufdruck. Schade so muss es diesmal ohne Erinnerungs-Shirt gehen.

 Dann gingen viele zum Streckenplan um die Strecke studieren. Ich hatte mir aus dem Internet den Plan rausgezogen und musste feststellen, dass es eine geänderte Strecke gab. Eigentlich nicht schlimm da ich aber meinen Bericht über die Streckenführung vorformuliert hatte, musste ich jetzt alles umschreiben was mir eine Nachtschicht extra eingebracht hat.

Ende Teil 1