Märchenhaftes Indien mit Mumbai Marathon 2012

Lauferlebnisreise durch Indien und Nepal

12.01. - 27.01.2012 von Bernd Neumann Teil 3

Montag, 16.1.: Es geht per Inlandsflug nach Udaipur. Wir haben den Bundesstaat Maharashtra (85 Mill. Einwohner, Hauptstadt Bombay, überwiegend Hindus) verlassen und fliegen nach Rajasthan (50 Mill. Einwohner, Hauptstadt Jaipur, 75% Hindus, 20% Moslems, 5% verschiedene Stammesreligionen). Da wir noch andere Bundesstaaten besuchen hier dem Überblick über die 28 Bundesstaaten: Andhra Pradesh, Arunachal Pradesh, Assam, Bihar, Chhattisgarh, Goa, Gujarat, Haryana, Himachal Pradesh, Jammu und Kashmir, Jharkhand, Karnataka, Kerala, Madhya Pradesh, Maharashtra, Manipur, Meghalaya, Mizoram, Nagaland, Orissa, Punjab, Rajasthan, Sikkim, Tamil Nadu, Tripura, Uttarakhand, Uttar Pradesh, Westbengalen (West Bengal) plus 7 bundesunmittelbaren Gebiete: Andamanen und Nikobaren, Chandigarh, Dadra und Nagar Haveli, Daman und Diu, Delhi, Lakshadweep, Puducherry (früher Pondicherry). Vielen ist der eine andere Staat bekannt von Urlaubsreisen oder Waren aus der Gegend.

 Rajasthan ist aus 23 Fürstentümern der Rajputen entstanden. Zeugnisse sind noch die Paläste und Festungen aus dem Mittelalter, Symbole des Muts und der Erhabenheit der Rajputen. Vor der Unabhängigkeit Indiens wurden diese Fürstenstaaten, wo es bis 600 gab, von Rajas, Maharadschas oder Sultanen regiert. Ein Maharadscha ist ein Großkönig oder Großfürst. Sein weibliches Gegenstück ist die Maharani. Jaipur, Jodhpur und Udaipur sind die wohl interessantesten und schönsten Städte in Rajasthan.

 Unser Flieger kommt gegen 15:30 Uhr in Udaipur an. Udaipur hat 450.000 Einwohner und war einst die Hauptstadt des Reiches Merwar. Es hat eine sehr alte und lange Geschichte. Die vielen Zeitzeugen sind die wunderbaren Paläste in und um die Stadt. Wir fahren vom Flughafen, der außerhalb liegt, durch die Stadt direkt zum Pichola See, zu einer Bootsfahrt. Der Pichola See ist der interessanteste See mit seinen zwei bekannten Inseln Jag Niwas und Jag Mandir. Angelegt wurde der See künstlich im Jahre 1362 und dient der Trinkwasserversorgung und Bewässerung der Stadt.

 Umgeben von den sanften Hügeln der Aravalli-Berge liegt Udaipur, die frühere Hauptstadt der Region Mewar, süd-westlich der alten Königsstadt Chittaurgarh. Das Königreich wurde mehr als 1200 Jahre von der Dynastie der Sisodias regiert, musste aber nach einem verheerenden Krieg mit den Mogul-Herrschern ihre alte Hauptstadt Chittaugarh aufgeben. Am Pichola See gründeten sie die neue Stadt die nach Udai Singh den Namen Udaipur erhielt. Die Weiße Stadt ist noch heute eine der schönsten Städte Indiens. 1568 vom Maharana Udai Singh gegründet, bietet sie auch heute noch einen guten Eindruck des Aufstiegs und Reichtums Rajasthans. Neben der Geschichte, Kultur und Landschaft ist die Stadt auch für seine Paläste aus der Rajput-Ära bekannt. Durch die fünf Seen im und um das Stadtgebiet erhielt Udaipur auch den Beinamen „Venedig des Ostens“. Zahlreiche Künstler ließen und lassen sich noch heute von Udaipurs Romantik inspirieren.

 Auf der Insel Jad Niwas steht das Lake Palace Hotel. Dieser Palast wurde 1743-1746 als Sommerpalast für den Maharani von Udaipur gebaut. Heute ist der weiße Marmorpalast ein 5 Sterne Luxus-Hotel. Man hat das Gefühl das der Palast auf dem Wasser schwebt. Mit dem nötigen Kleingeld kann man hier auch nächtigen. Das Doppelzimmer oder besser gesagt die Luxus-Zimmer beginnen bei knapp 700€ die Nacht. Die Grand Presidential Suite liegt bei 10.650€.

 Bekannt wurde diese herrliche Palastanlage durch die Filme Der Tiger von Eschnapur und Das indische Grabmal (beide 1958/59) von Fritz Lang. Es geht um die Liebesgeschichte zwischen der Tempeltänzerin Seetha und dem Ingenieur Harald Berger. Auch Teile des James-Bond-Filmes Octopussy mit Roger Moore wurde hier 1983 gedreht.

 Vom Wasser aus auf dem wir uns befinden hat man einen herrlichen Blick auf den Stadtpalast der direkt am Ufer liegt. Morgen werden wir ihn uns genauer ansehen. Heute genießen wir ihn in der Abendsonne.

 Unsere Fahrt geht um das Lake Palace Hotel herum und weiter zur zweiten Insel. Auf der zweiten bekannten Insel steht der Jag Mandir Palast. 1551 begann Maharana Amar Singh den Bau mit dem Gul Mahal. Darum wurde dann nach und nach über die ganze Insel der Palast mit herrlichen Gärten erweitert. Auf den beiden Seiten an der Anlagestelle sind jeweils vier große Elefanten aus Stein die den Besucher begrüßen. Der Palast wird auch der Palast der 12 Steine genannt, denn hier wurden unter anderem verschiedenen Halb- und Edelsteine verbaut wie Rubine, Onyx, Jaspis, Karneol und Jade.

 Von diesem herrlichen Anblick fuhren wir quer durch die Stadt zu unserem Hotel dem Swaroop Villas. Eine wunderschöne Anlage im Bungalowstil. Hier wurden wir mit einer Blumenkette und den typischen Bindi-Punkt auf der Stirn empfangen.

 Die geschmückte Blumenkette ist in Indien ein weit verbreitetes Symbol der Ehre. Einem Gast der beim Empfang mit einer Blumenkette die meist aus weißem Jasmin oder Ringelblumen gebunden ist, erhält diese zum Zeichen der Ehre und des Respekts als Willkommensgeschenk. Oft ist dies auch verbunden mit einer Verehrung der Götter.

 Der rote bzw. ockerfarbene Punkt oder Strich, den der Gast zum Willkommen erhält, hat je nach Gebiet und Religion verschiedene Bedeutungen. Dieser Punkt wird Bindi genannt und bedeutet in Sanskrit Tropfen oder auch Punkt. Eine Bedeutung ist, dass das Bindi das mythische dritte Auge einer Person darstellt. Zwischen den Augen wo das Bindi plaziert wird gilt im hinduistischen Glauben als sechstes Chakra und Agna. Hier ist der Sitz der verborgenen Weisheit. Als Agna, Beherrschung, Befehl wird eine Ebene der Konzentration durch Meditation erreicht, weshalb dieses Zeichen bei Männern und Frauen beim Betreten eines Tempels vom Priester aufgetragen wird. Eine zweite Bedeutung des Bindi ist das dieses Zeichen als soziales Symbol getragen wird. Früher haben dies nur verheiratete Frauen getragen die damit Glück und Wohlstand reiche Nachkommenschaft ins Haus brachten. Heute wird es auch teilweise als Schmuck getragen.

 Wir haben heute nur einen der fünf großen Seen von Udaipur kennen gelernt. Genauso schön ist auch der Fateh Sagar See der nördlich des Pichola-Sees liegt, durch sein blaues Wasser. Auch dieser See wurde künstlich angelegt durch Maharani Jai Singh 1678, aber später erweitert und umgebaut durch Maharana Fateh Singh. Vor ca. 20 Jahren wurde der See trocken, aber seit 7 Jahren gewann der See sein Wasser wieder. Auf dem See gibt es drei kleine Inseln wobei die größte den Nehru Park mit einem Zoo beheimatet. Auf der zweiten Insel befindet sich ein öffentlicher Park und auf der kleinsten Insel steht das Udaipur Solar Obersevatory.

Dienstag, 17.1.: Nach unserem gemeinsamen Frühstück heißt es heute Stadtrundfahrt. Von unserem Hotel Swaroop Villas haben wir eine schöne Sicht auf einen Winkel des Pichola See. Das Hotel hat einen sehr schönen Baustil und fügt sich sehr gut in die umliegende Bebauung ein. Der orientalisch-indische Stil ist sehr schön und mit vielen Elementen wird hier einem das Gefühl gegeben in einem wenn auch kleinen Maharadscha-Palast zu sein. Die Bar mit Blick auf den See und der sichtgeschützte Swimming-Pool runden dieses Bild ab.

 Es geht weiter in den nördlichen Teil der Stadt. Auf der Höhe des Fateh Sagar Lake befinden sich die Sahelion-ki-bari-Gärten. Der Name bedeutet übersetzt „Garten der Ehrenjungfrauen“. Heute beginnt für unsere Reisegruppe eine neue Erfahrung. Wir werden das erste Mal mit den drängenden Händlern konfrontiert. Wenn sie einmal einen zahlungskräftigen Kunden und das sind nach deren Verständnis alle Europäer im Gespräch haben wird man ihn so schnell nicht los egal ob man zwei-, drei- oder zigmal nein sagt. Nachdem unsere Guide die Eintrittskarten geholt hat betreten wir durch das große Eingangstor den Garten.

 Maharana Sangram Singh hat diese malerische Gartenanlage für 48 junge Frauen gebaut, als Mitgift für die Bediensteten der Prinzessinnen zur Erholung. Aus dem englischen übersetzt heißt Saheliyon Ki Bari "Garten der Dienstmädchen". Am Eingangsweg spritzen links und rechts kleine Wasserfontänen. Der dahinterliegende hübsche und ziemlich große Swimmingpool ist umgeben von hohen Mauern, um die adeligen Damen einst beim Baden vor neugierigen Blicken zu schützen. In der Mitte steht ein Pavillon mit einer bunt bemalten Frauenstatue und rund ums Becken spritzt Wasser aus feinen Düsen in das Schwimmbecken. Über die Mauer wächst eine riesengroße Bougainvillea in herrlichster Blüte.

 Hinter den schützenden Mauern des Swimming-Pools wurde ein großer Garten angelegt mit Rasenflachen, üppig blühenden Bougainvillea. Rosenbeete, Pavillons und Lotosteiche mit großen Steinelefanten sorgen in diesem Lustgarten für ein angenehmes Ambiente. Es gibt neben einen Monsungarten, Sommergarten und Holigarten sogar einen Regenwald. Hier trafen sich die Maharajas mit ihren Frauen und Konkubinen. Je nach Jahreszeit vergnügte man sich dabei in einem anderen Gartenteil.

 Die Brunnen funktionieren mit einem einzigartigen Hydrauliksystem, das im Jahre 1700 n.Chr. entwickelt wurde. Es nutzt den unterschiedlichen Wasserstand der beiden nahegelegenen Seen aus, alles funktioniert ausschließlich mit Wasserdruck und ohne Pumpen. Aus den Elefanten aus Marmor sprühen feine Nebel in ein Becken mit Seerosen und Lotosblüten. Die Wassertropfen glitzern und funkeln in der Sonne, vier Steinlöwen bewachen die bunte Säule in der Mitte. Am Monsunbrunnen plätschert unaufhörlich Wasser auf die großen Blätter von Fächerpalmen und so entsteht der Eindruck, als würde gerade sanfter Monsunregen fallen. Und überall verteilt im Garten stehen Lampen und kleinere Statuen. Auf den Wegen und Beeten sind Gärtnerinnen in bunten Saris unterwegs die für die Sauberkeit im Garten sorgen.

 Anschließend sind wir in eine staatliche Schule für Seidenmalerei gefahren. Die indische Pichhwai Miniatur-Seidenmalerei wird heute fast ausschließlich in Udaipur betrieben. Dieses Kunsthandwerk wird schon fast 300 Jahre in Rajasthan, dem Land der Rajputen gefertigt. Die Herstellung von indischer Seide blickt auf eine lange Geschichte zurück. Sie wird von Hand gesponnen und gewebt, so dass man dem feinen Stoff die wertvolle Handarbeit ansehen kann. Wir erhielten einen Einblick in diese Kunst und konnten natürlich auch kaufen, je nach Größe und Geldbeutel.

 Die alte Mogul Seidenmalerei zeigt Szenen aus dem Reich der muslimischen Eroberer in Indien. Jagdszenen, das Leben der Maharadschas und Mogule am Hofe, im Alltag und auf Tigerjagd werden hier kunstvoll dargestellt. Die Mogul Seidenmalerei ist gemalt mit großer Detailtreue auf indischer Seide in verschiedenen Darstellungen. Auch die besondere Beziehung der Mogulkultur zu den Tieren wie Elefanten, Pferde, Tigern oder die Heiligen Kühe wird bei indischen Miniaturen ausdrucksstark auf die indische Seide gemalt. Viele Motive zeigen auch die Ritte von Maharadschas und Mogule auf Elefanten, Pferden und Kamelen oder Jagdszenen mit Personen, Tieren sowie höfische Szenen. Besonders schön und farbenfroh sind die Darstellungen der Hochzeitszüge.

 Rund um die Schule gruppiert sich ein Labyrinth aus kleinen Straßen und verwinkelten Gassen. Ganz unverhofft steht man plötzlich vor einem prunkvollen Haveli (Wohn- und Geschäftshaus) oder einem geschmückten Tempel. Udaipurs glorreiche Vergangenheit scheint noch allgegenwärtig zu sein

 Ein kleiner überwiegend ca. 16 – 18 cm großer brauner Vogel umschwirrt uns hier. Er wird in Indien Kingfisher genannt. Es handelt sich hierbei um den Eisvogel (Alcedo atthis) der meist in Mitteleuropa vorkommt. Unser Eisvogel hat eine etwas andere Färbung des Gefieders. Der Vogel ist ein Einzelgänger und sitzt oft lange Zeit still auf einem Ast. Er hat eine wunderschöne Färbung und wird auch in der Heraldik oft als Wappentier eingesetzt.

 Dann geht es hinauf zur größten Palastanlage Rajasthans. Udai Sing baute ihn im 16. Jh. als Wehrbau gegen die Mogulen. Er wurde später dann zum prächtigen Wohnpalast erweitert, der heute noch zum Teil bewohnt wird. Noch vor dem Tor haben wir einen herrlichen Blick auf das Palace Hotel im See.

 Beim Blick über den Pichola See sehen wir im Hintergrund auf dem Bergrücken einen weißen Palast. Es ist der Monsun-Palace, früher bekannt als Sajjan Garh Palast. Es wird erzählt, dass er erbaut wurde um die Monsun-Wolken zu beobachten, andere Geschichten sagen damit die Maharana einen Blick zu ihrer alten Heimat Chittorgarh haben. Erbaut wurde er vom 72. Herrscher der Mewar Dynastie (1874-18884). Maharana Sajjan Singh lebte hier nur 10 Jahre bis zu seinem frühen Tod. Auch hier wurde ein Teil des James-Bond-Filmes Octopussy 1983 gedreht.

 Schon vor dem Palasteingang werden wir von der königlichen Garde auf ihren stolzen Pferden begrüßt. Die Palastwache reitet auf dem nur in Rajasthan gezüchteten Marwari-Pferd. Marwari heißt „Aus dem Land des Todes“. Diese ehemaligen Kriegspferde zeichnen sich durch ihre Säbel- oder Sichelohren aus, die sich um 180 Grad drehen lassen und ein außergewöhnlich gutes Gehör haben sollen.

 Dann betreten wir das wohl schönste und imposanteste Bauwerk der Stadt Udaipur, die Palastanlage. Auf dem Rücken eines flachen Hügels gelegen überblickt der größte Palast Rajasthans den Pichola See.

 Udaipurs faszinierender Stadtpalast aus weichem gelbem Gestein steht auf einem Felsvorsprung am Nordwestufer des Pichola-Sees. Insgesamt elf Paläste (mahal) wurden hier ineinander gebaut die sich durch beispielhafte Handwerkskunst auszeichnen. Auf einem kompakten fensterlosen Fundament erheben sich mehrere Etagen mit reich verzierten Balkonen sowie vielen Türmen und Türmchen mit goldenen Spitzen.

Udai Sing begann um 1567 mit dem Bau dieses Palastes. Noch bis ins 20. Jahrhundert wurde die Anlage nach und nach erweitert von den späteren Königen und Nachkommen. Somit wurden hier auch die unterschiedlichsten Baustile aus den verschiedenen Epochen erbaut. Heute ist der Stadtpalast dreigeteilt und beherbergt neben der Privatwohnung des Nachfahrens des letzten Königs, zwei Luxushotels, ein Museum, eine Reihe von Läden und eine Schule. Ein kleiner Teil wird außerdem für administrative Zwecke genutzt. In 2005 hat der Maharana von Udaipur einen internationalen Preis für die Erfindung solarbetriebener Fahrzeuge gewonnen.

 Neben einer Sammlung schön verzierter, antiker Waffen die sich in einem Nebentrakt befinden bewundert man eine riesige Ahnentafel. Es handelt sich hier um den zweitlängsten Stammbaum der Welt, der die Linie der Maharana von Udaipur darstellt. Nur die Chinesen haben eine noch längere Ahnentafel mit weit über 70 Einträgen.

 Nach den Ausführungen unseres Guides betreten wir die ersten Gemächer in der viele Miniaturmalereien zu finden sind. Die sehr detailreichen Gemälde zeigen Jagdszenen, Hochzeitszüge sowie viele Kampfszenen. Zu den Besonderheiten, die wir hier im Stadtpalast sehen, zählt auch ein lederner Pferdekopfschmuck, der wie ein Elefantenrüssel aussieht. Damit „verkleidet” glaubten die gegnerische Kampfelefanten, dass es sich um Babyelefanten handelt und ließen die Pferde in Ruhe durch ihre Reihen reiten.

 Der Rundgang führt uns durch die vielen Gemächer, immer durch enge und verwinkelte Gänge Treppauf und Treppab. Wer nicht rechtzeitig den Kopf einzieht kommt hier mit mancher Beule raus. Wir durchlaufen neben dem Audienzzimmer des Maharanas auch den Frauenpalast. Hier bewundern wir das Schminkzimmer mit vielen kleinen Spiegeln und einer großen Schaukel in der Mitte. In einem Hof für Versammlungen des Maharanas mit seinen Damen und Ministern, finden wir einen sehr schönen, mit Spiegeln und Mosaiken geschmückten Erker vor. Hier wurden einst Verträge ausgehandelt und dabei so laut gesprochen, dass alle trotz der Weitläufigkeit des Hofes mithören konnten. Ganz nach dem Motto „erst die Arbeit, dann das Vergnügen” verließen die Minister nach Vertragsabschluss die Räumlichkeiten und die Frauen tanzten im Hof für den Herrscher.

 Weiter geht's, bis wir vor einem Aufzug stehen. Einer der Maharanas hatte Kinderlähmung und war an den Rollstuhl gefesselt. Trotz dieser Behinderung hat er jedoch seinen Humor nicht verloren. Seinen Gästen redete er ein, dass der Aufzug lediglich das Gewicht von ihm selbst samt seinem Rollstuhl tragen könnte und die Gäste doch bitte den Aufzug gleich daneben verwenden sollten. Im obersten Stockwerk des Palastes befindet sich ein kleiner Hof, durch dessen Fenster man einen wunderbaren Ausblick auf den See mit dem heutigem Lake Palace Hotel hat. Ebenfalls hier im obersten Stockwerk befindet sich ein Hof mit einem Garten. Beim Bau der Palastanlage wurde der Hügel nicht abgetragen, sondern um ihn herum gebaut. Die Bäume sind also einfach schon hier gestanden und erst später wurde der Gartenhof um sie herum errichtet.

 Zur Palastanlage gehören zahlreiche Räume und Innenhöfe. Von den oberen Etagen aus hat man immer wieder schöne Ausblicke auf den Pichola-See, die Innenstadt und die Aravalli-Berge. Auf einer Anhöhe von 30 m befindet sich ein Innenhof mit Bäumen und einem Saal. Überall sind die Marmor- und Granitwände mit brillanten Miniaturmalereien, Kacheln und Mosaiken aus Bunt- und Spiegelglas verziert, und einzelne Räume erstrahlen im Sonnenlicht der Buntglasfenster.

 Enge Passagen mit niedrigen Decken verbinden die einzelnen Paläste (mahal) und Höfe miteinander und erfüllen gleichzeitig den Zweck ein überraschendes Eindringen bewaffneter Feinde zu verhindern. Der Pfauen Hof (Mor Chowk) ist für die in leuchtenden Farben dargestellten Reliefs von Pfauen berühmt, die zu den prächtigsten Darstellungen des National-Vogels in Indien zählen. Pfauen, die Begleittiere (Vahanas) des Kriegsgottes Skanda, genossen im Lande der kriegerischen Rajputen besondere Verehrung.

 Die von Säulen getragenen Wohnräume sind mit Szenen aus dem Leben Krishnas geschmückt - ein Lieblingsmotiv der Gemälde in den Frauengemächern des Zenana Mahal, die mit ihren Alkoven, Balkonen, bunten Fenstern, gekachelten Wänden und gefliesten Böden die prächtigsten Räume des gesamten Palastes sind. Im ersten Stock dieses Gebäudes sind um einen großen Innenhof eine Fülle von Fotos und verschiedene Utensilien der Königsfamilie ausgestellt. Die Kanonen im Hof erinnern daran, dass er heute so friedlich wirkender Palast einst Schauplatz von Krieg und Gewalt war. Im Stall sind die Marwari-Pferde sogar an den Füßen festgebunden. Wir verlassen die Palastanlage und nun geht es weiter per Bus.

 Früher war Udaipur geschützt durch eine Stadtmauer die ringförmig um die Stadt herumgebaut war und elf Stadttore sowie eine Befestigungsanlage besaß. Von der Mauer sind heute nur noch einige Teilstücke sowie acht der ehemals elf Stadttore, die heute als Denkmäler geschützt sind, übrig. Die Stadt hat jedoch ihre einstige Begrenzung längst überwachsen. Es ist gegen 13 Uhr, nochmal einen Blick auf den Pichola-See und dann weiter ins ca. 400km entfernte Jaipur.

 Wir folgen der Nationalstraße 76 wo wir in rund 400km Jaipur erreichen. Unterwegs kommen wir durch viele kleine Dörfer bzw. Siedlungen die sich hier an der Straße gebildet haben. Wie überall gibt es unzählige Verkaufsstände die am Straßenrand alle Waren des täglichen Lebens anbieten.

 Wir machen ca. zwei Autostunden hinter Udaipur halt. Gegenüber ist ein Haltepunkt für die LKW`s. Wie schon in Mumbai bewundere ich die bunten Führerhäuser der Lastwagen und auch die Dreisitzer-Mopeds.

Ende Teil 3