Nepal, das Dach der Welt mit Kathmandu-Marathon 2012

Lauferlebnisreise durch Indien und Nepal

12.01. - 27.01.2012 von Bernd Neumann

Sonntag, 22.1.: Heute geht unsere Reise von Indien weiter, denn wir fliegen ins benachbarte Nepal.

 Gegen Mittag starten wir vom modernen Flughafen Indira Gandhi nach Kathmandu. Der Flughafen ist schon seit Jahren im Umbau und es werden laufend neue Terminals und Start- und Landebahnen gebaut. Von heute 40 Millionen Fluggästen will man bis zum Jahre 2026 auf 100 Millionen Passagiere ausbauen.

 Die Reise geht weiter. Ich berichte in diesem Teil von unserer Weiterreise nach Nepal, dem Dach der Welt.

 Unsere Reiseziel waren bisher: Mumbai mit Marathon, Udaipur am Rande des Pichola-Sees (Lake Palace), Jaipur, die einstige Hauptstadt Indiens, der „Stadt der Könige“ mit dem „Palast der Winde“ (Hawa Mahal), den vielleicht schönsten Palast Rajasthans das mittelalterliche Amber Fort, Agra - sowie die verlassene Ruinenstadt Fatehpur Sikri, die „Stadt des Sieges“ mit den roten Sandsteinhäusern der indischen Herrscherfamilien sowie dem Höhepunkt der Reise das weltberühmte Taj Mahal, die „Krone der Paläste“, Zeugnis einer unsterblichen Liebe, Delhi mit Alt-Delhi, das Rote Fort, die größte Moschee Indiens Jama Masjid, das bunte Geschäftsviertel und die letzte Ruhestätte Mahatma Gandhis, Neu-Delhi mit den Qutab Minar Komplex, der u. a. das größte Minarett des Landes einschließt.

 Am Sonntag, den 22. Januar fliegen wir weiter nach Kathmandu, der Hauptstadt Nepals und werden bis zu unserem Rückflug am Donnerstag, den 26. Januar den „Tempel der Lebenden Göttin“ besichtigen, später das älteste und bedeutendste Heiligtum mit den „alles sehenden Augen Buddhas“; sowie einer Fahrt entlang des „Mountain Highway“ zum Royal Chitwan-Nationalpark, Patan City, die alte Königsstadt mit ihren Tempeln. Wir werden dann auch noch am „1st German-Nepal Friendship Race 2012“ teilnehmen.

Sonntag, 22.1.: Acht Teilnehmer unserer Reisegruppe fliegen heute Abend nach Hause, für die anderen heißt es Abflug 12:30, Ankunft in Kathmandu 15:20 Uhr. Das Visum für Nepal erhalten wir direkt am Flughafen, natürlich wieder gegen eine Extragebühr (25$). Anschließend werden wir erst zu unserem Hotel gebracht. Am Nachmittag starten wir noch einen Rundgang durch die Stadt.

 Jetzt erst Mal wieder einige Infos zu diesem Land am bzw. im Himalaya-Gebirge. Nepal liegt zwischen den bevölkerungsreichsten Staaten der Erde. Im Norden grenzt er an die Volksrepublik China und im Osten, Süden und Westen an Indien. Die Hauptstadt Kathmandu liegt auf 1.350m Höhe und hat knapp 1 Million Einwohner. Im Norden und Osten des Landes liegt ein großer Teil des Himalaya Gebirges, das über 3.000 km von Pakistan bis Burma geht.

 Von den 14 höchsten Bergen der Welt die über 8.000m hoch sind liegen alleine acht in Nepal. Der höchste und bekannteste Berg ist der Mount Everest mit 8.848m. Der Mann der als erstes alle 8000er bestiegen hat ist Reinhold Messner. Ich habe ihn einmal kennenlernen dürfen auf einem seiner Vorträge und war begeistert wie er von seiner Welt in den Bergen erzählt. Er ist ein Verrückter in Sachen Berge, ich ein kleiner Verrückter in Sachen Marathon. Der tiefste Punkt des Landes ist 70m ü.NN bei Kencha Kalan im Süden Nepals. Das Land ist ethnisch und kulturell ein Minoritäten Mosaik, denn es gibt über 100 verschiedene ethnische Gruppen und Kasten, sowie 124 verschiedene Sprachen und Dialekte. Die meisten Menschen kommen aus indo-arischen und tibeo-birmanischen Volksgruppen.

 Viele der Volksgruppen sind Nachkommen von Flüchtlingen, die sich einst in die schützenden Berge nach Nepal zurückgezogen hatten. Die Sherpas wanderten in den Jahren um 1500 n. Chr. aus der chinesischen Provinz Sichuan in den Osten nach Nepal ein. Der Ursprung mancher Ethnien ist bis heute umstritten oder gar unbekannt, beispielsweise der der Nerwar oder der Tharu. 80% der Bevölkerung gehören dem Hinduismus an.

 Wir sind nur 6km entfernt von der City von Kathmandu auf dem Tribhuvan International Airport, dem einzigen Flughafen des Landes gelandet. Die Hauptstadt Kathmandu liegt auf 1350m Höhe im dicht besiedelten Kathmandutal. Die umliegenden Berge sind zwischen 2.000 und 2.700m hoch. Der Talkessel von etwa 30km Durchmesser hat neben der Hauptstadt noch die Städte Lalitpur, Bhaktapur, Mahyapur-Thimi, Kirpur und viele kleine Orte die zusammen einen Ballungsraum von über 1,3 Mill. Einwohnern bildet. In ganz Nepal leben rund 29 ½ Millionen Einwohner.

 Rund um den Talkessel Kathmandu bringen Flüsse viel Wasser von den Bergen ins Tal, die einzig über den Hauptfluss Bagmati durch eine Schlucht im Süden abgeführt werden, durch die es jedoch keine Verkehrsanbindung gibt. Die bisher einzige erfolgt über einen Pass der bei den extremen Monsunniederschlägen oft Erdrutsche auslöst und die Stadt dann von der Außenwelt abschneidet. Eine zweite Anbindungsstraße ist im Bau und fast fertig.

 Wie entsteht so eine Stadt mitten in den Bergen und weit weg von jedem Zugang? Der Ursprung von Kathmandu ist legendenumwoben. Um 950 hatte die Göttin Mahalakshmi dem König Gunakama Deva im Traum den Auftrag gegeben am Zusammenfluss von Vishnumati und Bagmati eine Stadt namens Kantipur zu gründen. In Nepal sind viele Stellen von Zusammenflüssen heilig. Bei Kantipur handelt sich aber sehr wahrscheinlich eher um eine Neuordnung von Stadtbereichen da hier schon eine Stadt vorhanden war. Der König Gunakama Deva verlegte seinen Königssitz von Patan nach Kantipur und ließ 18.000 Häuser und den goldenen Brunnen Suvarnapranali bauen. Er brachte Schutzgottheiten in die Stadt, Chandesvari, Rakta Kali (Kankeshvari), Pacali Bhairava, Indrayani, Maheshvari und Lomri, die heute noch in Kathmandu verehrt werden.

 Als wir auf dem Rollfeld sind, begrüßt uns eine große Tafel mit „Welcome to Nepal“. Nach einer ein stündigen Warte- und Ausfüllzeit haben wir unser Visum für Nepal und können den Flughafen verlassen. Am Ausgang werden wir herzlich empfangen mit einem Plakat „Welcome Marathon Group“. In Kleinbussen geht es anschließend zum Hotel, das mitten in der Altstadt liegt.

 Noch am Abend des Ankunftstages gab es eine Pressekonferenz mit dem Präsidenten Raj Shrestha Nilendrades vom Nepal Amateur Athletics Association NAAA, dem nationalen Leichtathletik Verband. Anwesend war unsere Reisgruppe mit der Weltrekordsammlerin Sigrid Eichner (1667 Marathons inkl. ca. 600 Ultras), vom Dresden Marathon Peter Fleischer und natürlich ich als Marathon4you Reporter, sowie 4 Fernsehteams aus Nepal und mehrere Zeitungsreporter. Übrigens kennt der NAAA-Präsident unsere Seite aus seiner Zeit in Deutschland und ist begeistert, dass sogar von uns jetzt jemand hier ist. Auf dem Foto mit den zwei roten Jacken von links Christel Schemel und Klaus Weidt von Reisezeit Tourismus, Bernd Neumann von Marathon4you und der Präsident der NAAA Nepal Raj Shrestha Nilendrades.

 Hier wurde erzählt wie die Idee einen Marathon in Kathmandu für unsere Reisegruppe zu gestalten entstanden ist. Sigrid Eichner wollte die Zwei-Wochenreise mitmachen, aber mehr wie einen Marathon laufen woraufhin sie Klaus Weidt auf diese Idee angesprochen hat. Klaus Weidt von der Reisezeit Berlin und Reporter von Laufzeit hat in der ganzen Welt schon Marathons mit den nationalen Verbänden ins Leben gerufen. Er ist der Vater oder wie er sich selbst bezeichnet der Großvater dieser Marathons. Es fand bei Nilendra Raj Shrestha schnell ein offenes Ohr diesen Wunsch in die Tat umzusetzen. Herr Nilendrades hat in Deutschland studiert spricht gut deutsch und ist dem Sport leidenschaftlich verbunden. Für ihn war es nicht leicht in mitten der Hauptstadt einen Kurs zu finden den man auch noch autofrei über mehrere Stunden halten kann, keine große Steigungen hat und es auch noch schöne Dinge sprich Tempel zu sehen gibt. Er hat eine Strecke gefunden und dazu auch noch Läufer aus 17 Nationen die mit uns gemeinsam starten.

 Ein kurzer Abschweif bevor wir uns auf den Weg zu einem Restaurant in der Innenstadt von Kathmandu machen. Hier gibt es ein typisches nepalesisches Essen mit einem nepalesischen Folklore-Programm.

 Laufen in Kathmandu ist für viele Leser jetzt wahrscheinlich unmöglich wegen der Höhe und der extrem dünnen Luft, aber es geht auch anders, denn es gibt Gegenden die nur so wie Kathmandu um die 1.300 – 1.500 Meter hoch liegen. Die Läufer- bzw. Ultraläufer Scene in Nepal wird langsam aktiver und größer. Dies ist einigen Reiseveranstaltern aus der ganzen Welt zu verdanken und auch dem NAAA mit ihrem aktiven Präsidenten Herrn Shrestha. Er ist auch der Organisator vom Real Kathmandu Marathon mit Halbmarathon und 5km Lauf.

 Wer in dieses wunderbare Land einmal reisen und dies mit einem Lauf verbinden möchte hier einige Daten und Infos rund ums Running und immer beliebter werdende Trailrunning in Nepal.

 

Marathon bzw. Ultra in Nepal gibt es und zwar am:

29.05.2012 den Tenzing Hillary Everest Marathon,

13.10.2012 den Real Kathmandu Marathon mit Halbmarathon und 5km Lauf,

10.11.2012 den Everest Trail Race,

20.11.2012 den Racing ThePlanet: Nepal

 

 Am 29.05.2012 findet der 10. Tenzing Hillary Everest Marathon statt. Der Veranstalter weißt darauf hin, dass die Teilnehmer 3 Wochen vorher anreisen müssen um sich zu akklimatisieren. Der Start erfolgt am Everest Base Camp auf 5.356m Höhe und führt über ein schwieriges Terrain auf und ab zum Namche Bazaar auf 3.447m Höhe. Die 26,2 Meilen führen auf Sherpa Spuren durch das Khumbu-Tal und erinnern damit an den ersten Everest Aufstieg von Late Tenzing Norgay Sherpa und Sir Edmund Hillary auf 29. Mai 1953. Hier liefen auch schon deutsche Teilnehmer mit.

 Am 13.10.2012 wird schon zum 6. Mal der Karthmandu-Marathon veranstaltet. Neben der Marathonstrecke gibt es auch einen Halbmarathon und verschiedenen kürzere Läufe für alle möglichen Altersklassen. Der Lauf geht vom Stadion in Kathmandu aus und verläuft innerhalb des Tales. Kathmandu liegt auf ca. 1.300m Höhe. Hier gab es auch schon deutsche Teilnehmer.

 Am 10.11.2012 findet der Ultra (Multi-Day Race) Everest Trail Race statt. Das Rennen wird in sechs aufeinanderfolgenden Tagen durchgeführt wobei jeder auf sich allein in Bezug auf Ausrüstung und Selbstversorgung gestellt ist. Es werden hierbei 160km gelaufen mit addierten 20.000 Höhenmetern, positiv wie negativ. Ein Teil der Laufstrecke führt entlang dem Everest, Lothse, Ama Dablam, Tamseku, Kangtega, Makalu, Kanchenjunga.

 Am 20.11.2012 findet der 2. Racing the planet Nepal statt. Es handelt sich hierbei um einen Ultra (Multi-Day Race) mit 250km Länge und rund 10.000 Höhenmetern. Bei der ersten Ausgabe nahmen mehr als 200 Teilnehmer aus 40 Nationen teil. Das Rennen wird in 6 Stages gelaufen (40km, 40km, 40km, 42,8km, 75km, 15km).

 Beim Everest Marathon am 2.12.2011 sind 83 LäuferInnen ins Ziel gekommen. Es wurde eine neue Bestzeit von 3:47:38h vom 31-jährigen Nepalesen Ram Kumar Raj Bhandari aufgestellt. Der langsamste Läufer benötigte für die Strecke 11 Stunden und 31 Minuten. Es gibt nur maximal 75 Startplätze für Nichtnepalesen. Der Start ist bei Gorak Shep auf 5.184m, direkt unterhalb des Everest Basislagers und endet in der Sherpa-Hauptstadt Namche Bazaar auf 3.447m. Obwohl es sozusagen 26,2 Meilen bergab geht sind dabei auch heftige Anstiege zwischendurch. Start ist um 6:30 Uhr und das Ziel sowie verschiedene Zwischenpunkte müssen um 18 Uhr, vor Einbruch der Dunkelheit erreicht werden. Die Strecke ist nicht markiert und führt über sehr unwegsames Gelände sowie über Hängebrücken.

 Zurück zur Reise. Da heute Abend mal wieder der Strom abgestellt ist, was in Kathmandu des Öfteren gemacht wird gehen wir durch die fast dunkle Stadt zu unserem Restaurant. Dort wo Scheinwerfer an sind, sind auch Notstromaggregate am rattern und knattern.

 Unser Abend begann mit einem nepalesischen Essen. Nach einem Vorspeisenteller kam ein großes Tablett mit vielen kleinen Schüsseln auf den Tisch. Die wurden nach und nach mit vielen Fleisch-, Gemüse und Beilagen gefüllt. In kleinen Tonschälchen gab es Reisschnaps, den wir mehrfach nachschenken ließen.

 Nach dem Essen gab es eine wunderschöne Folklore-Vorführung in nepalesischen Gewändern. Die jungen Leute tanzten sehr engagiert und liebevoll. Und wie es in diesem Land so üblich ist wurden nach der Vorführung die Gäste eingeladen mit zu tanzen, was unsere Gruppe auch rege annahm. Vielen Dank für einen unvergesslichen Abend. Die nepalesische Musik hat eine Tradition die bis ins 12. Jh. zurückführt. Es wird auf mehr als 100 Instrumenten gespielt die hauptsächlich aus Saiten-, Blas- und Trommelinstrumenten. Bei den Tänzen handelt sich meist um Märchen von Liebe, Krieg, Götter, Dämonen, Geister und Tieren.

Montag, 23.1.: Der Tag beginnt schon sehr früh, denn ein Teil unserer Reisegruppe macht einen Flug entlang der Himalaya-Berge auf einer Höhe von 5.000 Metern, um den Giganten ganz nahe zu sein. Da ich nicht mitfliege gehe ich schon sehr früh am Morgen in die Altstadt von Kathmandu. Die Stadt ist gerade am Aufwachen und viele Menschen beginnen an den Brunnen ihre Morgentoilette, da in vielen Häusern kein fließendes Wasser ist. Die Straßenhändler bauen ihre Frittier-Stationen auf und die Frauen bereiten ihr Gemüse zum Verkauf aus. Die Menschen sind alle warm angezogen, denn die Temperaturen sind so um die 4 – 6 Grad. Erst wenn gegen Mittag die Sonne rauskommt kann man sich ohne Jacke im Freien bewegen.

 Da ein Teil unserer Gruppe erst recht spät vom Himalaya Rundflug zurückkam, hatten wir noch mal die Gelegenheit rund um unser Hotel durch die Gassen zu stöbern. Unser Hotel liegt im Stadtteil Thamel, das auch das Touristenzentrum der Stadt ist. Wer jedoch zum ersten Mal durch Thamel läuft wird in den vielen Gassen schnell die Orientierung verlieren. Man sollte versuchen, sich einige markante Punkte zu merken oder den gleichen Rückweg einschlagen. Hier schlägt das Trekkerherz höher, denn hier gibt es alles wie Schlafsack, Rucksack, Steigeisen, Pickel, Karabinerhaken und Kleidung für alle Temperaturen. Das Angebot beinhaltet auch alle Marken die man je gesehen hat. Dazwischen gibt es Geschäfte mit wunderschönen Bildbänden aus der Himalaya Region oder auch die zum Teil handgearbeiteten Thankas, sowie tausenden von T-Shirts, fast alle mit Himalaya Abbildungen. Ein Paradies für Shopper mit dem passenden Geldbeutel.

 Gegen Mittag gehen wir zu Fuß durch die engen Gassen zu unserem Bus, der uns über den Prithivi Highway zum Chitwan Nationalpark bringen will. Hierbei gehen wir durch die sehr schlechten, mit vielen Schlaglöchern versehenen Straßen zu einem Bus den man bei uns schon vor über 20 Jahren aus dem Straßenverkehr gezogen hätte. In diesen Gassen pulsiert das Leben. Man muss immer wieder kleinen Lastwagen und den dauernd hupenden Mopeds ausweichen. Dazwischen kommen uns Schüler in ihren schönen Schuluniformen entgegen. Dann sind wir am Bus und es kann losgehen.

 Bevor wir jedoch auf den abenteuerlichen Highway kommen müssen wir erst Mal aus der Millionenmetropole raus. Das ist nicht so einfach wie in Deutschland, denn es geht durch viele schmale Straßen bis man die Ring Road erreicht. Vor dem Verlassen der Stadt kommen wir auch am Swayambunath Hill mit dem Tempel vorbei. Die Fahrt führt uns bergauf und wir erhalten so einen Überblick über das Tal in dem die Hauptstadt liegt. Hier im oberen Bereich stehen die Häuser auf teilweise großen Grundstücken und es gibt viele bunte neue Häuser.

 Auf dem höchsten Punkt der Stadt verlassen wir auch die Stadt am Nagdhunga-Police-Check-Posten. Hier werden alle Fahrzeuge registriert die die Stadt verlassen bzw. in die Stadt fahren wollen. An einem normalen Tag liegt die Zahl so zwischen 5.000 – 8.000 Fahrzeugen mit rund 46.000 Reisenden. Heute nach fast 40 Jahren ist diese Straße immer wieder geflickt worden und es gibt viele Stellen wo ganze Abschnitte erneuert werden. Wir sind über den Kulminationspunkt und haben den ersten Blick runter ins Tal zum Fluss Karnali.

 Der Karnali (Ghaghara) der uns später noch einige Stunden neben dem Highway begleiten wird entspringt in Tibet am Gletscher Gurla Mandhata und mündet nach rund 1.080 km in den Ganges. Nun geht es über die lange und schmale Straße über unzählige Serpentinen bergab. Da an manchen Stellen defekte Fahrzeuge stehen, heißt es immer wieder Halt, vorbeilassen und langsam weiter. Wir müssen auch unzählige LKW`s überholen die sehr langsam vor sich hin tuckern. Obwohl es ein Highway ist kann man mit Durchschnittsgeschwindigkeiten von dreißig Kilometern pro Stunde schon sehr zufrieden sein. Die Landschaft hier ist wunderschön, obwohl unser Fernblick zum Teil durch den Nebel getrübt ist.

 Die Fahrt führt uns an grünen Reisterrassen vorbei sowie durch viele kleine Dörfer. Am beeindruckendst ist jedoch die herrliche Landschaft am Fluss entlang. Gut das ich hier nicht selbst fahren muss und so kann ich mir in aller Ruhe die Landschaft ansehen und auch fotografieren.

 Nach einigen Stunden Fahrt machen wir Halt am Hamlet Restaurant, das rund 5 Kilometer hinter Galchhi liegt. Gegenüber steht eine kleine Bude wo sich viele unserer Gruppe Bananen kaufen, die hier in der Nähe wachsen. Daneben ist einer der vielen Brunnen die hier die Straßen entlang stehen. Hier ist gerade eine junge und sehr attraktive Frau dabei sich zu wachsen. Sie lässt sich von unseren vielen Fotoapparaten nicht beeindrucken und zieht ihr Zeremoniell in aller Ruhe durch. An diesen Brunnen, die sich an den Straßen befinden holen sich auch die Familien ihr Frischwasser zum Kochen.

 Es geht immer weiter auf dem Highway nach Osten. Hinter Malekhu machen wir am Hill Top Resort halt. Hier ist für uns ein Buffet aufgebaut mit nepalesischen Speisen. Nebenan steht ein LKW von dem ich unbedingt die Reifen, das Profil bzw. das was noch an Gummi drauf ist fotografieren muss. Da unsere Reisegruppe mit dem uralten Bus sehr unzufrieden ist wird durch unseren Guide ein anderer bestellt. Jetzt heißt es Geduld haben, denn dieser Bus muss ja auch ein Stück über diesen Highway kommen. Dann nach ungefähr 1 ½ Stunden steigen wir um und es geht weiter über den Prithvi Rajmang. Obwohl wir jetzt einen moderneren Reisebus haben sind wir vor Pannen nicht geschützt, denn schon nach einer knappen halben Stunde hat er sich einen Plattfuß eingefahren. Also heißt es anhalten an einem Reifencenter neben der Straße und einen Spaziergang zum Fluss machen. Hier steht ein Bananenbaum mit seinen noch grünen Bananen und einer großen und wunderschönen Blüte.

 Dann geht es wieder weiter, immer neben dem steil abfallenden Ufer des Flusses in Richtung Chitwan Nationalpark. Rechts neben uns sehen wie jetzt des Öfteren Drahthängebrücken über den Fluss, damit die abgelegenen Häuser in den Bergen auch einen Zugang zur Hauptstraße bekommen.

 Diese Straße ist auch eine stark von LKW`s befahrene Strecke die Güter in den westlichen Teil des Landes bringen. Die Fahrzeuge sind teilweise extrem überladen und an manchen Überholungsmanövern wird es ganz schön eng. Neben den Gütern sieht man auch immer wieder Fahrzeuge die auf der Ladefläche Menschen transportieren. Dann wird es langsam dunkel und wir erreichen erst spät am Abend unsere Logde am Rande des Royal Chitwan National Parks. Es wird noch in dicken Jacken zu Abend gegessen und dann geht es ins feuchte, klamme und sehr kalte Bett.

Dienstag, 24.1.: Wer in Nepal nur hohe schneebedeckte Berge erwartet wird vom heutigen Tag überrascht werden, denn im Chitwan Nation Park, der 932 km2 groß ist, gibt es einen riesigen Dschungel und auch noch viele wilde Tiere in freier Wildbahn, von denen viele zu den bedrohten Wildtierarten gehören. Wir verbringen den heutigen Tag komplett im Nationalpark mit seinen vielen Attraktionen.

 Es geht schon sehr früh los mit einem kleinen Pritschenwagen werden wir an den Rand des Tikauli Jungels gefahren. Wir werden heute zum zweiten Mal auf einem Elefanten reiten. Heute heißt es per Elefant, immer zu viert auf einem Elefantenrücken in den Dschungel. Der Dschungel liegt heute Morgen noch im Nebel und es sieht schon ein wenig gespenstisch aus, wenn diese riesigen Tiere mit den Menschen in den Nebel eintauchen.

 Hier im Royal Chitwan Nationalpark findet man eine unglaubliche Vielfalt an Tieren. Es ist auch die Heimat des vom Aussterben bedrohten Royal Bengal Tiger. Es leben im Park auch Rhinozerosse, Affen, Damwild, Krokodile, Elefanten und über 450 verschiedene Vogelarten. Während der Regenzeit sind große Teile des Parks überschwemmt und es ist dann das Reich des Malaria-Erregers, der Stechmücke. In diesem Gebiet lebt noch ein indigener Stamm die Tharu. Dieser Stamm von dem ungefähr ¼ Million Menschen in rund 300 kleinen Siedlungen über den Park verteilt wohnen sind immun gegen die Stechmücke. Das Zusammenleben der Tharu mit den tierischen Ureinwohnern ist nicht immer einfach, denn sie nutzen oft die Felder der Bewohner als Nahrungsplatz auf. Viel Möglichkeit zur Gegenwehr gibt es nicht, denn Waffen sind im Park nicht erlaubt. Dafür haben die Tharu jedoch die Möglichkeit, im Januar und Februar im Park Gras für den eigenen Bedarf zu schneiden. Sie nutzen es dann als Viehfutter oder auch zum Decken der Häuser. Jedes Jahr kommt es hierbei auch zu schweren Unfällen, wenn ein in dem hohen Dschungelgras weidendes Rhinozeros übersehen wurde und plötzlich angreift.

 Wir tauchen in den Dschungel ein. Hoch oben auf dem Elefanten haben wir einen Weitblick und schauen teilweise über den Dschungel, der sich meist nur einige Meter über den Boden verteilt hinweg. Dadurch sehen wir wenn auch nur einige Waldbewohner. So ähnlich muss es auch den Herrschern von Nepal im 19. Jahrhundert ergangen sein, nur sie waren auf der Jagd mit dem Gewehr und wir nur mit dem Fotoapparat. Aus diesen Zeiten sind auch die vielen Lodges entstanden, da der Weg zur Jagd sonst zu weit war von Kathmandu aus.

 Sie hatten es meist auf Tiger, Rhinozerosse, Leoparden oder die Lippenbären abgesehen. Seit 1957 gab es hier jedoch eine Wende, denn es wurden viele Tiere unter Naturschutz gestellt und so konnten sich viele Gruppen die fast ausgerottet waren wieder vermehren. Nachdem wir gemütlich auf dem schwankenden Elefantenrücken einen Fluss zweimal durchquert haben kommen uns an einer Lichtung im Wald zwei Panzernashörner über den Weg. Sie sind anscheinend an die vielen Touristen gewöhnt, denn sie fressen in aller Ruhe weiter. Die fast ausgestorbenen Panzernashörner haben sich durch den Tierschutz hier im Nationalpark wieder erholt auf 544 Tiere. Durch Wilderer ist der Bestand aber immer wieder gefährdet. Im Jahr 2002 haben Wilderer 37 Tiere grausam getötet nur um das wertvolle Horn zu verkaufen. In den letzten 25 Jahren konnten sogar einige Tiere in andere Nationalparks umgesiedelt werden, nur dank des Schutzes.

 Nach ungefähr 1 ½ Stunden ist unsere Runde beendet und es geht wieder raus aus dem Dschungel zu unserem Startplatz, wo schon die nächste Reisegruppe wartet um auch den Dschungel mit ihren Bewohnern zu erkunden. Neben den Panzernashörnern sind uns heute Morgen noch Affen, Damwild, Hyänen, ein Pfau und viele Vögel begegnet.

 Nach unserer Elefanten-Safari geht es erst einmal wieder zurück zu unserer Lodge. Sie ist im Stil der 50er Jahre erbauten Lodges, die es an vielen Stellen des Chitwan Nationalparkes gibt. Sie sind alle recht einfach aber zweckmäßig eingerichtet. Zu unserer Jahreszeit fehlt dort jedoch eine Heizung, denn die Betten sind alle klamm und kalt. Auch im Speisesaal ist es sehr kalt und wir essen meist in dicken Jacken. Vielleicht sind wir auch nur zur falschen Jahreszeit hier! Wir machen nur eine kurze Pause, denn vor dem Mittagessen wollen wir noch einen Spaziergang am Fluss entlang machen um dort einige seltene Vögel zu sehen.

 Auf dem Weg zum Fluss kommen wir am Nachtquartier der Elefanten vorbei. Was so aussieht wie ein großes Fallus-Symbol ist der Stamm an dem die Elefanten angekettet werden. Wir kommen durchs Grasland was 20% des Nationalparks bedeckt. Frauen sind auf dem Weg zur Arbeit. Sie sind mit einer Sichel unterwegs um Gras zu schneiden. Hier an den Ufern des Flusses wachsen mehr als 50 verschiedene Grasarten. Das weltweit höchste Gras, das Elefantengras kann man hier finden neben verschiedenen Schilf- und Süßgräsern.

 Hier wird der Fluss nicht nur von den Tieren genutzt, sondern auch die Bewohner der Region nutzen ihn zum Kleidung waschen oder selbst zur Ganzkörperpflege. Die Landschaft hier strahlt eine Ruhe und Stille aus. Vielleicht leben deshalb hier auch 543 verschiedene Arten von Vögeln. Von mehr als zwei Drittel der bedrohten Arten ist hier, im Grasland rund um den Fluss ihre Heimat.

 Hier im Chitwan Grasland brüten auch die seltenen Sunda Marabus, Barttrappen, Grauhauben-Prinien, Schlankschnabeldrosslinge und der weltweit bedrohte indische Schreiadler. Über 160 verschiedenen Vogelarten kommen jedes Jahr hierher um zu überwintern.

Nach unserer Vogelwanderung geht es direkt zurück zur Lodge zum Mittagessen. Während sich ein Teil der Gruppe in die Sonne legt gehe ich durch den kleinen Ort Sauraha. Der Ort ist geprägt durch viele kleine Hotels und Lodges und den vielen Lehmhütten der Bewohner. Sauraha liegt am Rapti-Fluss und wird auch das östliche Tor zum Nationalpark genannt. Neben den vielen Lehmhütten bauen sich die Menschen hier auf massive Häuser.

 Bei meinem Gang durch die staubigen Straßen sehe ich auch wie die Einwohner damit beschäftigt sind sich gegenseitig zu lausen. Kleidung die gewachsen ist legt man einfach aufs Strohdach zum Trocknen. Ein Baby das gerade schläft, befindet sich in einer aus einem Jutesack gefertigter Hängematte. Die Frauen tragen große und schwere Körbe mit geschnittenem Büffelgras für ihre Ochsen. Neben vielen Hütten ist ein Banteng (indische Ochsenart), das den Familien auch als Arbeitstier hilft. Nicht nur Büffelgras wird auf dem Rücken getragen sondern auch große und schwere Holzbündel. Bei den schweren Bündeln sehe ich jedoch nur Frauen, ob die Männer wohl alle als Elefantentreiber für die Touristen arbeiten. Den einzigen Krach macht hier ab und zu ein Moped oder einer der vielen Jeeps die mit den Touristen beladen auf dem Weg zur Elefanten-Safari oder zur Bootsfahrt unterwegs sind.

 Es wird auch für mich wieder Zeit zurück zugehen zum Eden Jungle Resort. Wir starten unseren nächsten Trip. Jetzt heißt es mit einem Einbaum auf dem Fluss fahren und den Park aus der Sicht vom Wasser ansehen. Das Einsteigen in das schmale Kanu ist ein bisschen wackelig. Wir mussten eine Person aus unserem Kanu ausquartieren, denn wir waren zu tief im Wasser und der Fluss ist an manchen Stellen sehr flach. Also ging es statt mit acht nur mit sieben Personen los.

 Es wurde eine ruhige und sehr schöne Fahrt. Abgesehen von ein paar Stromschnellen lag der schmale Kahn sehr ruhig im Wasser. Das schönste war die Ruhe in und mit der Natur. In anderen Beschreibungen heißt es, dass Krokodile sich am Ufer in der Sonne geaalt haben. Wir haben aber nur einige Vögel gesehen und natürlich Menschen vom Stamme der Tharu, die hier leben.

 Dann ging es erst Mal wieder zurück zur Lodge und von dort per Auto weiter zum Jungle Walk. Am Sammelplatz war es mal wieder voll mit Touristen. Es ist schon erstaunlich, dass Mitte Januar hier schon so viel Betrieb ist. Bevor wir den Dschungelrand erreichten mussten wir über einen schmalen Steg. Auf der anderen Seite liegen auch große Weidegründe wo die Karhu ihre Ochsen grasen lassen. Überall im Park gibt es viel Wasser an dieser Stelle ist der Rapti-Fluss sehr breit.

 Dann geht es mit unserem Führer in den Dschungel, vorbei an sumpfigen Stellen und Tümpeln. An einem großen Tümpel sehen wir dann auch ein Krokodil wie es sich auf einem Baumstamm sonnt. Da Krokodile oft mehrere Stunden ganz still liegen kann man sie auch kaum von einem Baumstamm im Wasser unterscheiden. Für solche Fälle hat der Guide ein geübtes Auge und zeigt uns die Stelle.

 Hier im Dschungel wächst auch der Salbaum, der typisch für den überwiegenden Waldbestand hier im Park ist. Das Holz ist sehr hart und wird deshalb auch für den Brückenbau benutzt. Aus den Blättern werden Körbe geflochten. Einer Sage nach soll die Königin Maya ihren Sohn Siddartha Gautama, der später mit seiner Erleuchtung zum Buddha wurde, unter einem Salbaum geboren haben. Eine andere Sage besagt, sie hätte unter einem Salbaum von einem Elefanten mit 6 Stoßzähnen geträumt, der in ihren Körper eindringt. Dieser, Airavata genannte Elefant wird von vielen Hindus als Reininkarnation des Gottes Vishnu angesehen.

 Nachdem wir aus dem Dschungel raus waren ging es wieder über den schmalen Steg zum Sammelplatz und dann nur ein Stück zu Fuß weiter zu einer Elefantenaufzuchtstation.

 In dieser Aufzuchtstation werden die Tiere nicht artgerecht gehalten. Sie sind mit dicken Ketten um den Fuß festgemacht. Der Bewegungsradius ist dadurch enorm eingeschränkt und sie zerren viel daran rum. Manche der Tiere sind auch verhaltensgestört, denn sie zerren und wackeln wie automatisch. Wenn ich das vorher gewusst hätte wäre ich aus Protest gleich zum Jeep zurück. Wir machen uns auf den Rückweg zu Lodge. Hierbei überholen wir Ochsenkarren mit japanischen Touristen und auch einige Elefanten sind auf dem Weg zum Nachtquartier.

 Nach unserem gemeinsamen Abendessen treffen wir uns mit den Menschen aus den Dorf zu einer Folklore Vorführung auf dem Platz vor der Lodge. Hierbei zeigt uns eine Gruppe junger Tharus alte Tänze. Es werden mehrere Tänze mit Stöcken die sie schwingen, werfen und auch aneinander schlagen vorgeführt. Bei einigen Stücken wird auch dazu gesungen. Und zum Schluss wie es üblich ist werden die Zuschauer gebeten mit ihnen zu tanzen was auch einige gern machen.

Mittwoch, 25.1.: Am frühen Morgen verlassen wir unser Jungle Camp und es geht wieder per Highway zurück in Richtung Kathmandu. Heute werden wir erheblich schneller vorankommen, denn in ganz Nepal wird von den Fahrern gestreikt, weil der Staat die Benzinpreise drastisch erhöht hat. Es fahren heute nur Fahrzeuge mit grünem Nummernschild, das sind die Touristenfahrzeuge. Streikbrecher werden bestraft indem man ihnen die Windschutzscheibe einschlägt, was wir auch gesehen haben.

 An der Manakamana Cable Car machen wir Halt. Um das große Tor das zur Cable Car führt gibt es wieder viele Souvenirs zu kaufen, aber diesmal ohne bedrängt zu werden. Wir gehen durch das Tor ein Stück bergab und kommen an einer goldenen Buddha Statue und einem kleinen Tempel vorbei. Hier unten ist auch die Station der Cable Car die hinaufführt zum großen Tempel Manakamana. Früher war der Tempel nicht so einfach zugänglich, denn man musste mit dem Pferd 2-3 Tage reiten um ihn zu erreichen. Für Ausländer kostet die Hin- und Rückfahrt mit der Seilbahn ca. 10 Euro, für die Nepalesi 250 nepalesische Rupien. Aus Reiseberichten weiß ich, dass es sich lohnt über die gigantische Schlucht zu schweben bis über die Wolken auf den Berg wo sich der Tempel befindet.

 Manakamana ist der Name einer Hindu-Göttin. Es wird angenommen, dass die Göttin, die Wünsche der Menschen erfüllt. Der Begriff "Mana" ist das Herz oder Seele und „Kamana" der Wunsch. Auch heute noch kommen viele gläubige Hindi und bringen dem Gott ihre Tieropfer.

 Unsere Fahrt geht weiter über den Highway. Da wir Linksverkehr haben sitze ich jetzt auf der Bergseite und sehe von dem steilen Abhang zum Fluss runter nicht viel. Ist auch gut so. Da es heute klareres Wetter ist sieht man auch Drahtseilbrücken, die in schwindelnder Höhe über die Schlucht mit tief darunter fließendem Wasser sind.

 Nach unserem Stopp geht es weiter immer am Fluss entlang. Ein kurzer Halt am Restaurant vom Montag, dem Hamlet und immer weiter über den Prithvi Highway.

 Dort wo der Fluss uns verlässt heißt es wieder durch unendlich viele Serpentinen aufwärts über den Berg. Auf halber Höhe machen wir einen Foto-Stopp und genießen den Blick hinunter ins Tal. Zu unseren Füßen liegen viele Reisterrassenfelder die teilweise sehr klein sind. Es ist eine mühsame Arbeit diese Felder zu bestellen. Auf einigen Flächen ist auch Gemüseanbau, das die Bauern dann in Kathmandu an die Stadtbevölkerung verkaufen.

 Wir erreichen am Nagdhunga Police Check-Posten Kathmandu, das vor uns im Tal liegt.

 Über das Tal verteilt liegen viele Ziegeleien. Zwischen den grünen Feldern findet man abgestochene Teiche und Parzellen auf denen der Ton schichtweise abgebaut wird. Mit Traktoren wird der Ton, der manchmal schon an Ort und Stelle zu Ziegeln geformt wird, zum naheliegenden Ofen gebracht. Wenn man sich in der Stadt umsieht wird man feststellen, dass hier überwiegend mit Ziegeln gebaut wird.

 Es geht langsam runter zur Innenstadt. Überall sind die Menschen auf der Straße um zu demonstrieren und dazwischen sehr viel Polizei. Unser Bus fährt sehr langsam, denn die Menschen haben die Straßen voll in Besitz genommen. Wir fahren sehr vorsichtig durch diese Riesenmenschenmasse um ja nicht zu provozieren. Auch wenn an vielen Stellen kräftig Reden geschwungen werden ist doch alles friedlich.

 Unsere Fahrt führt uns auf dem Weg zur großen Stuba von Bodnath am Swayambunath Tempel Berg vorbei. Hier um diesen Tempelberg werden wir morgen unseren Marathon bzw. Halbmarathon laufen.

 Wir gehen durch ein buntes Tor und werden schon von dem ersten Augenpaar der Stupa beobachtet. Nachdem wir unseren Eintritt entrichtet haben geht es auf den breiten ringförmigen Weg, der komplett um die Stupa geht. Die Stupa von Bodnath wird auch Bauddha oder Bouddhanath genannt und ist ein so beliebter Pilgerort, dass sogar Gläubige aus Tibet hierher kommen.

 Die Pilger gehen alle im Uhrzeigersinn und so folgen wir auch dieser Richtung. Oben auf der Stuba sind in alle vier Himmelsrichtungen die allwissenden Augen. Die Nase darunter soll eine eins darstellen und symbolisiert die Einheit und Einzigartigkeit allen Lebens.

 Im unteren Bereich der Stupa sind große und kleine Gebetsmühlen die die Gläubigen drehen. Viele haben auch eine Perlenkette dabei, und bei jedem “Om maani Pedme hum” gleiten die Finger ein Perle weiter. Einige drehen auch mehrere Runden und drehen dabei jede der Gebetsmühlen, die in die Wand des Sockels eingelassen sind.

 Auf drei Terrassen in Mandalaform erhebt sich die 15 m hohe und große Kuppel. Mit dem Sockel hat man so vier Ebenen welche die Erde symbolisieren, die Kuppel symbolisiert das Wasser. Darüber erhebt sich der gemauerte Turm (Feuer) mit der Krone (Luft).

 Rund um die Stupa gibt es einen breiten Ring mit unzähligen Geschäften und dazwischen auch noch vielen Straßenhändlern. Hier sind viele Gläubige unterwegs an den Gebetsmühlen. Während die meist älteren Menschen in traditioneller Kleidung rumlaufen haben viele junge Menschen sich sehr westlich mit Jeans gekleidet. Nach einer halben Runde gehen wir durch einen kleinen Eingang einige Treppenstufen hoch auf eine der oberen Ebenen. Auf dieser Ebene kann man rund um die Stupa gehen. Von oben hat man auch einen Blick auf die vielen Menschen die rund um die Stupa unterwegs sind oder auf betende Menschen die sich trotz dieser Betriebsamkeit nicht ablenken lassen.