6. Himmelswege – Marathon 2017

Der Lauf vom Sonnenobservatorium Goseck zur Arche Nebra

17.06.2017 von Bernd Neumann

 Marathon ist für mich auch eine Reise mit vielen Sehenswürdigkeiten und tollen Eindrücken davor, dabei und hinterher und so starte ich heute, mit meinem neuen Auto schon am Freitagmorgen gen Osten. Mein Weg führt mich über Helsa in das ehemalige Straßendorf Friedrichsbrück. Der damalige Straßenzug wurde aus zehn giebelständigen Wohnhäusern zur Ansiedlung von Hugenotten erbaut. Der Landgraf Friedrich II. wollte auf diesen ehemaligen Wüstungen aus dem 30-jährigen Krieg wirtschaftlichen Aufschwung in dieser Gegend erreichen.

 Ich fahre weiter direkt über einen der schönsten Berge in Nordhessen, den Meissner. Der 753m hohe Berg wurde bekannt durch das Märchen Frau Holle der Gebrüder Grimm.

 Hinter dem Berg liegt die Kreisstadt Eschwege die einen mittelalterlichen Stadtkern hat der von vielen schönen Fachwerkhäusern durchzogen wird. Dann geht es weiter vorbei am Schloss Wolfsbrunnen (Anfang des 20. Jh. im Stil der Neurenaissance erbaut) und Wanfried bis zur ehemaligen Zonengrenze die ja noch bis zum 9.11.1998 sich dort befand. Dann geht es weiter nach Thüringen über die B249 bis nach Mühlhausen.

 Mühlhausen erhielt im Mittelalter den Beinamen „Mulhusia turrita“. Die turmgeschmückte Stadt war nach Erfurt die bedeutendste Stadt Thüringens mit seinen ehemaligen 59 Türmen der Kirchen und der Stadtmauer. In der Stadt wirkten auch Johann Sebastian Bach und Thomas Müntzer.

 Für mich geht es jedoch weiter über die B247 nach Bad Langensalza. Die Kurstadt Bad Langensalza mit ihren Heilquellen wird auch die Rosenstadt genannt durch die vielen schönen Parks und den Japanischen Garten. Sie war auch eine der fünf Waidstädten die mit Färberwaid handeln durfte, was ihr viel Wohlstand brachte. Durch das viele Geld entstanden große Kirchen und eine Stadtmauer aus Langensalzaer Travertin (er entstand in der Nähe der heutigen Stadt in 2 Phasen vor 125.000 Jahren im Mittelpleistozän und vor 10.000 Jahren im Holozän).

 Ich parke in einer ruhigen Seitenstraße und habe nur wenige Meter bis ich neben dem historischen Rathaus bin. Auf dem Weg dorthin werde ich von einer der vielen Wasserrinnen begleitet. Bad Langensalza wurde schon im Mittelalter von drei Mühlströmen durchflossen. Bei der Neugestaltung im Bereich Marktkirche, Kornmarkt und Töpfermarkt wurden diese Rinnen teils offen und teils verdeckt miteingebunden. Erinnert so ein bisschen am Freiburg.

 Mein Blick fällt in der Marktstraße sofort auf den „Breiten Brunnen“ der bei seiner Sanierung vor rund 10 Jahren mit dem weißen Travertin eingefasst wurde. Die zwei Löwen halten die Wappen von Kursachsen und der Stadt. Dahinter öffnet sich weiter die wunderschöne Marktstraße mit seine vielen restaurierten wunderschönen Fachwerkhäusern.

 Diese Straße war schon vor hunderten von Jahren eine wichtige Verbindung von Kassel nach Leipzig für Güter und auch als Postroute. Eine nachgebaute Ganzmeilensäule erinnert an diese Zeit. Beim Blick auf die kunstvoll verzierten Fassaden und teils wuchtigen Portale der Patrizierhäuser in Fachwerkbauweise sieht man den früheren Reichtum ihrer Besitzer.

 Über die Marktstraße komme ich an die St. Bonifaci Kirche. Sie ist die größte evangelische Pfarrkirche hier in der Stadt und mit seinem 73,4m hohen Turm die zweithöchste Kirche in Thüringen. Wer hoch zur Turmuhr schaut wird bemerken dass es nur einen Zeiger gibt. Diese Einzeigeruhr wurde 1612 eingebaut und ist in ihrer Art sehr außergewöhnlich.

 An der Kirche wurde fast 200 Jahre gebaut und so besteht sie auch aus verschiedenen Baustilen. Erstmals urkundlich erwähnt wurde sie 1272. Der gotische Hallenbau aus Travertin zeigt viele Altersspuren und so sieht man beim Betreten der Kirche das an vielen Stellen schon mit der Restaurierung begonnen wurde. Sehenswert sind spätmittelalterliche Altäre, ein romanischer Taufstein sowie verschiedene Tafelbilder und Grabplatten. Sehr schön ist auch die bemalte Holzkassettendecke vom Anfang des 16. Jh.

 Im Inneren der Kirche findet zur Zeit eine ganz besondere Ausstellung statt. Sie gibt Einblicke in die reformierte Kirchengemeinde von Bad Langensalza. Es werden dort Zeugnisse der Langensalzaer Gottesdienste vom 16. – 19. Jh. gezeigt, wie z.B. die erste verbindliche in Sachsen und Thüringen eingeführte evangelische Gottesdienstordnung von 1539. Es wird auch gezeigt, dass trotz Luther noch sehr viele Jahre später Gottesdienste in Latein abgehalten wurden. Interessant ist auch ein Abkündigungsbuch in dem steht wer sich zur Trauung oder Taufe angemeldet hat und welche Beerdigungen letzte Woche waren. Dies diente dem Pfarrer zur Verkündigung am Ende des Gottesdienstes. Auch ein Kommunikanten- verzeichnis in Einfassungen mittelalterlicher, handgeschriebener Kantoral- und Textblätter. Damals mussten auch evangelische Bürger wie die Katholiken zur Beichte gehen und das wurde schriftlich festgehalten in diesem Verzeichnis. Das wurde noch bis zum Ende des 18. Jh. praktiziert.

 Am Hungerturm und Butterturm komme ich an die alte Stadtmauer die noch gut erhalten ist. Ich gehe durch den Stadt- und Kurpark vorbei am Zierturm und komme an den Schlösschenpark einem der 10 Parks die es in der Stadt gibt.

 Neben der Rehaklinik befindet sich das Friederikenschlösschen mit Park. Hier lebte Friederike die Tochter von Herzog Friedrich II. von Sachsen-Gotha-Altenburg. Sie war vermählt mit dem Herzog Johann Adolph II. von Sachsen-Weißenfels. Erbaut wurde das Schlösschen mit seinen beiden Kavalierhäuschen 1749 – 1751. Das Allianzwappen über dem Eingangsportal zeigt die Verbindung beider Häuser. Hinter den Gebäuden befindet sich ein kleiner Park mit historischem Gartenpavillon von 1878. Aus einem Bronzebecken sprudelt das Schwefelwasser das hier schon über 200 Jahre als Heilwasser Verwendung findet.

 Das große rote Backsteingebäude ist das Salza-Gymnasium. Geht man nun weiter durch den Park an der alten Stadtmauer entlang kommt man zum letzten erhaltene Eingangstorturm der Stadt zum 35,4m hohen Klagetorturm. Im Bereich des mittelalterlichen Stadtmauerringes gibt es noch 16 Wachtürme.

 Zwischen den vielen schon schön restaurierten Gebäuden gibt es aber auch noch interessante Häuser die kurz vor dem Zerfall sind. Von den ehemaligen Stadttürmen ist auch noch der Storchennestturm erhalten. Der fünf-stöckige Turm ist 23m hoch. Auf ihm wurde schon 1593 im Auftrag des Stadtrates ein Nest angebracht das dann 1988 ein Wagenrad als Auflage erhielt.

 Bei meinem Rundgang komme ich dann wieder zum historischen Rathaus. 1742 bis 1751 wurde das ehemals abgebrannte Rathaus aus heimischem Travertin neu gebaut. Zum Marktplatz hin befindet sich der mit vergoldeten Ornamenten geschmückte Haupteingang.

 Im oberen Bereich befindet sich ein Glockenspiel mit 32 Glocken die jeweils um 12 und um 18 Uhr eine Melodie erklingen lässt. Darüber im Dreiecksgipfel erscheinen dabei auf einem Kreissegment die drei Figuren von Hermann von Salza, Christoph Wilhelm Hufeland und Friedrich Gottlieb Klopstock die von einem voranschreitenden Trompeter angekündigt werden.

 Auf einer Anhöhe steht die älteste der zwei evangelischen Pfarrkirchen, die Kirche St. Stephani. Schon Ende des 12. Jh. wurde sie urkundlich erwähnt. Ende des 14. Jh. erhielt sie ihre Schmuckfassade aus heimischen Travertin auf der Südseite. Da die Kirche leider geschlossen ist kann ich nur auf die interessanten Ausstattungsteile hinweisen, wie z.B. den Altar mit der steinernen Mensa, dem Altarbild oder dem Taufstein.

 Dann heißt es wieder weiter fahren, denn ich möchte mir heute noch etwas von Naumburg ansehen. Meine Fahrt führt mich über Bad Tennstedt (im Mittelalter bedeutender Handelsweg zur Via regia) und Straußfurt (an der Unstrut) nach Sömmerda (von hier stammt der Erfinder des Zündnadelgewehres (erstes taugliches Hinterladergewehr) Johann Nicolaus von Dreyse). Ab hier folge ich der B 176 nach Finneland und weiter gen Norden nach Nebra. Da die Startunterlagenausgabe bzw. das Nachmeldebüro noch nicht geöffnet ist fahre ich nach Laucha.

 Der historische Stadtkern von Laucha (der Name kommt aus dem slawischen und bedeutet so viel wie „sumpfiges Gelände“ oder „sumpfige Wiesenlage“) ist von einer rund 1,1 km langen Stadtmauer umgeben. Von den ehemals drei Stadttoren ist heute noch das Obertor erhalten. Das Rathaus ist von 1543 im spätgotischen Stil erbaut worden. Die doppelläufige Freitreppe sowie die alten Portale wurden erst später angebracht.

 Die Stadt Laucha an der Unstrut werden wir morgen beim Himmelswege-Marathon auch ein Stück durchlaufen. Da wir jedoch das ehemalige Straßendorf nur streifen werden nutze ich die Zeit und schaue mich ein wenig in der Stadt um. Am Thomaeplatz im Stadtzentrum befinden sich das historische Rathaus und die Stadtkirche St. Marien.

 Gleich nebenan steht die spätgotische Stadtkirche St. Marien aus dem 15. Jh. Interessant sind die Klötzchenfriese an der Südostseite. Dieser Sakralbau hat ein 18m hohes Kirchenschiff im Inneren sowie einen 53m hohen Turm. Im Ort gibt es auch ein Glockenmuseum.

 Anschließend bin ich nach Wangen-Nebra gefahren und den Berg hochgelaufen zum Besucherzentrum der Arche Nebra wo im Untergeschoss das Meldebüro pünktlich um 16 Uhr geöffnet wurde. Nach dem Erhalt meiner Unterlagen und einem Startgeld von 50€ als Nachmelder bin ich an der Unstrut entlang nach Naumburg an der Saale gefahren.

 Die Stadt liegt eingebettet zwischen den Flusstälern von Saale und Unstrut und wird von vielen Terrassen-Weinbergen und Kalksteinhängen umgeben. Durch das außergewöhnlich milde Klima hier ist der Weinbau an den vielen Talhängen möglich. Morgen werden wir noch an vielen Weinbergen entlang laufen. Hinter dem alten Postamt finde ich einen kostenlosen Parkplatz. Gleich daneben befindet sich der Schuppen der historischen Straßenbahn. Mit einigen Unterbrechungen fährt in Naumburg die Straßenbahn auf einer ringförmigen Strecke schon seit 1892.

 Von hier sind es nur wenige Gehminuten bis zum mittelalterlichen Altstadtkern. Hier am Marktplatz besticht das Renaissance Rathaus (erbaut 1517-1528) mit seinem filigranen Eingangsportal. Gleich nebenan steht die dreischiffige Hallenkirche St. Wenzel die zwischen 1417 und 1523 entstand. Im Inneren befindet sich die durch Johann Sebastian Bach abgenommene Hildebrand-Orgel. Sehenswert sind auch Reste der mittelalterlichen Stadtmauer sowie das Marientor und das Salztorhäuschen.

 Vor der mächtigen Kirche St. Wenzel steht das Schlösschen in dem sich heute auch die Tourist-Information befindet. Erbaut wurde es für den damaligen Bischof Nikolaus von Amsdorf. 1950 wurde es saniert und erhielt dabei wieder die ursprünglichen Erker wie beim Rathaus mit den spätgotischen Verzierungen.

 Naumburgs erstes Rathaus wurde schon 1305 erstmals erwähnt brannte aber ab. 1529 entstand der heutige Renaissancebau. Die sechs Erker auf der Vorderseite erhielten Verzierungen im spätgotischen Stil. Die Innenräume des Gebäudes sind ursprünglich aus dem 17. Jahrhundert wurden jedoch immer der Zeit entsprechend umgebaut. Sie sind aber auch heute noch sehenswert mit ihren Verzierungen, Stuckarbeiten und Schnitzereien. Das wunderschöne Portal an der Vorderseite wurde 1612 dem Gebäude zugefügt und besticht durch seine filigranen Arbeiten.

 Beim Rundgang über den Platz fallen auch die schönen Kaufmannshäuser auf wobei es einen ganz besonders schönen Eingang mit aus Holz geschnitzten Figuren gibt.

 Die weißen Gebäude (u.m.) sind die ehemalige Residenz vom Herzog von Sachsen-Zeitz in den Jahren 1653-1663. Errichtet wurde es von Herzog Moritz für seinen Sohn Johann Georg I. den es jedoch nach 10 Jahren zum Schloss Moritzburg zog.

 Am Marktplatz steht ein turmartiges Gebäude aus dem Mittelalter (r.). Die „Hohe Lilie“ wurde als wehrhaftes Wohnhaus erbaut im 13. Jh. Im Inneren befindet sich heute das Stadtmuseum.

 Es ist schon später Nachmittag und ich will noch zum Dom der ein ganz besonderes High-Light der Stadt ist. Durch den Herrenweg und Steinweg erreiche ich nach rund 500m den Domplatz. Es ist 18 Uhr und der Dom hat schon geschlossen. So mache ich einen Rundgang um das komplette Gelände vom Dom sowie den Domgarten und die Kuriengebäude.

 Der spätromanische-frühgotische Dom St. Peter und Paul wurde Anfang des 13. Jh. erbaut. Diese dreischiffige, zweichorige Basilika hat vier Türme und einen Kreuzgang. Er zählt zu den bedeutendsten Kathedralbauten des europäischen Hochmittelalters. Es gäbe noch sehr viel von diesem interessanten Bauwerk zu erzählen aber das hebe ich mir auf wenn ich es auch mal von innen gesehen habe.

 Ich bin anschließend zum Bahnhof gefahren und habe dort geschlafen, denn morgen früh fährt hier der Bus zum Startplatz nach Goseck ab.

 Aller guten Dinge sind drei und so heißt es heute für mich zum dritten Mal den Himmelswege Marathon zu laufen. Da letztes Jahr wegen Überschwemmungen wir nicht von Goseck aus starten konnten bin ich heute wieder hier. Mit dem Bus geht es über den Ortsteil Markröhlitz nach Goseck zum Sonnenobservatorium.

 Was ist denn ein Sonnenobservatorium? Schon seit Jahrtausenden gibt es Menschen die den Nachthimmel anstarren und die Geheimnisse des Universums verstehen wollen. Vor rund 5.000 Jahren in der Jungsteinzeit gab es hier Spuren die auf eine menschliche Besiedlung hinwiesen. Entdeckt wurde das erst 1991 durch Bodenverfärbungen die man aus der Luft entdeckte. Zwischen 2002 und 2004 wurde die Anlage freigelegt und man entdeckte, dass hier vor fast 7.000 Jahren ein Sonnenobservatorium (observare = beobachten) war.

 Es handelt sich hierbei um eine Kreisgrabenanlage mit etwa 71m Durchmesser. Es gibt drei grabengesäumte Zugangswege, im Norden, Südwesten und Südosten. Im Inneren konnte man Spuren finden von zwei konzentrischen Palisaden mit 56 bzw. 49m Durchmesser. Vom Mittelpunkt aus gesehen liegen die beiden südlichen Tore und deren Zugangswege mit einer Genauigkeit von 3-4 Tagen genau auf Sonnenaufgang und -untergang zur Wintersonnenwende um 4.800 v. Chr. Es gilt deshalb als wahrscheinlich, dass es sich hier um ein Observatorium zur Bestimmung der Wintersonnenwende handelt. Im Palisadenzaun wurde 2004 eine weitere Visiereinrichtung gefunden die auch die Bestimmung der Sommersonnenwende ermöglicht. Durch 40 Radiokohlenstoffdaten konnte man beweisen das die Anlage ca. 50 Jahre v. Chr. erbaut wurde.

 Sechs verschiedene Disziplinen werden heute angeboten: Marathon - Goseck-Laucha-Arche Nebra, Halbmarathon – Laucha-Arche Nebra, 1okm Himmelsscheibenlauf – Arche Nebra-Ziegelrodaer Forst-Arche Nebra, 10km Nordic-Walking – Rund um den Mittelberg, 10km Wandern - Arche Nebra-Ziegelrodaer Forst-Arche Nebra, 40km Radtour – Goseck-Wangen-Arche Nebra.

 Das Startgeld für den Marathon liegt zwischen 40 und 55€. Ich habe nachgemeldet und muss so 55€ berappen. Ich wollte gern die Startnummer 214 haben da dies mein 214. Marathon ist. Leider schon weg und ich habe die 215 erhalten. Auf der Suche im Starterfeld entdecke ich dann die Nr. 214 und gleich wird ein Foto geschossen. Es ist Christine Berger vom LAV Halensia e.V.

 Rund 140 Marathonis haben den Weg heute Morgen hier her gefunden. Es ist kurz vor 9 Uhr und der Veranstalter Waldemar Cierpinski versammelt die Läufer zu einer Ansprache. Wir sollen nun alle aus dem Sonnenobservatorium loslaufen wegen der Fotografen. Es geht über den Pflaumenweg zum Start der parallel zum Sonnenobservatorium liegt. Dann gibt es den richtigen Start und alle rennen los als wär das Ziel schon im Ort. Ich gehe es langsam an, denn ich weiß nicht wie es mir heute bei meinem 14. Marathon in diesem Jahr 2 Wochen nach Flensburg ergeht.

 Es geht durch den Ort Goseck vorbei am Weingut Goseck. Ja, wir sind im nördlichsten Qualitätsweinanbaugebiet Europas in der Region Saale-Unstrut im Süden Sachsen-Anhalts. Es gibt hier jahrhundertalte Weinberge die wir im Laufe der Strecke noch passieren werden. Auf dem ca. 660 Hektar großen Weinanbaugebiet werden über 30 verschiedene Rebsorten angebaut.

 Dann kommen wir zum Schloss Goseck einer mittelalterlichen Burg und späteren Klosteranlage. Die Burg ist zwischen 881 und 899 entstanden. 1041 wurde die Burg auf Heisung der Söhne des Pfalzgrafen abgebrochen und sie liessen ein Kloster errichten. Heute sind noch die Ostteile (Querhaus mit Vierung und Chor) samt der Krypta erhalten. 1540 wurde es in ein Rittergut umgewandelt in Folge der Reformation. Seit 1998 ist es ein Musik- und Kulturzentrum. Es gibt noch eine Schloss-Schenke und Gästezimmer.

 Wir laufen am Schloss vorbei bei km 1 und den steilen Berg runter. Da es unten einen spitzen Winkel zu laufen gilt bremsen uns die Feuerwehr-Posten aus.

 Es geht weiter über einen unebenen teils geschotterten Feldweg den Gosecker Weg in westliche Richtung. Wir streifen ganz kurz die Saale bei km 3 und laufen in Richtung Eulau.

 Über grobes Kopfsteinpflaster kommen wir an den Kirchberg wo die barocke Saalkirche aus dem Anfang des 12. Jh. steht. Eine sehenswerte Kirche wo man durch den Turm ins Kirchenschiff gelangt. Wir haben jedoch nicht die Zeit dafür, denn für uns geht es den Kirchberg hoch bis zum Ortsende.

 Heute wohnen hier knapp 500 Einwohner in diesem Ort mit sehr alter Geschichte. Schon Ende des. 9. Jh. wurde der Ort als zehntpflichtig für das Kloster Goseck erwähnt. Es gibt aber auch eine 4.400 Jahre alte Geschichte nach dem viele Einwohner gewaltsam getötet wurden und in sogenannten Familiengräbern rituell bestattet wurden. Es gibt in der Gegend rund 11 weitere Gräber aus der Schnurkeramik-Kultur. Es wurden 13 Personen-Skelette gefunden die eng beieinander lagen und durch DANN-Untersuchungen wurden auch verwandtschaftliche Verhältnisse nachgewiesen.

 Hinter dem Ort geht es die nächsten 2 Kilometer durch Felder bis wir bei km 6,5 wieder an der Saale sind. Hierbei haben wir die große Saaleschleife abgekürzt. Wir folgen der Straße rechtsseitig der Saale bis zum Gasthaus „Zur Roten Henne“. Doch vorher begeistert nicht nur mich der alte Feuerwehrwagen aus DDR-Zeiten.

 Hier unterqueren wir die L205 und kommen auf den Weg neben der Naumburger Wein & Sekt-Manufaktur. 1824 wurde die älteste Fabrik für moussierende Weine in Deutschland gegründet durch W.F.Bürger & Sohn. Laut einem Streckenposten soll es einen Streit mit einem fränkischen Weingut geben die den gleichen Anspruch erheben. Egal, wir laufen direkt am imposanten Hauptgebäude vorbei. Fast 100 Jahre gab es hier keinen Weinbau durch die Reblaus. Heute gibt es wieder Weinbau und Herstellung von Weinen und Premium Sekten nach der alten klassischen Flaschengärmethode. Im Hof kann man unter 100-jährigen Eichen diese Köstlichkeiten probieren oder im ältesten Gewölbekeller in der Saale-Unstrut Region.

 Kurz danach befindet sich der erste Versorgungsstand mit viel Obst und Wasser. Wein, leider nein. Schade, dass es hier auch heute keine Probe gibt. Ich habe das doch schon letztes Jahr reklamiert, aber auf mich hört ja keiner. Kein Wein nur Wasser. Es geht dann flach weiter an vielen Kleingärten vorbei und durch Streuobstwiesen.

 Vor mir laufen und gehen Claudia Cavaleiro und Peer Schmidt-Soltau wie schon letztes Jahr. Mal sehen wieviel Minuten sie heute vor mir ins Ziel kommen.