6. Saale-Rennsteig-Marathon 2013

Über viele Höhen(meter) musst du geh‘n (Laufen)

 

29.09.2013 von Bernd Neumann

 

 Dies wird heute mein 4. Marathon mit über 1.000 Höhenmetern hintereinander. Höhenmeter bedeuten für mich aber auch herrliche Landschaften mit vielen Fernsichten und Natur pur. Neben dem Marathon für Läufer gibt es heute auch einen Run & Bike Marathon sowie einen 23,8 km Lauf und einen 9km Lauf. Auch an die Nordic-Walker und die Kinder wurde gedacht. Der Marathon hat laut Veranstalter über 1.300 Höhenmeter.

 Der Saale-Rennsteig Marathon hat drei Schlagzeilen: Laufen vom „Tiefsten zum höchsten Punkt im Landkreis Saalfeld-Rudolstadt“ und „Er ist der kürzeste Ultralauf Deutschlands“ (42,8km) und auch noch „Er zählt zu den herrlichsten Landschaftsläufen Deutschlands“. Alles, das und noch viel mehr werde ich heute auf der Strecke erleben. Achtung, ich bin nicht beim Rennsteiglauf sondern beim Saale-Rennsteig-Lauf von Uhlstädt nach Schmiedefeld am Rennweg.

 Frank Thomas der Gesamtleiter des Saale-Rennsteig-Marathon beschreibt den Lauf so: Der Saale-Rennsteig-Marathon ist ein toller Landschaftslauf mit hohem Streckenprofil. Der Marathon ist nach einer Idee den tiefsten geologischen Punkt mit dem höchsten im Landkreis Saalfeld-Rudolstadt zu verbinden entstanden. Stadtmarathons, Rundenmarathons sowie flache Läufe gibt es genug in Deutschland. Wir das Saale-Rennsteig-Marathon Team wollen einen Marathonlauf mit Profil, Qualität und Anspruch ins Leben rufen, wir denken es ist uns gelungen und würden uns freuen viele Teilnehmer im Ziel, egal auf welcher Strecke begrüßen zu dürfen.

 Für den Marathon zahlt man zwischen 23€ und 33€ je nach Meldetermin. Wer wie ich am Vortag anreist kann für 5€ in der Turnhalle übernachten und am nächsten Morgen für kleines Geld auch frühstücken.

 Gleich gegenüber der Sporthalle an der Saale ist das Flößereimuseum. Hier an der Saale gab es ab Beginn des 11. Jahrhunderts die Langholzflößerei. Die Saalfelder Benediktinermönche haben mit deutschen und slawischen Bauern die Wälder gerodet und die Holzstämme die Saale runter geflößt. Heute noch gibt es hier Flößervereinigungen die das alte Brauchtum pflegen. Der Flößerverein Uhlstädt-Oberkrossen wurde sogar berühmt durch sein Mitwirken beim Film „Die Päpstin“. Ein Teil wurde hier auf der Saale gefilmt.

 Da ich rund 230km Anfahrt über die Landstraßen (ca. 3 ½ Stunden Fahrtzeit) habe, reise ich schon am Samstag an. Meine Fahrstrecke führt mich durch den Kaufunger Wald und weiter über den Thüringer Wald bis nach Uhlstädt-Kirchhasel. Hier angekommen fahre ich direkt zum Sportplatz wo sich auch das Vereinsheim vom Uhlstädter SV befindet.

 Der Ort Uhlstädt-Kirchasel gehört zu einer Großgemeinde mit 32 Ortsteilen. Die kleinste Gemeinde hat 7 Einwohner und die größte nur knapp 900 Einwohner. Die Orte sind überwiegend durch Landwirtschaft geprägt. Es gibt aber auch kleine Industriesiedlungen.

 Von den 47 Teilnehmern in der Voranmeldeliste haben bis 18 Uhr nur Jan Prochaska und ich den Weg heute hierher gefunden um morgen ausgeruht in den anstrengenden Lauf zu gehen. Jan sagt, dass nach 20 Uhr auch noch Bernd Kalinowski mit dem Zug kommt. Er lief gestern einen 24h Lauf und kommt direkt von dort hierher. Wir haben heute viel Platz in der Turnhalle, denn es bleibt bei uns drei Übernachtern. Vielen herzlichen Dank auch an den Hausmeister, Platzwart, Betreuer und seiner Frau vom SV Uhlstädt. Wir wurden hier ganz herzlich begrüßt und betreut.

Sonntag Marathontag: Schon früh am Morgen sind die ersten Geister unterwegs. So gegen 7 Uhr wälzen wir uns den Schlafsäcken. Jetzt heißt es kräftig frühstücken und für den Lauf entsprechend anziehen. Die Wettervorhersage sagt uns einen frühherbstlichen sonnigen Tag mit Temperaturen um die 15-18 Grad voraus. Das Niederschlagsrisiko liegt bei 20%.

 Wie wir runter gehen zu den Umkleideräumen sind schon die ersten Läufer da. In einem der Umkleideräume können wir günstig frühstücken. Dann kommen die Startnummern und es wird voll im Flur und den Nebenräumen. Neben 55 gemeldeten Marathonläufern sind auch 14 Run & Bike Teams gemeldet.

 Wie ich meine Sachen zum Auto bringe muss ich feststellen, dass es heute Morgen noch sehr kalt und nebelig ist. So ziehe ich doch noch eine dünne langärmelige Jacke an die ich mir später umbinden kann.

 Kurz vor 9 Uhr heißt es dann für alle das warme Vereinshaus verlassen und zum Startbanner, das zwischen Saale und dem Sportplatz ist. So nach und nach treffen alle Starter hier ein. Von den 55 gemeldeten Marathonis treten heute Morgen 48 an.

 Die Saale die im Fichtelgebirge entspringt ist mit seiner Gesamtlänge von 413km nach der Moldau der zweitlängste Nebenfluss der Elbe. Der Name kommt aus dem slawischen Solawa und findet in der heutigen sorbischen Literatur noch Anwendung.

 Nach einer kurzen Ansprache heißt es Achtung. Es wird eine Handyverbindung nach Schmiedefeld zum Ziel hergestellt von wo dann die Zeitnahme gestartet wird. Wir zählen die letzten Sekunden gemeinsam runter und los geht’s in den Nebel.

 Wir umlaufen den Sportplatz und kommen erst gar nicht nach Uhlstädt sondern biegen nach Süden ab. Zwischen Kleinkrossen und Oberkrossen überqueren wir die Saale. Wir biegen nicht zum Sägewerk sondern entgegengesetzt ab.

 In Oberkrossen gibt es noch ein Sägewerk mit Vollgatter von 1902. Das Besondere ist jedoch die 1943 aufgestellte Dampflokomobile zum Betreiben der Sägegatter. Heute kann man den Betrieb besuchen mit der riesigen Dampflokomobile. Früher, Anfang 1900 gab es noch viele Einsatzgebiete dieser Lokomobile die jedoch nach und nach durch die Industrialisierung verschwanden. In den 1950er Jahren waren sie noch oft im Einsatz zum Antrieb von Dreschmaschinen.

 Es geht weiter zum 270 Seelenort Weißen. Hinter dem Ort biegen wir ab zur Klinik Weißenstein. Schon hier warnt uns das Radwegschild 7% Steigung auf 280m. Am steilsten Stück gehen wir um so Körner zu sparen, denn es werden noch viele Höhenmeter folgen. Der Veranstalter warnt die erste Hälfte besonnen anzugehen, denn in der 2. Hälfte kommen die Anstiege.

 Wir sind oben an der Klinik und dem Schloss Weißenburg auf dem Elsterberg. Nun geht es durch den Nebel leicht wellig die nächsten 3km bis ins 200 Seelendorf Kolkwitz. Hier steht das erste Schild das auf eine Verpflegungsstelle in 200m hinweist.

 Im Ort ist dann auch eine Gruppe vom Jugendclub Kolkwitz die uns mit Wasser und Apfelschorle versorgen will. Da einige eine Bierflasche in der Hand haben muss ich natürlich fragen ob es die letzte von heutiger Nacht oder die erste zum Frühschoppen ist. Man einig sich auf beides. Bernd (Kalinowski) lässt sich dann auch was einschenken und weiter geht’s.

 Auf den nächsten Kilometern nach Langenschade geht es wellig aufwärts. Der Nebel weicht und die Sonne begrüßt uns. Kurz vorm Ort grüßen uns zwei Esel, (latein. asinus) aus der Familie der Pferde. Hintern Ortseingangsschild liegt der Friedhof, der mich durch seine großen Zypressen an eine Gegend in Italien erinnert.

Hinter Langenschade bei km 9 geht es das erste Mal richtig zur Sache. Es stehen auf die nächsten 3km rund 200 Höhenmeter an. Welsch idyllische Landschaft. Es geht aufwärts durch ein herrliches Tal nach Schloßkulm.

 Wir erreichen die Siedlung Schlosskulm, die am Nordhang des Berges Kulm liegt. Die ersten Erwähnungen dieser Siedlung stammen aus der Mitte des 15. Jahrhunderts. Es geht durch den kleinen Ort, vorbei an vielen schön restaurierten Fachwerkhäusern. Im Ort gibt es einen Versorgungsposten vom Verein Schloßkulm. An der großen Eiche hängt eine Wetterstation aus der ich jedoch mangels Zeit nicht schlau werde. Es geht weiter über einen schmalen steilen Pflasterpfad. Hier entdeckt Bernd den Baum voller Pfirsiche und muss auch probieren.

 Wir verlassen den Ort weiter aufwärts und haben dann nochmal einen schönen Blick auf diesen schönen kleinen Ort der von vielen Streuobstwiesen umgeben ist. Es geht weiter hoch zum Kulm.

 Kurz vor km 12 weißt uns die Feuerwehr rechts ab. Hier gibt es auf den nächsten Kilometern keine leuchtend grünen Pfeile, da dieser Ort es dem Veranstalter verboten hat. Hier sind aber an allen Abzweigungen zwei bis drei Personen die jede Richtungsänderung anweisen. Wirklich alles super durchdacht.

 Es geht jetzt abwärts nach Dorfkulm. Während Schloßkulm noch zur Gemeinde Uhlstädt gehört sind wir jetzt in der Gemeinde Oberwellenborn. Wir durchlaufen das Oberdorf und weiter durchs Unterdorf. Der Mitte des 14. Jh. erstmals erwähnte Ort wurde durch die Saalfelder Benediktiner gegründet die hier Wein anbauten. Durch einen Erdrutsch 1588 kam jedoch der Weinbau zum Erliegen.

 Auch wir rutschen weiter bergab nach Remschütz zur Saale. Im Ort hat die FFW Remschütz die Versorgung übernommen. Hier wie auch an allen anderen VP-Punkten werden wir herzlichst begrüßt und gut versorgt.

 Dieses kleine Örtchen hat eine sehr bewegte Vergangenheit. Durch Benediktiner Mitte des 15. Jh. gegründete Siedlung litt stark durch den 30.jährigen Krieg wo viele Soldaten einquartiert wurden sowie auch durch Epidemien. Noch in den nächsten Jahrhunderten gab es viele Verwüstungen durch die verschiedenen Kriege im Umfeld.

 Dann geht es durch eine kleine Unterführung wo sogar ich den Kopf einziehe. Auf der anderen Seite haben wir einen Blick auf die Saale. Was sehe ich da beim Fotografieren, eine Frau nackt, die in die Saale baden geht. Mutig, Mutig! Wir überqueren kurz danach die Saale und folgen ihr weiter in Richtung Saalfeld.

 Heute präsentiert sich das linke Saaleufer, die sogenannte Bauernseite des Ortes durch eine fast geschlossene Fachwerkbauernhofreihe die sehr schön restauriert wurde. Unsere Laufstrecke führt uns an dieser linken Saaleseite auf dem Saaleradweg weiter.

 Am Ortsende wurde 1994 das Kunstufer eröffnet mit vielen Sandsteinskulpturen und einem Abakus im Wasser. Der Abakus ist über 300 Jahre alt und ist ein mechanisches Rechenhilfsmittel bestehend aus Kugeln oder Steinen.

 Wir folgen weiter der Saale und erreichen hinter km 17 Saalfeld. Die Stadt hat schon eine sehr lange Geschichte. Erstmals 899 wurde sie als karolingische Königspfalz erwähnt. Das Stadtbild wird durch viele Renaissancegebäude geprägt. Wir kommen jedoch nicht in die historische Altstadt wir bleiben am Saaleufer.

 Am Ortsanfang kommen wir am barocken Schloss vorbei wo vormals eine Benediktinerabtei stand. Von uns aus ist jedoch nur ein Teil des schönen barocken Giebels zu sehen.

Wir folgen dem Radweg bis zum Sportplatz. Hier an den Saalewiesen ist der nächste VP vom Saalfelder LV. In der Saale steht ein Angler bei dem gerade ein Fisch an der Angel zappelt.

 Dies ist auch der Startplatz für den 23,8km langen Lauf. Die 60 Läufer und Walker sind auch wie wir um 9 Uhr gestartet, so das sie uns jetzt weit voraus sind.

 Am km 19 gegenüber von Köditz biegen wir ab vom Wasser. Die nächsten 2km führen nur bergauf, dann kommt was angesagt war, die 2. Hälfte und der Hinweis: “Wir bitten alle Teilnehmer den Lauf langsam anzugehen, einige der Steigungen sind sehr anspruchsvoll, wir wollen alle gesund im Ziel begrüßen!”

 Ein Stück neben uns folgt ein Pfad zu den Feengrotten die besonders sehenswert sind durch die vielen wunderschönen Tropfsteine. Auf den nächsten Kilometern hinauf nach Eyba gilt es fast 300 Höhenmeter zu überwinden. Nur beim Blick zurück sehen wir wie es jetzt richtig zur Sache geht.

 Am Ortseingang von Eyba grüßt uns ein Relikt der ehemaligen DDR, ein Trabi. Wir sind oben, in 200m der nächste VP. Hinter dem Ort steht eine Gruppe um den Versorgungstisch, von dem man einen herrlichen Fernblick ins Tal hat. Doch bevor es weiter geht wird versorgt. Da die Männer Bier haben bekommen natürlich auch wir unser Bier. Die Mitglieder der FFW Eyba haben hier einen ganzen Tisch voll Essen und Trinken aufgebaut. Getrunken wird natürlich das Bier der Region Saalfelder. Bernd fragt ob es auf der Strecke ein Lokal gibt wo er Original Thüringer Klöße mit Soße essen könnte. Ihm wird versprochen beim Steiger bekommt er welche. Die Leute hier sind schon super.

 Eyba auf 550m ü. NN hat mit seinen 170 Einwohnern eine sehr lange und bewegte Geschichte. Heute wird der Ort durch das Schloss mit seinem romantischen Schlosspark umrahmt sowie von vielen schön restaurierten Häusern geprägt.

 Auf dem Foto sieht man mir den langen und harten Anstieg an, aber jetzt hinter km 25 kann ich mich wieder erholen auf dem Bergabstück. Es geht durch schöne Felder mit Fernblick erst abwärts und dann wieder aufwärts. Die Sonne scheint uns aufs Fell und es ist wunderschön hier zu laufen. Es folgt der nächste Anstieg hinauf zur Hühnerschenke. Hier bei km 28 gibt es Wasser und Schorle.

 Nach der Hühnerschenke geht es ab ins Tal in Richtung Königsthal. Der Fernblick wechselt sich jetzt ab mit Wald. Die nächsten Kilometer geht es nur durch Natur pur, keine Siedlung und kein Haus. Wir sind mit der Natur eins und man kann seinen Gedanken freien Lauf lassen.

 Kurz vor Königsthal gibt es einen merkwürdigen langen Steinwall. Er beginnt hier und zieht sich runter ins Tal. Leider vergessen wir im Ort zu fragen was das ist.

 Schon vor dem Ort hören wir lautstark Traktorengeräusche. Im Ort fragen wir nach und man sagt uns, dass heute hier im Rahmen der Kirmes ein Traktor-Pulling stattfindet. Beim Traktor-Pulling gilt es einen schwer beladenen Wagen (Bremswagen) möglichst weit mit einem Traktor, die vorher in PS-Klassen eingeteilt werden zu ziehen. Hier in Königsthal werden als Bremswagen Baumstämme genutzt.

 Für uns geht es aufwärts durch den Ort. Am Ortsende hinter dem Dorfteich werden wir mit Fetten- und Wurstbroten sowie viel Flüssigem versorgt. Hier bei km 32 werden wir vor dem längsten und härtesten Aufstieg gewarnt. Solange rechts noch Wiese ist, ist es noch nicht steil, aber dort wo der Wald den Weg verschlingt geht es steil aufwärts.

 Wir laufen durchs Königstal Und wie es so ist, der König ist immer oben. Für uns heißt dass jetzt die nächsten rund 4 km königlich aufwärts schreiten bzw. wer genug Kraft hat zu laufen.

 Kurz vor km 35 wird es richtig steil. Oben erwartet uns das DRK was wir aber nicht brauchen. Dann die ersten Häuser von Gösselsdorf. Wir haben das Hochplateau erreicht. Es gibt Verpflegung. Der Tisch ist reichlich gedeckt. Die Bank daneben lädt zum Verweilen ein. Wir trinken natürlich wieder einheimisches Bier und dazu gibt es leckere selbstgebackene Krapfen. Hier in der Sonne ist es herrlich doch wir müssen nach einer Pause weiter.

 Erst oben auf dem Plateau dann gleich wieder runter. Die nächsten 4 km ist nochmal Erholung mit einem wunderschönen Panorama angesagt. Nochmal einen Blick zurück nach Gösselsdorf und dann der Blick nach vorn. Vor uns liegt auf der nächsten Anhöhe der Rennsteig im Thüringer Wald. Da müssen wir noch in den letzten rund 7 Kilometern hin.

 Dann geht es abwärts teilweise sehr steil und sehr uneben. Wir kommen bei km 38 in den Ort Gebersdorf. Erst ein Foto von der schön bepflanzten Kloschüssel an der Schmiede und dann zum nächsten VP.

 Hier ist der Sportclub Germania Gebersdorf der zwei große Tische aufgebaut hat. Uns interessiert jedoch der Tisch mit den Bänken nebenan. Hier sind die netten Gerbersdorfer (der Name kommt wahrscheinlich von den netten Einwohnern die gern anderen was abgeben) bei Kaffee, Kuchen und Bratwurst. Hier bekommt Bernd jetzt auch seine Original Thüringer Klöße mit Soße. Dazu trinken wir Bier und essen leckeren Zwetschenkuchen. Wirklich super, danke, danke lieber Gebersdörfer. Nebenbei bekommen wir auch noch das Originalrezept wie man richtig Thüringer Klöße macht. Als Bernd dann seine Klöße bezahlen will, sagt man ihm ist schon recht. Nochmal danke, danke.

 Nach einer längeren Pause geht es weiter, denn wir haben noch 5 Kilometer vor uns. Jetzt kommen wir auch am Steiger vorbei, einem Gasthaus im Ort. Der Ort mitten im Thüringer Schiefergebirge ist umgeben von Tal-, Hang- und Höhenlagen. Dieses alte Fuhrmanns- und Urlauberdorf war die letzte Erholung, nun geht es nur noch aufwärts.

 Am Ortsende biegen wir ab in Richtung Lippeldorf, Schaubergwerk Morassina. Die nächsten 3km geht es aufwärts. Wir laufen nicht in den Ort sondern bleiben im Wald.

 Nun beginnt der letzte kraftraubende Anstieg zu unserem Zielort Schmiedefeld. Kurz vorm Stollen des Bergwerks biegen wir ab auf den Weg der Erinnerung – Weg in die Zukunft.

 Wir laufen dem Mythos Geschichte rückwärts von Tafel fünf nach Tafel eins. Tafel 5 Wismuthalde: Die unterste Wismuthalde weist auf den Anfang der 1950er Jahre hin wo hier uranhaltiger Schiefer abgebaut wurde. Der Schacht ist heute nicht mehr zugänglich da er nach Beendigung der Förderung verfüllt wurde. Nach 1970 interessierten sich Mineralogen für die Schwefellöcher. Somit wurden die Schürfgräben, Stollensysteme und Schächte unter Bestandsschutz gestellt.

 Tafel 3 Birkentanzplatz: Hier fasst die Vergangenheit die Zukunft an den Händen zum Tanz. Die Birke, die Heilung verspricht bei blasen- und nierenleiden fördert auch die Heilung der Seele. Tafel 2 Porzellan-Friedhof: Seit 1840 wurde an der Massemühle der Porzellanrohstoff gefördert. Hier kam dann die Asche der Brennöfen sowie die Porzellanscherben zur Ablagerung. Tafel 1 Farberde Schätze und Schwarze Suhle: Bei der Gewinnung der Alaun-, Vitriol- und Schwefelgewinnung kamen auch Farberden wie Bergocker, Satinocker, Goldocker, englisch Rot und auch Thüringer Schwarz für die Druckerschwärze ans Tageslicht. Es wurde auch englisch Grün für das Einfärben von Waldglas gefördert.

 Wir erreichen eine Asphaltstraße und der Garmin sagt der Marathon ist vorbei, es beginnt der kürzeste Ultra. Der Blick nach oben verrät da müssen wir hin. Es geht nochmal richtig zur Sache dann sehen wir von weitem das Ziel auf dem Parkplatz.

 Es ist geschafft, mein Garmin sagt 43,1 km. Der Mini-Ultra mit vielen Höhenmetern ist geschafft. Nach der Medaille gibt es eine Bratwurst und eine Flasche Bier.

 Für jeden Finisher gilt wohl der Spruch: Nur für Sekunden spürst du warum du dir das antust, aber diesen Moment wirst du nie vergessen.