Magnifique Côte d`Azur 2011

French Riviera Marathon und Firenze Marathon

Lauferlebnisreise von der Côte d`Azur nach Florenz

18. - 28. November 2011 von Bernd Neumann Teil 1

 

Ich glaube dieses Jahr wird ein Jahr der Marathon-Sammler-Superlative für mich. Im Januar Marrakesch-Marathon, dann mehrere Starts in allen Ecken von Deutschland und dann nach Norditalien Bergamo und ins Friaul und weiter über den großen Teich nach Toronto und zu den Niagarafällen und jetzt noch ans Mittelmeer.

 Im September 2008 war ich “Laufen im Paradies“ beim Gardasee-Marathon, so schrieb ich damals wusste aber noch nicht das es zwei Monate später an der French Riviera (Côte d`Azur) einen neuen Marathon geben wird. In diesem Jahr ist er nun schon zum 4. Mal und die Teilnehmerzahlen haben längst nur beim Marathon die 11.500 überschritten. Was ist daran denn so besonders dachte ich und so ging ich auf Internet-Reise an die französische Riviera und jetzt weiß ich auch warum.

 Magnifique Côte d`Azur – Schon Henri Matisse sagte: Als mit klar wurde, dass ich dieses Licht jeden Morgen sehen würde konnte ich mein Glück kaum fassen. Schon vor 200 Jahren wurde von einem zauberhaften Land gesprochen das keine Winter kennt. Ein Stück Land in dem Himmel und Meer im gleißenden Licht ineinander verfließen. Wir reden von einem Stück Land wo die Künstler des 20. und 21. Jahrhunderts lebten und wirkten. Wir reden von der Riviera, der Côte d`Azur.

 Laufen und Urlaub machen in einer der schönsten Gegenden der Welt, also wurde der Marathon French Riviera „Marathon des Alpes-Maritimes Nice-Cannes“ geplant. Es werden mittlerweile viele Reisen für 2-3 Tage zum Marathon angeboten, aber warum in diese Gegend nur so kurz. So plante ich eine Rundreise rund um die Côte d`Azur und weiter nach Italien nach Florenz, denn nur eine Woche später findet der Firenze-Marathon statt.

 Die Côte d`Azur (Azurblaue Küste) ist ein Teilstück der französischen Mittelmeerküste und erstreckt sich von Cassis (Bouches-du-Rhône) bis Menton an der italienischen Grenze. Sie ist nicht nur das Kulturziel Europas sondern auch die In-Küste für Promis und Möchtegern-Promis, wegen ihres angenehmen, mediterranen und milden Klimas auch im Winter und über 300 Sonnentagen im Jahr.

 So nun aber erst mal ab an die Riviera. Mit dem Auto von Kassel nach Nizza = 1.180 km über Bregenz, Chur, Lago di Como, Lecco, Monza, Mailand, Novara, Asti, Cuneo, Nizza.

 Donnerstag 17. November: - Abfahrt von Vellmar um 7 Uhr. Da unsere Reise mit dem Auto über Österreich, Schweiz, Liechtenstein, Italien bis nach Nizza rund 1.200km sind haben wir für den 1. Tag geplant bis nach Chiavenna zu fahren.

 Hier geht es ab Lindau am Bodensee von der Autobahn runter und durch die herrliche Landschaft der westlichen Alpen zu fahren. In Österreich haben wir zur rechten Seite den Bodensee und zur linken Seite den Bregenzer Wald. Schon nach kurzen queren wir der länge nach Liechtenstein und kommen zwischen dem Calanda und den Prättigau in die Schweiz. Unsere Weiterfahrt führt uns vorbei an Chur, Via Mala zum Splügenpass.

 Die Via Mala ist eine tiefeingegrabene Schlucht auf dem Weg von Chur zu den Alpenpässen Splügen und San Bernardino. Bereits zur Römerzeit gab es einen Weg der hier über die Alpen führte. Ob er jemals mit Wagen befahren werden konnte blieb unklar. Heute ist diese Schlucht touristisch erschlossen wegen seiner wilden Schönheit. Von einem Parkplatz führt eine Treppe mit 321 Stufen in die Tiefe der Schlucht. Wir fahren jedoch vorbei, denn wir haben noch einen weiten Weg.

 Am späten Nachmittag erreichen wir den Splügenpass über die 9km langen Serpentinen. Es sind einmal sechs Kehren hinter dem Ort Splügen und dann nochmal 15 Kehren vor der Passhöhe. Zwischen den Kehren liegt das alte Zollhaus. Oben auf dem Pass ist auch die Wasserscheide zwischen Rhein und Po. Wir machen an der 312m langen Lawinengalerie halt. Der Blick geht nach oben wo noch die Sonne auf die 3.000er scheint. Die Galerie war jahrelang außer Betrieb und durch eine neue Straße nebenan ersetzt. Erst letztes Jahr wurde sie nach 3-jähriger Renovierungszeit wieder in Betrieb genommen. Heute geht es jedoch noch für uns neben der Galerie entlang.

 Auf der anderen Seite geht es in vielen Kehren ins Tal nach Chiavenna. Hier geht es auf 30km Länge rund 1.800 Höhenmeter runter. Die Strecke führt vorbei am Lago di Montespluga, Madesimo, Lago dÌsola und Campodolcino.

 Da es dunkel ist machen wir Halt in Chiavenna und suchen uns ein Hotel in der Stadt. Eine Passantin empfiehlt uns das Hotel San Lorenzo ein komplett neu renoviertes Haus in der Stadt direkt neben der historischen Stadtkirche mit dem nebenstehenden Campanile. Wir machen noch einen Spaziergang in die alte historische Altstadt mit ihren engen Straßen und Gässchen. Hierbei sind wir erstaunt wie viele kleine Geschäfte es in dieser 7 ½ tausend Einwohnerstadt gibt. Im Dunkeln ist auch die Mera, ein 50km langer Fluss, der in einem tief eingeschnittenen Bett durch die Stadt verläuft, angestrahlt. Wir besuchen noch den alten historischen Kreuzgang und die Kirche San Lorenzo. In der Altstadt entdecken wir dann noch eine Trattoria wo wir den Abend bei Pizza, Pasta und Vino beschließen.

Freitag 18. November: - Am anderen Morgen kommt die Sonne nur schwer über die Berge, denn wir sind in einem engen Tal. Neben unserem Hotel begrüßt uns der Turm der Kirche San Lorenzo.

 Neben der sehenswerten Kirche San Lorenzo mit seinem alten Kreuzgang und dem Taufbecken aus dem 12. Jahrhundert gibt es noch das zerstörte Il Castello auf dem Berg hinter unserem Hotel. Nördlich der Stadt können auch einige eiszeitliche Gletschermühlen (spiralwandige Hohlformen im Eis) besichtigt werden. Gletschermühlen entstehen durch Gesteinstrümmer die im Schmelzwasser kreisförmige Bewegungen machen und dabei runde Löcher in den Felsen treiben die bis zu 10m Durchmesser erreichen.

 Hier in Chiavenna war angeblich im Jahre 1176 der Kniefall Kaiser Friedrich Barbarossas vor seinem Vetter Heinrich dem Löwen. In der Stadt verzweigen sich zwei Passstraßen mit der Straße die südlich an den Lago die Mezzola führt.

 Unser Weg führt uns heute vorbei am Lago die Mezzola vorbei durch viele Tunnels. Wir machen einen kurzen Foto-Stopp und weiter geht’s über den Lago di Lecco weiter in Richtung Mailand.

 Milano streifen wir nur und fahren weiter über Novara, Vercelli, Asti nach Cuneo. Jetzt beginnt die nächste Passstraße hinauf zum Col de Tende über 12 Kehren zur 1.871m hohen Passhöhe. Hier befindet sich auch die Grenze zwischen Frankreich und Italien. Vor dem Tunnel müssen wir warten denn durch den einspurigen 3.183m langen Tunnel werden die Fahrzeuge nur in Schüben durchgelassen.

 Hinter dem Tunnel geht es über teilweise dicht übereinanderliegende 46 Kehren in ein wunderschönes enges Tal abwärts. Diese Passstraße zählt zu den atemberaubendsten Passstraßen der Alpen und ist zugleich auch die südlichste Alpenpassstraße. Neben der D6204 liegen kleine Dörfer, teilweise direkt am bzw. im Berg zu denen kleine steile Straßen aufwärts führen. Der nächste größere Ort ist Tende. Dieser 2.000 Seelenort liegt auf 820m NN und wird schon im 11. Jahrhundert erstmals urkundlich erwähnt. Wir folgen der Straße talabwärts und werden hier vom Wildbach La Roya begleitet der sich direkt neben der Straße ins Tal schlängelt.

 Wir machen halt an einer engen Talstelle und genießen dieses herrliche Panorama. Es geht weiter abwärts durch Saint Dalmas de Tende, vorbei an Saorge bis zum Ortsanfang von Breil-sur-Roya. Hier sehen wir ein Stück von einer Eisenbahnstrecke hoch oben durch die Berge die mit großen Brücken verbunden ist. Es handelt sich hierbei um die Tendabahn, eine außergewöhnliche normalspurige Eisenbahnstrecke durch die Alpen die Cuneo mit Nizza verbindet. Viele Viadukte und Tunnel, wobei der längste Tunnel 8km lang ist sind architektonische Meisterwerke. Auf unserer Fahrt sehen wir viele dieser Brücken und Viadukte. Die Bahn hat auch Höhenunterschiede von mehr als 1.000m zu überwinden. Die Bahnstrecke liegt in einem geologisch sehr aktiven Gebiet. Für Eisenbahnfans ein besonderer Leckerbissen.

 Am Anfang des Ortes Breil-sur-Roya biegen wir ab auf eine kleine Straße die uns wieder bergauf führt. Es warten die nächsten Serpentinen auf uns. Es wird langsam dunkel und das fahren über die vielen Kehren wird anstrengend, wobei uns noch ein Einheimischer in einer Kehre innen überholt. Es geht über den Col de Brouis, Col du Perus, Col Saint-Juan, Col de Braus und Col de Nice direkt in die Stadt Nice. Hier führt uns das Navi zick zack durch die Stadt. Nach mehreren Versuchen erreichen wir im Dunkeln das Hotel Comte de Nice unser Quartier für die nächsten 6 Nächte.

Samstag 19. November: - Nach einer geruhsamen Nacht geht es zum Frühstück das ganz deutsch ist. Auch die Sprache am Empfang ist deutsch. Das liegt daran das das Betreiberehepaar deutsch und französisch ist. Nach dem Frühstück fahren wir das Auto an den Stadtrand, denn parken in der Stadt ist sehr, sehr teuer. Anschließend geht es per Straßenbahn in die Stadt.

 Hier am Place Massena der von Profan- und Sakralbauten umrundet ist befindet sich in mehreren großen Zelten die Marathon-Expo. Die Öffnungszeiten an diesem Marathonwochenende sind am Donnerstag von 14-19 Uhr, am Freitag von 10 -19 Uhr und am Samstag von 9 – 19 Uhr.

 Wir sind um die Mittagszeit hier bei herrlichstem Sonnenschein und 20 Grad. Nur wenige Meter entfernt zur Promenade sind die Zelte für die Startunterlagen und Marathon-Messe aufgebaut. Obwohl ich keinerlei schriftliche Unterlagen dabei hatte ging alles problemlos mit dem Personalausweis. Ich hatte so in wenigen Minuten meine Startnummer und holte mir den Starterbag ab. Im Starterbeutel erhalten wir einen Rucksack sowie die Startnummer und den Chip der am Schuh befestigt werden muss. Das Funktions-Shirt gibt es erst im Ziel als echtes Finisher-Shirt.

 Die Daten zum Lauf: Start 8 Uhr in Nice auf der Promenade des Anglais, Ziel nach 6 Stunden in Cannes, Intercontinental Carlton, durchschnittliche Temperaturen 11–18 Grad, 11.568 Teilnehmer in 2010, Teilnehmergebühr je nach Anmeldedatum zwischen 45€ und 75€. Im Startgeld enthalten: Rucksack, Energiestand in 20 und 30 km, 8x Versorgung alle (bevandi e alimenti), 7x Schwamm- und Wasserstand, Schrittmacher (3h; 3h15’; 3h30’, 3h45’, 4h’ und 4h30’), Fotoservice, Zeitmessung mit dem ChampionChip, (Chip-Miete ist im Startgeld inbegriffen), Auto-Transport für die Abbrecher, Medizinische Betreuung, Freier Eintritt in Intercityzug, Technisches Laufshirt und Finisher Medaille. Die Urkunde im Internet. Im letzten Jahr waren 8.210 Teilnehmer im Ziel wobei die zwei letzten Damen in 6:08:59 im Ziel gewertet wurden.

 Hinter den Expozelten befindet sich der Park Jardin de I´Armente mit wunderschönen Palmen. Les Jardins Albert 1. sind die ältesten Gärten von Nizza. Dieser Grüngürtel erstreckt sich vom Meer aus über 2km in die Stadt. Schon 1851 wurde der Garten begonnen und so sind hier siebzig Kastanien, sechzig Ulmen, vierzig Linden, dreißig Akazien, dreißig Judasbäume, 24 Mimosen, sechzehn Maulbeerbäume, vierzehn Johannisbrotbäume, sowie mehrere Kirschbäume, Eichen und Ahorne gepflanzt. Im Bereich zum Meer gewandt gibt es eine monumentale Skulptur von Bernard Vernet. Auch ein Brunnen mit kreisrundem Becken ist Johannes dem Täufer gewidmet. Eine grüne Oase mitten in der Stadt.

 Anschließend hieß es ab an die Promenade des Anglais und den herrlichen Sonnenschein bei 20 Grad genießen. Hier befinden sich zahlreiche Luxushotels, Appartementhäuser und Villen aus der Belle Epoque. Das wohl berühmteste Hotel ist das Negresco mit seinem roten Kuppeldach.

 Nach einem ausgiebigen Spaziergang entlang der Promenade gehen wir zurück zum Place Massena. Hier am Kaufhaus Galleries La Fayette ist schon alles auf Weihnachten geschmückt. Jedoch bei so einem Wetter denkt man eher an Frühling wie an einen grauen, kalten und verregneten Novembertag.

 Am Abend machen wir noch bei Dunkelheit einen Spaziergang zur Altstadt. Hierbei kommen wir an der Basilika Notre Dame de Nice vorbei die herrlich angestrahlt wird. Sie stammt aus dem 17. Jahrhundert, die Fassade allerdings aus dem Jahr 1825. Von innen wirkt sie nicht sehr einladend.

 Die Stadt ist nachts wunderschön beleuchtet und so zieht es uns des Öfteren noch am Abend in die schönen engen Gassen der Altstadt rund um den Place Cours Saleya. Hier gibt es viele Lokale und kleine Geschäfte. Auf dem Platz wird auch der berühmte Blumenmarkt abgehalten. Auch der blick zur beleuchteten Burg hoch ist wunderschön. Auf der Promenade gibt es eine Ausstellung mit großen alten Bildern. Auch in der Innenstadt und auf der Uferpromenade gibt es festinstallierte Bilder alter Meister.

Sonntag 20. November: – Heute ist Marathontag. Ich werde den 4. Marathon des Alpes Maritimes von Nice nach Cannes laufen, das heißt 42,2km entlang der Französischen Riviera. Start ist heute um 8 Uhr auf der Promenade des Anglais direkt neben dem Meer. Mein Fußweg sind ca. 1,5km oder 15 Minuten und so gehe ich recht gemütlich um Viertel nach Sieben von meinem Hotel direkt runter zur Côte d`Azur. Auf der Straße Richtung Strand kommen nach und nach aus allen Seitenstraßen Läufer die den gleichen Weg haben. Es geht im Beginn des Tages zur Promenade.

 Hier auf der Promenade des Anglais ist der Start. Wir sind hier im Herzen der Riviera und das zeigt uns auch heute Morgen das Wetter. Es ist gerade hell geworden. Hinter uns geht gerade die Sonne auf. Der Himmel lacht uns vielen Tausend Läufern schon zu. Es ist schon jetzt um 7:30 Uhr angenehm warm. Viele laufen schon im Hemdchen und kurzer Hose auf und ab. Man hat das Gefühl es ist Frühling hier am Meer.

 Da über 11.000 Teilnehmer gemeldet sind gibt es hier auch Startblöcke wo man sich einreihen muss. Aber viel sinnvoller ist es sich bei seinem Peace-Maker einzureihen. Je nach Zielendzeit gibt es heute Schrittmacher für die Zeiten 3h; 3h15’; 3h30’, 3h45’, 4h’ und 4h30’.

 Um 8 Uhr erfolgt der Start und nach wenigen Minuten bin auch ich über die Matte und es geht los gen Westen. Unser Startplatz hat eine wunderschöne Lage denn direkt neben uns sind die Les Jardins Albert 1. Eine wunderschöne grüne Oase in Mitten der eng bebauten Stadt. Für uns heißt es aber Abschied nehmen und weiterlaufen auf der Promenade. Beim Blick nach links begleitet uns das herrlich blaue Meer und rechts viele alte wunderschöne Gebäude. Es reihen sich hier Hotel an Hotel.

 Wir sind gerade 700m gelaufen das taucht neben uns das legendäre Hotel Negresco auf. Durch seine herausragende Architektur aus der Zeit der Belle Epoque wurde es vom Ministerium für Kultur ausgezeichnet. Es ist schon von weitem an seiner rosa Kuppel zu erkennen. Es ist aber nicht das einzige besonders schöne Haus hier an der Promenade. Man könnte jetzt im Gehen sehr viele dieser besonderen Häuser knipsen, aber ich will und muss weiter, denn das Ziel schließt nach 6 Stunden.

 So geht es rund 3,5km immer auf der Promenade zwischen Meer und monumentalen Häusern entlang. Dann bei km 4,5 biegen wir ab vom Wasser für rund 5km, denn zwischen die Promenade des Anglais und dem Meer quetscht sich der Aéroport International Nice Côte d’Azur. Wir müssen diesen großen Flughafen rund 5km umlaufen. Der Nizza-Flughafen ist der zweitgrößte von Frankreich nach dem Passagier-aufkommen. Hier werden auf zwei Terminals rund 10 Mio. Fluggäste jedes Jahr abgefertigt.

 Wir haben gerade vor 500m die Küste verlassen und kommen an einem 7 Hektar großen Park vorbei. Es ist der Phoenix-Park der wegen seiner floralen Vielfalt sehr beliebt ist. Es beinhaltet sieben verschiedene tropische und subtropische Klimazonen in dem sich Pfauen, Enten, exotische Fische, Insekten und Spinnen tummeln.

 Am Ende des Flughafens endet die Promenade des Anglais und wir überqueren die Pont Napoleon III. Unter uns kommt die Var aus den Bergen und mündet hier ins Mittelmeer. Der Name Var leitet sich vom ligurischen Wort für Wasserlauf ab. Sie entspringt im Gemeindegebiet von Entraunes und mündet nach 114km hier ins Meer.

 Wir folgen jetzt der Route du Bord de Mer die uns wieder ans Wasser führt. Zuvor müssen wir noch an einem Yachthafen vorbei bei dem die Schiffe wohl niemals enden wollen. Hier liegen wohl an die 1.400 Boote. Wir sind in der Gemeinde Saint-Laurent-du-Var die hier am Fluss und am Meer eine außergewöhnliche Lage hat. Sie hat einen der größten Häfen an der Riviera und gehört seit 2002 zur Gemeinschaft der Agglomeration Nice Côte d'Azur (Krebs).

 Wir laufen weiter am Meer entlang und kommen schon bei km 10 in den nächsten interessanten Ort. Wir sind in Port du Cros. In den Jahren 1920 – 1930 war er der größte Fischereihafen in den Alpes-Maritimes wo mehr als 200 Fischer lebten. Rund um die Kirche Saint-Pierre (sogenannte "Church Yellow) gab es im 19. Jahrhundert ein ganzes Viertel von den italienischen Fischern. Heute sind an der Uferstraße, ausser dem Kirchturm, viele Hotelbauten die nichts mehr von dem ehemaligen großen Fischerdorf erahnen lassen. Der Strand ist ist steining und nur sehr schmal und schnell abfallend.

 Nur einen Kilometer weiter, leider neben der Laufstrecke liegt das alte Dorf Haut-de-Cagnes das früher nur vom Olivenbau lebte. Hier steht zwischen alten knochigen Olivenbäumen der prächtige Renaissancebau des Schlosses der Grimaldis. Hier lebte von 1908 bis zu seinem Tode 1919 Renoir und malte bis zuletzt mit dem Pinsel an seine arthritische Hand gebunden.

 Bei km 12 kommen wir an die berühmte Rennstrecke Hippodrom in Cagnes-sur-Mer. Das Gelände ist 63 Hektar groß und kann bis zu 11.300 Personen fassen. Diese doch riesige Anlage liegt direkt am Meer. Kurz danach biegen wir in eine Nebenstraße ab und laufen eine ca. 1km lange Schleife zurück wieder ans Meer. Kurz danach müssen wir wieder ein Stück vom Meer weg, denn eine große Bettenburg in Form eines Sternes verwehrt uns dem Meerblick. Dann kommen bei ca. km 14 nach Baie des Anges. Auch hier heißt es wieder der Hafen liegt am Meer, die Läufer müssen drum herum. Hier steht ein Betonklotz entworfen 1970 von André Minangoy der jahrelang umstritten war. Heute gibt es hier viel schlimmere Betonbauten.

 Wir kommen zum Km 15 und wechseln kurz danach unsere Laufrichtung, denn wir müssen eine größere Schleife rund um bzw.- im Hafengebiet laufen. Dann geht es wieder weiter auf der Route du Bord de Mer. Wir verlassen den Ort und haben zur Landseite einen großen und breiten Grüngürtel. Es grenzt fast an ein Wunder fast 1km kein Hotel. Wir können das Grün jedoch kaum sehen, denn dazwischen liegt die höher gelegene Bahnstrecke. Hier ist es extrem heiß, der Schweiß fließt nur so. Die Temperaturen liegen jetzt über 20 Grad und die Mauer dahinter reflektiert die Wärme zurück.

 Die großen Appartementhäuser werden hinter uns am Horizont immer kleiner. Vor uns taucht das große schwarze adidas-Tor auf. Hier liegt wieder eine Zeitmatte. Es ist der Halbmarathon. Die 1. Hälfte ist geschafft.

 Dann kommt ca. 2km später Antibes, die Stadt die auch als Bauch der Coté d`Azur gilt. Der Markt in der gusseisernen Halle am Cours Masséna wurde 1900 erbaut und hat ein Hallendach das von einer Straßenseite zur anderen reicht. In der Halle türmen sich Berge von Aubergines, Melonen, Cabécou-Ziegenkäse, sowie ein reichhaltiges Fischangebot frisch aus dem Meer und würzig duftenden Würsten. Um die Halle gibt es viele kleine Cafes. Hier gibt es noch das Leben neben der Highsociety in der Altstadt mit seinen engen Gassen und kleinen ganz individuellen Geschäften und Restaurants.

 Wir laufen am Hafen entlang Richtung Altstadt. Hierbei kommen wir an einem großen Springbrunnen vorbei und kurz danach wird uns durch eine Afrikas-Group eingeheizt. Dann geht es durch das alte Stadttor in die Altstadt. Jetzt geht es steil bergauf bis auf die Festungsmauer. Hier haben wir einen herrlichen Blick auf das Meer, den Hafen und das Fort Carre.

 Antibes trägt auch den Titel befestigte Stadt am Meer. Bevor die Stadt französisch wurde hatte sie eine strategisch wichtige Bedeutung. Frankreichs berühmter Festungsbauer Vauban baute im späten 17. Jh. eine Grenzbastion. Hier ist heute ein archäologisches Museum sowie die archäologischen Funde aber auch ein Land unter Wasser, um die Geschichte von Antibes in der Antike verfolgen zu können. Dieses Fort Carré steht auf einem 26 Meter hohen Felsen direkt am Meer. Zu Füßen liegt der große Yachthafen.

 Hier steht das Wahrzeichen der Stadt die ehemalige Grimaldi-Burg. Sie wurde erbaut auf der antiken Akropolis der griechischen Stadt Antipolis Im Jahre 1608 erwarb König Heinrich IV. das Lehen zu Gunsten der Krone Frankreichs. Das Schloss Grimaldi liegt in Cagnes-sur-Mer, und das alte Schloss von Antibes wurde die Residenz des Gouverneurs, des Königs, dann Rathaus und später eine Kaserne bis 1924. Die Stadt Antibes kaufte die Ruine und daraus wurde das Museum Grimaldi. In dem viereckigen Turm hatte Picasso ein Atelier.

 Die Laufstrecke geht fast einen Kilometer über die Festungsmauer. Es ist ein Traum diese Aussicht und die Farbe des Meeres mit der immer an die Mauer schlagenden Brandung. Hier knipse was der Chip aushält. Eigentlich viel zu schade zum weiterlaufen. Dann geht es runter in die Stadt auf die Promenade neben dem Meer.

 Wir laufen weiter am Meer entlang und kommen hinter km 26 auf eine Halbinsel, das Cap d'Antibes. Die nächsten 3km laufen wir durch ein kleines Stück vom Paradies. Dieser Küstenstreifen ist grün und die Heimat von Schlössern und Herrenhäusern der Milliardäre. Das berühmte Eden Roc, angeblich das beste Hotel der Welt befindet sich hier am Cap mitten im Grünen. Wir kommen jedoch nicht komplett rund ums Cap am Meer. Wir müssen ein Stück durchs Land abkürzen und erreichen kurz vor km 30 wieder die Küste.

 Nur einen knappen Kilometer weiter kommen wir am Kiefernwald Juan-les-Pins vorbei wo jedes Jahr das berühmte Festival de Jazz d'Antibes Juan-les-Pins stattfindet. Wir sind in der romantischen Bucht von Golfe-Juan. Dieser Bucht sagt man nach, sie wäre nahezu das perfekte Abbild der Schönheit der Riviera. Auch ich mache Fotostopps, denn man kommt ins Träumen an diesem herrlichen Küstenabschnitt.

 Ich laufe schon eine ganze Weile mit Haymo Schulze. Er kommt aus Berlin und ist auch das erste Mal hier. Wir unterhalten uns viel und machen auch viele Foto-Stopps, denn wir wollen diese herrliche Landschaft genießen und nicht nur durch rennen.

 Ein Stück weiter entlang der Laufstrecke sehen wir an der Südspitze von Cannes die Lerins Inseln. Der Blick fällt auf die 210ha große Ile Ste-Margueritè die mit Eukalyptusbäumen und Pinien begrünt ist. Dahinter liegt die kleinere 40ha große Ile St-Honorat wo es sogar Weinberge gibt. Auch ein Kloster aus dem 11. Jahrhundert kann hier besichtigt werden. Diese Inseln liegen zwar nahe an Cannes haben sich aber ihre Beschaulichkeit bewahrt. Hier findet man nicht den Hype von Cannes.

 Wir laufen immer am Meer entlang auf die Inseln zu. Wir sind schon am Stadtrand von Cannes. Bei km 40 direkt an der Südspitze steht das Palm Beach Casino. Es ist eines der schönsten Beispiele der Groupe Partouche, die über 40 Casinos gebaut haben. Es ist aus einer glorreichen Vergangenheit mit einem Touch der Moderne erbaut worden. Wir laufen um die Südspitze herum auf die weltberühmte Flaniermeile Boulevard de la Croisette. Es ist nicht mehr weit zum Ziel. Die Palmenallee führt uns direkt zum Ziel.

 Cannes weltberühmt durch das jährlich stattfindende Internationale Filmfestspiel. Hier tummeln sich die Weltstars und die Reichen. Angefangen hat alles mit einem kleinen Fischerdorf. Dort kam 1834 der ehemalige britische Lordkanzler Henry Brougham, 1. Baron Brougham am Vaux zur Kur. Er ließ sich hier nieder und schnell folgten ihm weitere Aristokraten. Nach und nach kamen Adelige aus der ganzen Welt und bauten sich hier Ferienhäuser. Die Stadt wuchs schnell an und zog die Reichen und Schönen hierher.

 1868 wurde die Croisette, die Flaniermeile erbaut auf der wir jetzt laufen. Sie erhielt drei Jahre später eine Bepflanzung aus Palmen. 1912 kam der Boom mit den Hotelbauten. Es entstanden nach und nach Luxushotels. Die Croisette wurde nach und nach erweitert und hat heute eine Länge von 2km. Hier wechseln sich Luxushotels mit Shops, Boutiquen, Restaurants und Bars ab. Auch das Palais des Festivals et des Congrès, in dem das Internationale Filmfestival stattfindet sowie drei Casinos befinden sich hier. Und heute schon zum 4. Mal die Marathonläufer aus aller Welt.

 Wir laufen die letzten Meter zum Ziel. Wir sind am Hotel Intercontinental Carlton auf der la Croisette, dem 1912 erbauten Luxushotel. Wir sind hier im Herzen von Cannes an einem der schönsten Boulevards der Welt. Was soll es jetzt noch schöneres geben wie eine Medaille und den Sonnenschein als Belohnung und das am 20. November.

 Fazit: Ein wunderschöner Lauf mit herrlichem Sonnenschein und an die 20 Grad Wärme im November. Eine perfekte Organisation auf eine der schönsten Laufstrecken der Welt. Bis auf wenige Abschnitte hat man immer die Côte d`Azur neben sich. Die Farbe des Himmels und des Meeres lassen einen vergessen das wir kurz vorm Advent sind. Wer noch nicht hier war sollte die sehr schöne Stadt Nice kennen lernen. Wer einmal hier war wird die Stadt auch lieben lernen. Mir hat sie mit seiner filigranen Altstadt und der wunderschönen Promenade besser gefallen wir Cannes. Hier findet man auch zu jeder Tageszeit Jogger auf der Promenade. Ich habe eine neue wunderschöne Marathon-Laufstrecke in einer der schönsten Gegenden Europas kennengelernt. Da ich noch eine Woche hier bin werde ich mir auch die vielen berühmten Städte hier an der Küste noch ansehen.

 Ich wiederhole zum Schluss nochmal die Aussage von Henri Matisse: Magnifique Côte d`Azur Als mit klar wurde, dass ich dieses Licht jeden Morgen sehen würde konnte ich mein Glück kaum fassen.

 Nach der Versorgungsstraße wo es viel Obst und Kekse und Küchlein gab holte ich meinen Starterbeutel und ging auf den Boulevard. Hier zog ich mich um und genoss noch ein wenig die herrliche Landschaft. Dann machte ich mich mit zu Fuß auf zum Zug und fuhr zurück nach Nice. Hierbei konnten wir einen Teil unserer Laufstrecke nochmal sehen. Bei so einer Fahrt wird einem erst bewusst welche Strecke man zu Fuß zurückgelegt hat.

 Nach einer ausgiebigen Dusche und einer Stunde Ruhe ging es nochmal am Abend in die Altstadt von Nice. Über die Avenue Jean Mèdecin gehen wir über den Place Massena in die Altstadt. Rund um den Place Cours Saleya gibt es mehr als 170 restaurierte Fassaden im typischen Stil (italienischer Einfluss) zu bewundern. Wir schlendern durch die malerischen Gassen, die im Dunkeln ihren ganz besonderen Reiz haben. Nach einer Pasta am Place de Justice gehen wir noch über den Place de Rosetti wo wohl die größte und auch beeindruckendste Kirche der Stadt steht. Die Kathedrale Sainte- Réparate wurde im Barockstil erbaut und erinnert in seiner frühbarocken Innenausstattung an den Petersdom in Rom. Durch seine offenen Türen lädt sie uns ein um dort kurz zu verweilen.

Montag 21. November: - Heute ist Ruhetag und so fahren wir mit dem Envibus für 1€ nach Antibes. Die Fahrpreise der Linie 200 die von Nizza bis nach Cannes führt wurden so günstig festgelegt um die Straßen zu entlasten. Die Altstadt liegt zwischen zwei Stränden und ist neben Cannes und Nizza die Urlaubsstadt hier an der Cote d`Azur.

 Antibes liegt auf einer Halbinsel und ragt am südwestlichen Ende der Baie des Anges (Engelsbucht) weit ins Meer. Sie ist eine der ältesten Städte an der Cote de Azur die um 340 v. Chr. von den Griechen gegründet wurde. Nur Marseille ist rund 300 Jahre älter das auch von den Griechen gegründet wurde. Sie ist aus der Stadt Antipolis was so viel heißt, wie Stadt gegenüber Nikaia Polis (Nizza). Die Griechen betrieben von hier Handel mit den Küstenbewohnern. Später bauten die Römer Antibes zu einer bedeutenden Stadt aus. Die Stadt fiel schließlich 1386 in den Besitz der Grimaldis. Am Rande der Altstadt überragt noch der Turm der ehemaligen Grimaldi-Burg über die Stadt raus. Das Schloss bzw. Burg entstand im 12. Jahrhundert und wurde später von der Familie Grimaldi genutzt. 1608 kam die Stadt unter König Henri IV. in den Besitz der französischen Krone. Der französische König ließ Antibes zu einer Festung umbauen zum Schutz gegen Savoyen die im 14. Jh. Nizza erobert hatten.

 Wir steigen am Platz Carles de Gaulles aus und gehen über den Boulevard Albert 1. direkt ans Meer. Hierbei ist uns besonders aufgefallen, dass es hier ein Riesenangebot an Immobilienmaklern gibt. Hier am Meer befindet sich ein kleiner Park und daneben eine kleine Bastion die dann aber übergeht in die große Bastion und Festungsmauer bis zur anderen Seite der Stadt an den Hafen. Es ist zwar nicht kalt aber sehr windig und so behalten wir lieber unsere Jacken an.

 Wir gehen von der kleinen Bastion über die alte Festungsmauer und kommen so auch an der ehemaligen Grimaldiburg vorbei. Sie steht hier am Rande der Altstadt mit Blick auf das Meer und die zwei Buchten. 1925 wurde das Schloss zum Musèe Grimaldi. Picasso hatte hier von Juli bis Dezember 1946 ein Atelier wo viele seiner berühmten Werke entstanden sind. Es vermachte der Stadt viele Werke. Heute werden hier über 250 Werke von Picasso sowie Töpferarbeiten und Kunstwerke anderer Künstler gezeigt. Auch Bilder von Max Ernst und Mirò sind im Museum.

 Am Ende der Festungsmauer blickt man auf den Hafen, Port Vauban. Dieser See- und Yachthafen wurde vom Stadtplaner und Baumeister Vauban mit ca. 1.700 Liegeplätzen erbaut. Es ist damit einer der größten Yachthäfen Europas. Es ist nicht nur groß sondern auch einer teuersten Häfen, denn hier liegenden die Yachten der Milliardäre wie die zwei teuersten privaten Charter-Yachten der Welt (Annaliese und Alysia) die hier überwintern. Auch die berühmte Luxusyacht Nabila aus dem James-Bond-Film Sag niemals nie liegt hier. Heute heißt sie Kingdom 5KR und gehört jetzt dem saudischen Investor Prinz Walid.

 Blickt man über den Hafen hinaus so sieht man wie das Fort Careé aus dem Grün des Hügels hervorschaut. Diese Festung wurde 1553 erbaut um den Hafen zu schützen. Vauban der auch die Hafenanlagen gebaut hat, hat das Fort um 1680 umgebaut und erweitert. Wir drehen hier um und gehen durch eine der vielen engen Gassen in die Altstadt. Wir kommen direkt zur alten Markhalle dem Marché couvert am Cours Masséna. Hier überspannt ein Metallgestell die ganze Straße. Es gehört zu den letzten alten Märkten wo noch Produkte aus der Region angeboten werden. Wir sind heute leider nicht nur zu spät sondern montags ist kein Markttag. Es ist sehr schade, denn hier gibt es provencialische Produkte wie Gemüse und Obst aber auch Gewürze aus aller Welt. Besonders die vielen Käseprodukte aus der Region locken auch viele Touristen an. Wer das Besondere liebt findet hier auch Lavendelblüten sowie die berühmte Rose d'Antibes, Aperitifs aller Art von Oliven, Tapenade aus schwarzen oder grünen oder Sardellen, eingelegten Zitronen, Tomaten kandiert oder getrocknet. Wir schlendern von dort weiter in die Altstadt und machen Halt an einem Cafe, wo wir eine Weile sitzen und eine Kleinigkeit essen. Dann machen wir uns auf und fahren mit der Linie 200 nach Cannes.

 Wir steigen am Rande der Altstadt aus und gehen zunächst direkt ans Meer auf den Prachtboulevard, den Boulevard de la Croisette. Hier direkt am Hafen befindet sich das Palais des Festival de Cannes. Hier finden jedes Jahr im Mai die Internationalen Filmfestspiele von Cannes statt, beim dem sich die Superstars tummeln um ihre neuesten Filme vorzustellen. Diese Woche gibt es ausnahmsweise keine Filme dafür gibt es tänzerische Choreografien vom Feinsten. Beim Festival de Danse Cannes zeigen internationale Größen der Tanzkunst ganz unterschiedliche Tanzstile aus aller Welt.

 Genau daneben liegt einer der Strände von Cannes. Jetzt jedoch am Abend ist hier nichts los. Selbst auf der Croisette sieht man nur wenige Spaziergänger. Dieses ehemalige Fischerdorf ist heute ein Treffpunkt der Reichen, vor allem aber der älteren Reichen die sich hier ein Haus gebaut haben um ihren Lebensabend in diesem wunderbaren Klima zu verbringen.

 Der Boulevard Croisette ist die Flaniermeile mit den teuersten Geschäften und Boutiquen der Cote de Azur. Er hat eine Länge von 2km und endet im Osten am Pointe Croisette. Neben den vielen Geschäften befinden sich hier auch die 5 Sterne Superhotels in denen beim Filmfestspiel die Stars sich tummeln. In der Nebensaison kann man hier schon z.B. im *****Hotel Martines für 150€ die Nacht bekommen. Wer im *****InterContinetal Carlton übernachten möchte sollte schon 2 Jahre im Voraus buchen sonst kann es eng werden mit verfügbaren Zimmern.

Dienstag 22. November: - Heute geht es per Bus, wie immer mit 1€, an der Cote de Azur entlang bis zum Ende von Frankreich nach Menton und auf dem Rückweg mit einem Halt in Monaco (Monte Carlo).

 Menton liegt zwischen dem Cap Martin und der italienischen Grenze. Die Stadt ist geschützt durch die Ausläufer der Seealpen im Hinterland und ist damit auch der wärmste Ort an der französischen Côte d`Azur. Die Winter sind hier so mild das das Thermometer selten unter die 5 Grad geht. Schnee gibt es nur alle 10 Jahre hier. Im 19. Jahrhundert wurde das milde Klima von vielen Ärzten als heilend empfunden speziell bei Tuberkulose. Für viele Russen und Engländer wurde es deshalb zum Winterquartier. Noch heute kann man die großen Hotels und vor allem die wunderschönen Gärten bewundern die damals gebaut wurden. Seit den 60er Jahren nimmt hier der Tourismus einen deutlichen Aufschwung. Vor allem viele Italiener finden hier eine neue bzw. zweite Heimat. Die Einwohner von Menton sprechen eine Art provenzalische Sprache, die man auch Mentonasc nennt und den Übergang zur ligurischen Sprache ist. Jedes Jahr wird hier ein großes Zitronenfest gefeiert.

 Wir gehen durch die untere Altstadt zum Hafen von Garavan von dem man einen schönen Blick auf die sich erhebende Alte Stadt hat. Geht man durch die alten und engen Gassen zum Hügel hoch kommt man zum Friedhof. Er wurde auf vier Terrassen angelegt und so verschiedenen Religionen zugeteilt. Hier stand einst die mittelalterliche Festung von Menton.

 Der Fischereihafen hat mit seinen fünf Fischern kaum noch eine Bedeutung. Dafür ist der Yachthafen mit seinen 580 Anlegeplätzen und der neue Hafen mit knapp 800 Plätzen ein neuer und wichtiger Wirtschaftsfaktor für die Stadt.

 Dort wo der Quai Napoleon III. am Festland beginnt befindet sich noch ein kleiner Festungsturm. Auf dem Quai kann man bis zum Beginn der Hafenanagen laufen und erhält damit einen schönen Blick über die Stadt.

 Zu Füßen des Turmes ist einer der vielen Gärten der Stadt. Menton ist auch berühmt für seine Gartenanlagen. Viele tropische Pflanzen in teilweise ungewöhnlich gestalteten Gartenanlagen ziehen Tausende Besucher jedes Jahr an. Die wohl schönsten Gärten sind: Jardin du Val Rameh, Jardin des Colombleres, Jardin des Romanciers, Jardin Bioves, Jardin de Maria Serena, Oliveraie du Pian sowie die Gärten Serre de la Madone und Clos du Peyronnet.

 In der unteren Altstadt steht die ockerfarbene italienisch anmutende Barockkirche St. Michel aus dem 17. Jahrhundert. Auf dem Parvis St. Michel wo auch jedes Jahr das Kammermusikfestival stattfindet steht die barocke Eglise de la Conception. Im inneren befindet sich eine Marienstatue aus dem 16. Jahrhundert. Wir fahren weiter nach Monte Carlo.

Monaco – Monte Carlo, zwei Namen die man verbindet mit Steuerparadies (in Monaco gibt es seit 1869 keine direkte Steuerpflicht für Privatpersonen), Formel 1 (Innenstadtkurs, 3,34km, 78 Runden, 5-facher Sieger Michael Schumacher) und die Fürstenfamilie Grimaldi (Fürst Rainier und Grace Kelly).

 Kommt man nach Monaco so wird man von vielen überdimensionalen Baukränen begrüßt. Durch die geringe Landesfläche von nur 2,02 km2 wird jeder kleine Fleck effizient genutzt. Zur Zeit wird die Eisenbahnlinie unterirdisch verlegt um noch mehr Bauland zu gewinnen. In den 1070er Jahren wurden durch den neuen Stadtteil Fontvieille 40ha dem Meer abgerungen. Auch im Hafen ist ein neues Projekt im Bau. Der geplante neue Stadtteil Le Portier im Süden des Landes wird auch dem Meer abgerungen. Dazwischen gibt es jedoch noch erstaunlich viel Grün. Die Immobilienpreise gehören zu den teuersten der Welt, so kostet z.B. ein Penthouse pro m2 100.000€.

 Monaco ist mit seiner kleinen Fläche nach der Vatikanstadt der zweitkleinste Staat der Welt. Mit seinen rund 33.000 Einwohnern hat er jedoch die höchste Einwohnerdichte der Erde, gefolgt von Singapur. Die einheimische Bevölkerung macht hier nur 22% aus. Insgesamt leben auf den 2 km2 Menschen aus 119 Nationen. Hiervon sind rund die Hälfte Millionäre. Das Fürstentum Monaco ist eine konstitutionelle Monarchie. Der regierende Fürst ist Staatsoberhaupt und wird gewöhnlich mit Patron (Schutzherr) oder Monseigneur (mein Herr) angesprochen.

 Wo sich heute Hochhaus an Hochhaus schmiegt war früher ein antiker Handelsplatz der Phönizier und später der Griechen. Sie bauten einen Herkules-Tempel und gaben dem Platz den Beinamen Monoikos (einzelnes Haus). Die Römer nannten es später Herculis Monoeci Portus woraus der heutige verkürzte Namen Monaco entstanden ist. Francesco Grimaldi, genannt der Boshafte nahm die Stadt 1297 in einem Handstreich. Die Familie Grimaldi schaffte es bis heute sich an der Macht zuhalten durch die richtigen Schutzverträge mit seinen Nachbarn.

 Wer Monaco zum ersten Mal sich anschaut kann sich gut darauf einstimmen mit Alfred Hitchcocks Meisterwerk „Über den Dächern von Nizza“. Hier spielte Grace Kelly die spätere Fürstin Gracia Patricia mit. Sie heiratete den seinerzeit regierenden Fürsten Rainier III. Am 1. Juli 2011 heiratete sein Sohn und Nachfolger, Fürst Albert II. Charlene Wittwock. In jedem Schaufenster der Stadt ist ein Foto von den Beiden.

 Der Aufstieg des Landes begann im 19. Jahrhundert wo in Frankreich und Italien Glücksspiele verboten waren. Man reiste nach Monaco und verspielte Millionen. Legendär und wunderschön ist das von Charles Garnier von 1878 – 1881 erbaute Casino mitten in der Stadt. Einen herrlichen Blick auf das Gebäude hat man von der gegenüberliegenden Grünanlage die wie eine Oase im Getümmel der Stadt wirkt. Während früher die Spielbank die Staatskasse füllte, kommen heute die meisten Einnahmen vom Tourismus und von den Kongressen sowie der Mehrwertsteuer. Die Reichen der Stadt kommen per Flugzeug nach Nizza und steigen dann in den Hubschrauber der sie ganz schnell zum Heliport de Monaco bringt.

 Wenn Mann in Monaco vom Casino runter geht zum Hafen kommt man unweigerlich durch die Loews und den Tunnel und spätestens dann sind die Bilder vom alljährlichen Formel 1 Grand Prix im Kopf. So bin auch ich einen Teil der Formel 1 Strecke abgegangen. Der Große Preis von Monaco wurde erstmals 1929 ausgetragen und ist neben dem 500 Meilen Rennen von Indianapolis und den 24 Stunden von Le Mans eines der drei Kronjuwelen der Automobilsports. Das Besondere hier ist die enge Strecke mit den vielen Kurven und einer relativ geringen Durchschnittgeschwindigkeit von knapp 150 km/h. Deshalb gibt es auch hier nur 78 Runden a 3,34km und nicht wie auf den anderen Strecken die mindestens 305km. Der dreifache Weltmeister Nelson Piquet beschrieb den Kurs so: „Formel 1 fahren in Monaco ist wie Hubschrauber fliegen im Wohnzimmer“. Allein der Teil vom Casino bergab, durch die Loews und dann fast rechtwinkelig durch die Portier in den Tunnel. Am Ende des Tunnels kommt die enge Schikane die einen schon ins Hafenbecken katapultieren kann. Echt Wahnsinn was die Piloten hier leisten müssen. Die Schaltvorgänge liegen zwischen dem 1. Gang mit 47 km/h bis zum 7. Gang mit 269 km/h. Von den bisher 58 Grand Prix gewann Michael Schumacher 5mal und in 2011 der alte und neue Weltmeister Sebastian Vettel. Dann haben wir noch einige der Yachten bewundert die hier im Hafen liegen und sind durch die Altstadt zurück zum Bus gegangen. Monaco hat jedoch viel mehr zu bieten als man an einem Tag sich ansehen kann. Übermorgen werden wir noch einmal durch die Stadt fahren auf unserem Weg nach Italien.

Mittwoch 23. November: - Nach den vielen Besichtigungen am Meer geht es heute in die Berge. Wir wollen mit dem Bus nach Grasse fahren. Grasse gilt als Welthauptstadt des Parfums und liegt nur 1 ½ Auto- bzw. busstunden, natürlich wieder für 1€ pro Fahrt in den Bergen nördlich von Cannes. Der Bus fährt von Nizza ab über den Boulevard und weiter an den Airport, Cagnes-sur-Mer, Roquefort-le-Pins, Châteauneuf –Grasse bis zur Endstation in Grasse. Die Stadt mit ihren rund 50.000 Einwohnern erstreckt sich im Hügelland der Alpensüdausläufer auf durchschnittlich 306m über dem Meeresspiegel. Der Blick von hier oben ist gigantisch über das Hügelland bis zum Mittelmeer.

 Bevor wir jedoch in die Altstadt mit ihren engen Gassen abtauchen machen wir Halt auf dem Place aux Aires. Der Platz müsste eigentlich Gerberplatz heißen, denn im 17. Jahrhundert reihten sich hier eine Gerberei an die andere. Bei herrlichem Sonnenschein genießen wir hier eine Pause im Cafè.

 Über den Boulevard du Jeu de Ballon kommen wir am Internationalen Parfüm-Museum vorbei. Das Musée internationale de la Parfumerie (Parfümeriemuseum) ist in einem original möblierten Haus des 18. Jahrhunderts. Nach 4-jähriger Umbauzeit wird hier eine Porzellansammlung sowie eine große Kollektion von Parfümflakons gezeigt. Davor steht ein Denkmal von Jean-Honorè Fragonard. Hier ist auch die Heimat dieses französischen Rokokomalers (Die Badenden). Fragonard (1732-1806) war ein französischer Maler, Zeichner und Radierer und vermutlich eine spross der Parfum-Fabrik Frangonard in Grasse.

 Und da sind wir auch schon beim Haupterwerb dieses Städtchens in den Bergen, Parfüm. Die Stadt Grasse gilt als die Parfumhauptstadt Frankreichs. Wie kam es eigentlich dazu. Im Mittelalter war Grasse eine Stadtrepublik mit einer alten Gewerbetradition. Da rund um die Stadt viel Wasser ist war das Gerberhandwerk hier sehr verbreitet. Im 1600 Jh. kam die Mode auf Handschuhe zu parfümieren was für die Herrschaften ja besser war wie eine Morgentoilette. Viele verlegten sich viele auf die Destillation von Duftstoffen, wozu viel Wasser benötigt wurde das es ja hier im Überfluss gab. Seit dem 17. Jh. haben sich dann viele Parfümeure auf die Extraktion des Blütensaftes spezialisiert. Die Blumen wuchsen damals in großen Feldern der Domaine de Manon rund um die Stadt. In 2004 waren in Grasse ca. 4000 Menschen in der Parfümindustrie beschäftigt. Jährlich wurden 10 000 Tonnen Blüten verarbeitet. Noch gibt es ungefähr dreißig Parfümfabriken in und um Grasse die ihre Produkte in die ganze Welt verschicken. Die heute noch bekanntesten Parfümfabriken der Stadt sind Fragonard, Galimard, Molinard, Fleuron de Grasse und Guy Bouchara. Sie bieten kostenlose Führungen durch ihre historischen Produktionsstätten an. Wir waren kurz bei Fragonard im Museum hatten jedoch keine Zeit auf die nächste Führung zu warten.

 Der Roman „DasParfum“ von Patrick Süßkind beschreibt die einstigen Orangenhaine und weiten Blüten-plantagen Die Geschichte eines Mörders basiert auf den Gerüchen und der Herstellung von Parfüm. Jean-Baptiste Grenouille, ein Mann aus dem Paris des 18. Jahrhunderts mit einem einzigartigen, perfekten Geruchsinn erkämpft sich eine Ausbildung zum Parfumeur. Da er selbst keinen Eigengeruch besitzt, will er den perfekten Duft herstellen und schreckt selbst vor Mord nicht zurück um sich die notwendigen Zutaten zu beschaffen. Das 1985 erschienene Buch wurde über 2,2 Mill. mal verkauft und war 316 Wochen ununterbrochen in den Spiegel-Bestsellerlisten.

 Vom Place du Cours vor dem Parfum-Museum starten wir unsere Tour durch die Altstadt. Über die Rue de Mirabeau kommen wir in die engen Gassen die teilweise nur wenige Meter breit sind. Jean-Baptiste Grenouille schildert im Roman Das Parfum, „Die Häuser standen in manchen Vierteln so dicht, dass für die Durchlässe und Treppchen nur noch eine Elle weit Platz blieb. Und selbst auf den Plätzen und den wenigen breiteren Straßen konnten die Fuhrwerke einander kaum ausweichen“. Wir kommen hierbei in Gassen wo die Sonne es nicht schafft den Boden zu erreichen.

 Nach einigem zickzack durch die Gassen stehen wir vor der ehemaligen Kathedrale Notre-Dame du Puy. Diese dreischiffige Basilika gehört zu den Sehenswürdigkeiten der Stadt. Diese romanische Kirche aus der Zeit um 1200 hat ein gotisches Kreuzgratgewölbe mit einer sonst sehr schlichten Architektur. Das Besondere im inneren sind die Gemälde von Rubens, Charles Nègre und einem Triptychon von Louis Brèa. Das einzige religiöse Gemälde ist vom Sohn der Stadt Jean Honòre Fragonard, die Fußwaschung. Der einst notwenige wehrhafte Charakter der Kirche ist deutlich sichtbar.

 Direkt daneben an die Kirche gebaut erhebt sich das ehemalige Bischofspalais und heutige Rathaus. Das imposante Gebäude besitzt teilweise noch seine mittelalterliche Bausubstanz. Von außen sieht es wie ein Museum aus. Durch das ehemalige Bischofspalais gibt es einen Durchgang von wo aus man einen herrlichen Blick über die Stadt hat. Von dort gehen wir über mehrere Treppen direkt runter in die Altstadtgassen.

 An vielen Gebäuden die teilweise schon aus dem Mittelalter stammen, nagt der Zahn der Zeit. Der Putz bröckelt ab, aber es gibt auch schon viele bunte Farben an den Fassaden. Nach und nach wird die Altstadt saniert. Wo das bereits geschehen ist, strahlen die Häuser in Rot, Gelb und Orange. Blumenampeln teilweise auch sehr kitschig hängen an schmiedeeisernen Laternen.

 Sobald eine Straßenausbuchtung Platz bietet, stehen Tische und Stühle für Besucher bereit. In den engen Gassen gibt es viele kleine Geschäfte. Wer sich hier treiben lässt, fühlt sich schnell in frühere Zeiten zurückversetzt. Ocker, Gelb, Rosa und Blau, das sind die dominierenden Farben der Häuser. Viele Künstler kommen gerne in die Stadt um sich von den Bauten und der Atmosphäre inspirieren zu lassen.

 Die ältesten erhaltenen Bürgerhäuser stammen noch aus dem 14. Jahrhundert. Die dichte Bebauung mit Häusern auch teilweise aus der Zeit des Ancien Régime (Zeit vor der französischen Revolution von 1789) erinnern mit ihren zugemauerten Fenstern an die Zeit als man lieber auf das Sonnenlicht verzichtete, als eine Sondersteuer dafür zu entrichten. Auch wir lassen uns durch die engen Gassen treiben und müssen hier und da mal um eine Ecke einer Gasse schauen.

 Erst gegen Abend fahren wir wieder mit dem Bus zurück nach Nice. Wir steigen in die Straßenbahn und machen noch einen Halt bei unserer Lieblings-Boulangerie Zambetti direkt um die ecke . Hier fotografiere ich dann auch noch das Umfeld unseres Hotels sowie unser Hotel Comte de Nice.

Ende Teil 1