2 Länder-Marathon Echternach/LUX

Die Sauer rauf und runter

 

18.10.2009 von Bernd Neumann

 In diesem Jahr wollte ich noch meine BE-NE-LUX Marathons vollenden. BE (Brüssel) war vor 2 Wochen und NE (Apeldoorn, Diever, Leiden, Amersfoort) hatte ich schon in der 1. Hälfte dieses Jahres gesammelt. Jetzt fehlte mir noch LUX und da mir der Luxemburg-Marathon am 23. Mai nicht ins Programm passte lief ich jetzt den Echternach-Marathon. In den Ergebnislisten fand ich zwei Bezeichnungen - 29. Marathon Echternach bzw. 4. Foyer Zwei-Länder-Marathon der Stadt Echternach. Foyer ist der Name einer Gesellschaft die der führende Versicherer im Großherzogtum Luxemburg ist. Diese Veranstaltung zählt mit 326 Marathonis und 286 10-Meilen-LäuferInnen, in 2008 im Ziel, wohl zu den kleineren Läufen. Neben dem Marathon und dem 10 Meilenlauf wird auch noch ein Kids-Run angeboten.

 Die Road Runners Echternach organisieren diesen Lauf und haben ihm auch den Beinamen Zwei-Länder-Marathon gegeben und zwar deshalb, weil der größere Teil der Strecke östlich der Sauer auf luxemburgischen Gebiet und ein Teil westlich der Sauer auf deutschem Gebiet verläuft. Zwei-Länder-Marathon könnte es auch heißen weil aus beiden Ländern Helfer und Helferinnen stark engagiert sind für das gute Gelingen dieser Veranstaltung. Auf dem Hinweis für die Internetseite von den Road Runners Echternach taucht oft die Bezeichnung GUSTI auf. GUSTI ist die Bezeichnung für GrenzUeberSchreitende Touristik Info.

 Die Stadt Echternach liegt an der deutsch-luxemburgischen Grenze (ca. 20km südwestl. von Bitburg) und ist eine der 116 Gemeinden im Großherzogtum Luxemburg. Sie gilt als die älteste Kult- und Kulturstätte des Landes. Echternach hat 5.200 Einwohner und wird im Norden und Osten von der Sauer umflossen die auch gleichzeitig die Grenze zu Deutschland ist. Die Gegend um die Stadt wird auch die „Kleine Luxemburger Schweiz“ genannt. Hier befindet sich auch das wunderschöne Müllerthal. In den bewaldeten Hügeln um die Stadt findet man imposante Felsformationen welche Jahrmillionen alt sind. Im Müllerthal drehten sich einst die Räder zahlreicher Mühlen an den Wasserläufen. Die bizarr geformten Felswände, getrennt durch Schluchten und Spalten, bilden wahre Labyrinthe und geräumige Grotten. Namen wie Wolfs- oder Teufelsschlucht, Räuberhöhle oder auch Siebenschlüff sind typisch für diese faszinierende Welt aus Stein.

 Echternach liegt ca. 350km von meinem Wohnort entfernt. Da ich Echternach und das nahe gelegene Müllerthal schon in den 70er Jahren bereist hatte freute ich mich auf ein Wiedersehen mit dieser schönen Gegend. Über die Autobahn und verschiedene Landstrassen erreichte ich am frühen Nachmittag Echternach. Da die Startunterlagenausgabe erst ab 16 Uhr geöffnet ist suchte ich mir zuerst ein Quartier für die Nacht und erkundete dann noch einen Teil der Innenstadt. Am Ende der Fußgängerzone nächtigte ich im Hotel Aigle Noir, das nur 5 Minuten zu Fuß vom Start und Ziel ist. Von dort aus begab ich mich auch auf einen Rundgang durch die Innenstadt.

 Die Stadt selbst bietet eine Fülle von historischen Bauten. Das Stadtbild wird geprägt vom gewaltigen Gebäudekomplex der barocken Benediktinerabtei und der viertürmigen romanischen Sankt-Wilibrordus-Basilika. Weitere architektonische Zeugen einer langen Vergangenheit sind die ehemalige Römervilla mit beeindruckenden Ausmaßen, die Peter- und Paul Kirche, Reste der mittelalterlichen Stadtmauer mit 8 Türmen in denen man zum Teil übernachten kann, die reizvollen engen Gassen rund um den Marktplatz mit den Bürgerhäusern sowie das Justizkreuz und gotische Rathaus.

 Ich ging durch die Fußgängerzone und kam direkt auf den Marktplatz. Da es zwar kalt aber sonnig war saßen viele Touristen in den Straßencafes und genossen wohl die letzte Sonne. Auf dem Platz waren Jugendliche dabei Äpfel zu mosten. Auch hier ist der Viez (dem hessischen Äppelwoi oder französischen Cidre vergleichbar) bekannt und es werden entsprechende Feste gefeiert. Hier befindet sich auch das Justizkreuz das im Dialekt auch „Urtsel (Urteilssäule) genannt wird. Im Mittelalter sollte es zeigen, dass der Abt, der Herr über das Recht war. Auf dem Weg zur Basilika fällt der ehemalige Justizpalast „Denzelt“ besonders ins Auge. Der Denzelt, auch „Dingstuhl“ genannt (die Jahrgedinge wurden in der offenen Halle mit Spitzbögen abgehalten) geht teilweise bis in die zweite Hälfte des 14. Jahrhunderts zurück. An den großzügigen Fensterrahmen stellt man den Übergang der Gotik auf die Renaissance fest. 1898 bei der Renovierung wurden die Statuen der Gottesmutter sowie König Salomom und die Kardinaltugenden in die Fassade eingefügt. Im Gebäude gab es früher auch eine Folterkammer und ein Gefängnis.

 Über die rue de la Montagne gehe ich vom Marktplatz zur danebenliegenden Wilibrordus Basilika. Der heilige Willibrord gründete 698 die nebenliegende Abtei und baute schon Anfang des 8. Jahrhundert eine erste Kirche auf diesen Platz. In den Ausmaßen wie die Kirche heute ist erfolgte in den Jahren 1948 – 1953 im neogotischen und neoromanischen Stil. Die im Kirchenschiff liegende Krypta mit Freskenmalereien aus dem 14. Jahrhundert dürfte bis in die karolinische Zeit zurückgehen. Direkt daneben liegen die Abteigebäude die 1727-1736 im lothringischen Baustil entstanden. Der quadratische Bau von je 75 m Front mit Kreuzgang und Binnenhof war bis 1797 Abtei und beherbergt heute ein staatliches Gymnasium. Durch den Bau der Abtei ist Echternach die älteste Stadt Luxemburgs und berühmt für die im Mittelalter florierende Buchmalerei. Zu den bekanntesten Werken der Abtei zählen das Goldene Evangelienbuch Heinrichs III. (heute El Escorial Madrid) sowie das Goldene Evangeliar von Echternach aus dem 11. Jahrhundert (heute Germanisches Nationalmuseum Nürnberg).

 Genau gegenüber befindet sich der ehemalige Klostergarten und die Orangerie (1735-1736). Die Statuen an der Fassade stellen die vier Jahreszeiten dar. In einer kleinen Seitengasse entdeckte ich einen seltenen Zeitzeugen des mittelalterlichen Echternachs, ein gotisches Haus. Die Bauweise, die dreilappigen Fensterstürze führen auf die erste Hälfte des 14. Jh. Zurück und sind mit einigen aus Metz und Trier zu vergleichen. Bestätigt wird diese Annahme durch dendrochronologische Untersuchungen (Altersbestimmung durch Jahresringe). Demnach stammen die Balken der Hausdecke von im Jahre 1299 gefällten Bäumen.

 Ganz in der Nähe befindet sich auch die alte Stadtmauer die in einer primitiven Form ins 10. Jh. zurückgehen soll und im 13. Jh. ausgebaut wurde. Sie war mit 20 Schalentürmen, 4 Stadttoren und einer 2000 m langen Mauer versehen. 1813 wurden die noch erhaltenen Türme versteigert und zu Wohnzwecken umgebaut was heute auch noch an verschiedenen Mauerteilen erkennbar ist.

 In der Nähe der ehemaligen Abtei steht auf einem Hügel die Peter- und Paulkirche die auf den Mauern einer römischen Anlage erbaut wurde. Hier dürfte in der merovingischen Zeit das kleine Kloster gestanden haben. Die Kirche wurde im 10. u. 12. Jh. ausgebaut u. mit 3 Schiffen versehen. 1480 wurde ein gotisches Gewölbe mit Gewölbemalereien aus der Spätgotik erweitert. Einige Stufen tiefer befindet sich der Hihof in den sich das Museum der Vorgeschichte befindet. Ein vermutlich ehemaliges Bauernhaus mit einen eingewölbten Untergeschoss aus dem 15. Jahrhundert.

 Nach meinem Rundgang begebe ich mich gegen 17 Uhr zur Startunterlagenausgabe im Kultur-, Touristik- und Kongresszentrum Trifolion, das neben der Basilika direkt im Zentrum sich befindet. Zu meiner Überraschung ist im Startgeld auch noch ein Funktionsshirt enthalten. Nach der Pasta-Party begebe ich mich noch in ein Lokal und lasse den Abend mit einem Luxemburger Bier ausklingen.

 Heute am Sonntag ist Marathontag. Ich kann ausschlafen in Ruhe frühstücken und komme so gegen 9:00 Uhr im Zentrum an. Da der Start um 10 Uhr auf dem Marktplatz direkt neben dem Trifilion ist kann ich mich in Ruhe umschauen, umziehen und meinen Kleiderbeutel dort auch abgeben.

 Auf dem Place du Marché ist schon einiges los, denn auch die 10 Meilenläufer und Staffeln starten mit uns zur gleichen Zeit. Die Staffeln wechseln nach Km 8, 16 und 28,5. Im letzten Jahr sind hier ca. 600 LäuferInnen zugleich auf die Piste gegangen. Dank der Chipmessung gibt es kein Gedränge, denn jeder erhält seine netto gelaufene Zeit. Wir haben heute Morgen eine Temperatur von ca. 3 Grad plus und viele sind am frösteln.

 Achtung Startschuss und es geht los. Vom Start auf dem Marktplatz Echternach geht es über die Luxemburger Strasse zum Echternacher See. Kurz nach Km 1 erreichen wir die Stadtgrenze und finden einen Wegweiser zur nahe gelegenen Römervilla. Hierbei handelt es sich um eine der größten Zentraleuropas (118 x 62 m). Sie wurde 1975, bei den Aushubarbeiten für den künstlichen See entdeckt der gleich daneben beginnt. Vom 1. bis zum 5. Jahrhundert wurde in 5 Bauphasen die Anlage gegründet und bis heute noch nicht komplett freigelegt.

 Wir laufen linker Hand liegend vorbei. Kurz danach kommen wir an den See und umlaufen ihn der Länge nach. Mit dem Morgentau und dem leichten Nebel gibt er eine wunderbare Kulisse ab. In einer großen Schleife laufen wir über Rodenhof und erreichen bei ca. Km 6 die N10. Nun geht es auf der abgesperrten breiten Straße Richtung Steinheim. Hinter dem Ort steht ein großer Bogen mit lauter Musik und Ansagen. Kurz danach ist der 1. Wendepunkt und es geht wieder durch den Bogen und durch Steinheim auf der N10 in nördliche Richtung.

 Wir laufen an der windungsreichen Sauer, die als Sûre im Südosten von Belgien entspringt (Ardennenausläufer) und nach 173km in die Mosel endet. Auf etwa 50 Kilometer Länge ist die Sauer die deutsch-luxemburgische Grenze. Den Teil zwischen Bollendorf (N) und Steinheim (S) werden wir heute noch von beiden Seiten kennenlernen.

 Kurz vor der Stadt wechseln wir auf einen Radweg und kommen kurz hinter Km 15 an die alte Sauerbrücke. Auf dieser alten Steinbrücke befindet sich auch die Grenze zwischen Echternach (Luxemburg) und Echternachbrück (Deutschland). Nach dem Unterqueren der Brücke stehen zwei Ordner mit großen Schildern und trennen hier die 10 Meilenläufer und die Marathonis. Die 10 Meilenläufer biegen ab in die Innenstadt zum Ziel. Wir folgen der Sauer weiter und kommen nach ca. 1 Km an den Stadtpark mit Pavillon vorbei. Im Pavillon befindet sich ein kleines Museum über Architektur. Der Weg führt am Schulzentrum und der Sauerpromenade entlang Richtung N10.

 Wir belaufen die eigens für uns gesperrte N10 in nördliche Richtung. Hier komme ich ins Gespräch mit Erwin Hontheim von der LG Kammerwald. Erwin begleitet seine 27-jährige Vereinskameradin Miriam. Da er nur ca. 20 Kilometer nördlich an der Grenze Luxemburg/Deutschland herkommt ist er bestens mit der Gegend vertraut und auch schon letztes Jahr hier gelaufen. Bei der Unterhaltung erfahre ich das hier im Grenzgebiet außer deutsch und französisch auch noch eine altes luxemburger Platt gesprochen wird. Hier läuft auch Dietmar Mintgen zu uns auf. Es sagt: Nach „marathon4you“ auch in Luxemburg unterwegs. Er läuft in diesem Jahr seinen 36. Marathon und will noch die 40 vollmachen, aber heute läuft es nicht so gut da er erst gestern den Hachenburger Löwen Marathon in 4:36 gelaufen ist.

 Es geht durch Weilerbach einem kleinen Ort mit nur knapp 300 Einwohnern, immer an der Sauer entlang. Zwischen Laufenwehr und Bollendorf-Pont (LUX) befindet sich die Halbmarathonmatte. Es geht noch weiter auf luxemburgischer Seite und bei ca. Km 22,5 über die Grenzbrücke der Sauer nach Bollendorf (D).

 Die Gemeinde hat 1.700 Einwohner und besteht aus Bollendorf und Weilerbach. Bollendorf hat eine lange Geschichte. Als als “villa bollana“ ist der Ort schon 716 bekannt und ab 915 existiert Bollendorf unter seinem heutigen Namen. Als Sommerresidenz der Echternacher Äbte (Burg Bollendorf, Schloss Weilerbach) gibt es eine schon 1000 Jährige Verbindung.

 Hinter der Brücke erwartet uns ein kleines Volksfest mit einer Blaskapelle. Kurz danach haben wir den Ort auch schon verlassen aber nicht ohne den ersten nennenswerten Hügel zu überlaufen. Am Ende des Ortes befindet sich ein Hinweis auf eine Römervilla. Hier befinden sich die Reste einer aus dem 2. – 5. Jahrhundert stammenden römischen Landvilla. Das Hauptgebäude ist 27x23m groß und bestand zuerst aus einer Haupthalle. Später erfolgte noch der Anbau eines Badetraktes und eines langgestreckten Anbaues an der Nordseite. Dieser dreigliedrige Badetrakt umfasste im Norden den Heißbaderaum (caldarium), südlich anschließend das Laubad (tepidarium) und das Kaltbad (frigidarium) mit einer eingetieften Wanne, die Feuerstelle (praefurnium) lag in der Haupthalle.

 Gleich daneben liegt die Burg Bollendorf die direkt an unsere Laufstrecke grenzt. Sie ist auf römischen Fundamenten sowie auf mittelalterlichen Resten erbaut. 1619 diente sie den Echternacher Äbten als Sommerresidenz. Abt Peter Richardt ließ die Südwest-Ecke zum Wohnhaus umbauen. Aus dem Mittelalter sind noch die Ringmauer und Reste eines runden Turmes erhalten der auch von der Laufstrecke aus zu sehen ist. In den 70er Jahren wurde die Burg restauriert und dient heute als Hotel. Innenbesichtigungen sind nach Voranmeldung möglich, der Garten jedoch nicht.

 Bisher war es meistens flach aber auf dieser Seite geht es recht wellig zu. Wir durchlaufen ein herrliches und abwechslungsreiches Panorama am Ufer der Sauer von Bollendorf in Richtung Weilerbach. Es geht weiter an der Sauer entlang und wir erreichen vor Km 25 Weilerbach den zweiten Ortsteil von Bollendorf. Oberhalb des Ortes ist eine weitere Sommerresidenz der Echternacher Äbte, das Schloss Weilerbach. Leider ist nur ein kleiner Teil zu sehen, sofern man sich hinter dem Ort am Getränkestand bei Km25 umdreht.

 Die Benediktinerabtei Echternach ließ am nahe gelegenen Weilerbach von 1777-1779 eine umfangreiche Eisenhüttenanlage errichten. Von Emanuel Limpach dem letzten Abt der Abtei Echternach 1780 wurde ein Schlossgebäude als Verwaltungssitz der Hütte und Sommerresidenz des Abtes errichtet. Bis 1958 war die Hüttenanlage in Betrieb. Das in den 90er Jahren vollständig restaurierte Schloss ist zu großen Teilen vermietet. Der angrenzende Barockgarten hat eine Fläche von 127x75m und hat drei axial angeordnete Brunnenbecken. Das abschließende Gartenhaus sowie das oberhalb der Terrassen liegende Brunnenhaus tragen entscheidend dazu bei das diese Anlage im Umkreis zu den schönsten Gartenanlagen zählt.

 Es geht weiter an der Sauer entlang. Zwischen Bollendorf und Echternachbrück befindet sich oberhalb im Wald das Ferschweiler Plateau. Auf diesem Plateau, in den Wäldern stehen Menhire (Menhir-bretonisch ein aufgerichteter „mehr oder minder großer“ Monolith „Langer Stein“) In der Jungsteinzeit wurden hier der Druidenstein und das Fraubillenkreuz aufgestellt die damals kultischen Zwecken dienten und später als Grenzsteine weit sichtbar waren. Der Druidenstein ist ein kompakter Sandsteinquader von 2,90m Höhe. Auch eine gallo-römische Grabanlage aus der Zeit ca. 200 AD befindet sich hier im Wald. Für die Asche der Verstorbenen und die Beigaben wurden aus auf dem Boden liegenden Felsblöcken mehrere, meist rechteckige Vertiefungen herausgearbeitet. Als Grababdeckung dienten Giebel- und hausförmige Hüttengrabsteine. Verschiedene große Steine sind fast die gesamte Strecke am Straßenrand sichtbar sofern man darauf achtet.

 Auf der Höhe von Echternach durchlaufen wir Echternacherbrück (D) bei KM 30. Echternachbrück ist ein noch junger Ort der um 1800 entstanden ist durch überwiegend Echternacher Bürger die auf der anderen Seite der Stadt einen Wohnort gründeten. In der „Eiflia illustrata“ aus dem Jahre 1844 sind sämtliche Eifeldörfer beschrieben. Hierin steht: „Der Weiler Echternacher Brücke hängt durch eine über die Sauer führende Brücke mit dem Städtchen Echternach im Großherzogtum Luxemburg zusammen, wohin sich die Einwohner auch zur Kirche und Schule halten. Der Weiler ist erst seit einigen Jahren entstanden und hat, durch die nahe Grenze begünstigt, an Volkszahl sehr zugenommen. Vor dem Anschlusse Luxemburgs an den Zollverein war ein Grenz-Zollamt zu Echternacher Brücke. Noch jetzt ist eine Post-Expedition hier. Es wurden auch hier Schiffe gebaut.“

 Wir verlassen den Ort aber nicht über die alte historische Sauerbrücke (2km zum Ziel) sondern verbleiben noch ein Stück auf der deutschen Seite der Sauer. Wir folgen der B418 Richtung Minden. Jetzt kommt ein langes Stück Landstraße und die Meter werden immer länger. Jetzt macht sich meine zu schnelle erste Hälfte bemerkbar. Hier treffe ich auf Hans-Rainer Schuler und wir kommen ins Gespräch. Er läuft heute seinen 99. Marathon. Als langjähriger Angestellter der Wittlicher JVA hat er ein Projekt entwickelt in dem er 7 Insassen zum Marathon trainiert. Seinen ersten Erfolg hatte er schon am 17. Mai beim stattfindenden Darmstädter Knastmarathon. Er ist dabei dieses Projekt auszubauen um den Insassen wieder einen Halt und Erfolg im Leben zu geben. Viel Glück dabei Hans.

 Wir kommen nach Minden einem kleinen Ort mit nur ca. 150 Einwohnern, das zur Verbandsgemeinde Irrel gehört. Hier fließt die Prüm in die Sauer. Sehenswert im Ort ist die einschiffige romanische Dorfkirche „St. Martin“ mit Chorturm aus dem12. Jahrhundert die wir von der Laufstrecke aus sehen können. Durch verschiedene Umbauten sind noch der ursprünglich gemauerte Altarstipes mit gekehlter Deckplatte im Chor der ein Retabel aus dem 18. Jahrhundert trägt, sowie im ersten Joch von Osten auf der Südseite hat sich die Sohlbank eines gotischen Maßwerkfensters erhalten, darüber am Gewölbe Reste von Rankenmalerei, in der Nordwand das Fragment eines figürlichen Reliefbilds aus der Römerzeit und der von 1701 datierte dreiseitige umgearbeitete Kanzelkorb.

 Beim Km 33 überqueren wir über eine Fußgängerbrücke die Sauer und kommen nach Steinheim auf luxemburgischem Gebiet. Wir durchlaufen den Ort in südliche Richtung und kommen kurz hinter Km 35 wieder an den Bogen mit Musik und Ansagen aus unserer ersten Südschleife. Wie werden wieder herzlichst begrüßt und nun geht es weiter auf der N10 noch südlich, denn der 2. Wendepunkt liegt ca. 1km entfernt. Über eine Messmatte geht es jetzt an den Heimweg. Nochmal Getränke tanken am Bogen und kurz dahinter in Steinheim ist schon KM-Schild 37. Es geht weiter der N10 entlang direkt neben der Sauer. Wir laufen zwischen Schatten und Sonne Richtung Echternach. Die Km 38 und 39 ziehen sich endlos lang.

 Hier ist ein Läufer (Nr. 51 Holger Wolf) unterwegs der manchmal rückwärts und wechselnd seitwärts läuft. Hierzu fällt mir ein alter Brauch aus dem 15. Jahrhundert ein. Der iro-schottische Mönch namens Willibrord baute im 8. Jahrhundert eine kleine Kirche aus der dann später das Kloster entstanden ist. Nach seinem Tod kamen die Pilger in Strömen zu seinem Grabe um von dem Toten Heilung von verschiedenen Krankheiten zu erbitten. Ihm zu Ehren findet noch heute eine alljährliche Springprozession statt. Tausende von Springern in Fünferreihen, „tanzen“ zu den Klängen und Rhythmen von vielen Musikgruppen nach einer alten Polkaweise vom Innenhof der früheren Abtei durch die Stadt zur Echternacher Basilika zum Grabe des Heiligen. Ob er wohl für die Prozession 2010 übt, oder ob er überhaupt etwas davon weis?

 Ich will auch an die Nähe der Basilika denn daneben auf dem Marktplatz ist das Ziel, aber nach springen ist mir nicht zu mute. Bei Km 40 biegen wir wieder auf den Radweg ab und erreichen kurz danach die Stadtgrenze. Es geht unter der alten Römerbrücke (Grenzbrücke) durch. Jetzt dürfen auch wir Richtung Zentrum Innenstadt abbiegen. Hans und ich holen Sylvia eine Läuferin aus Belgien ein die wir schon länger vor uns gesehen haben.

 Wir laufen den Rest gemeinsam und erreichen den historischen Marktplatz (Place du Marché) und durchlaufen das Ziel in 1 Sekunde Abstand. Auch der 18. Marathon in diesem Jahr ist geschafft. Meine Beine sind wie Blei. Kurz hinter dem Ziel gibt es warmen Tee der bei den Temperaturen heute wirklich erlabend ist. Hier komme ich ins Gespräch mit einem der Verantwortlichen des Laufes. Er klagt über die wenigen Helfer für diese Veranstaltung. Die meisten ehrenamtlichen Helfer kommen aus Deutschland und es wird fraglich sein ob es noch weitere Veranstaltungen geben wird. Es wäre schade, denn es ist alles wirklich gut organisiert inkl. warmer Duschen.

 Fazit: Die durchgehend asphaltierte Strecke führt durch eine landschaftlich schöne Gegend entlang der deutsch luxemburgischen Grenze. Die Stadt Echternach und die benachbarte Luxemburgische Schweiz sind eine Ausflug allemal wert. Bei einem Preis von 40€ inkl. Pastaparty, Funktionshirt und Medaille ist der Preis wirklich ok. Ich wünsche dem Road Runners Echternach viele Helfer und viele neue Starter, denn außer der Stadt Luxemburg gibt es sonst keinen weiteren Marathon nur noch einen 50km Trail.

 Im Rahmen dieser Veranstaltung fanden auch die Luxemburger Marathonmeisterschaften 2009 statt. 342 MarathonläuferInnen kamen ins Ziel. Das sind 26 mehr als 2008 aber vielleicht nur wegen den Luxemburger Marathonmeisterschaften. Bei den 10 Meilen kamen 263 das sind 23 weniger wie in 2008. Gewonnen hat die 10 Meilen der 20-jährige Marokkaner Hicham Abidab in 53:52 Minuten.

Marathonsieger:

1. Charay, Abderrazzak (MAR)              TUS Eintracht Wiesbaden         2:27:30

2. Rojewski, Przemyslaw (POL)             Wakoz Luzino                           2:27:40

3. Azevedo, Jose (POR)                         CA Fola                                    2:36:34

 

1. Flammang, Daniele (LUX)                 Trispeed Mamer                        3:08:35

2. Reding-Perreur-Lloyd, Torielle (UK)   Contern                                    3:08:36

3. Parisis, Marie-Christine (BEL)            ACLO                                       3:17:48

 Luxemburger Meister 2009 wurden bei den Männern der 4. im Gesamteinlauf Georges Krier in 2:39:06 vom Grevenmacher Verein CAEG. In Grevenmacher direkt an der Mosel war früher der Zieleinlauf des „Route du Vin“ Halbmarathons. Meisterin bei den Frauen wurde die Gesamtsiegerin Daniele Flammang, in 3:08:35 vom Triathlon Club Mamer. Mamer ist eine Gemeinde im Südwesten des Landes bekannt durch seine römischen Thermen. Aus Mamer kommt auch der Tour de France Sieger von 1927 und 1928 Nicolas Frantz.