Leiden Marathon (Südholland) 2009

Leiden die Stadt der Entdeckungen

17. Mai 2009 von Bernd Neumann

 Nachdem der Start beim Marikenloop in Nijmegen von Angie und Inchen nicht geklappt hat, haben wir uns ganz kurzfristig entschlossen nach Leiden, zum Marathon und 10km Lauf zu fahren. Leiden ist uns schon bekannt, denn wir waren Anfang 2008 hier und ganz überwältigt von den vielen schönen Häusern und Gebäuden, den vielen Grachten die die Stadt durchziehen und den vielen kleinen interessanten Geschäften.

 Leiden (früher auch Leyden, lat. Lugdunum Batavorum) ist eine Stadt in der Provinz Südholland und hat knapp 120.000 Einwohner. Die Stadt begrüßt seine Besucher mit: „Herzlich willkommen in Leiden, der Stadt der Entdeckungen“. Hier haben Rembrandt und viele andere berühmte Maler das Licht der Welt erblickt. Leiden besitzt eine reiche Tradition auf den Gebieten Wissen, Wissenschaft und Kultur. Hier leben viele Wissenschaftler und Nobelpreisträger. Charles de l’Écluse (Cluusius) brachte hier vor 400 Jahren die erste holländische Tulpe zum Erblühen.

 Bei einem Spaziergang durch Leiden begegnen einem viele Gebäude aus der Vergangenheit, das Hauptgebäude der Universität, die Waag, die Burcht, die Patrizierhäuser an der Rapenburg, die Pieterskirche, die Hooglandse Kirche, sowie 35 Hoofjes.

 Nachdem wir gegen Mittag in Leiden angekommen waren machten wir einen ausführlichen Stadtspaziergang. Wir gingen über den Markt der hier jeden Samstag stattfindet, links und rechts der langen Gracht vom Beestenmarkt bis zum Havenplein und wirklich sehenswert ist. Durch schmale Gassen kamen wir an die Burcht, die ein künstlich aufgeworfener Fluchthügel aus dem 11. oder 12. Jahrhundert ist. Im 17. Jahrhundert wurde er befestigt und ummauert. Nach dem erklimmen der vielen Stufen hat man einen guten Überblick über die Innenstadt.

 Direkt zu Füßen der Burcht befindet sich die Hooglandse Kirche mit seiner spätgotischen Kreuzbasilika. Beim Betreten der Kirche waren wir überwältigt von der Größe. Die Kirche ist berühmt wegen der großen Fenster mit starken Lichteinfall und der besonderen Eleganz.

 Der weitere Weg führte uns direkt an De Waag vorbei. Über 300 Jahre wurden hier die verschiedensten Waren gewogen und gehandelt. 1972 endete hier der letzte Käsehandel. Das Gebäude gilt als Inbegriff des niederländischen Klassizismus.

 Die Niederländer sind das Land der Radfahrer und überall in der Stadt findet man Fahrräder mal einzeln mal in großen Gruppen. Auf dem Weg zum Startbüro (Pieterskerk) kommen wir am Rathaus von Leiden vorbei. Das Stadhuis Leiden (Rathaus) ist wohl das prägnanteste Gebäude der Stadt mit seiner Renaissance-Fassade an der Breestraat. Hier startet auch der Marathon am Sonntag.

 Die Pieterskerk wurde 1121 als gräfliche Kapelle erbaut und seit dem immer wieder umgebaut. Hier in der Kirche sollte die Anmeldung und Marathonmesse sein?! Beim Betreten der Kirche waren wir ganz überrascht, denn im großen Kirchenschiff fand wirklich die Marathonmesse, sowie die Anmeldung statt. Eine gute Symbiose zwischen Glauben und Laufen.

 Ich meldete für den Marathon und Angie für den 10km Lauf nach. Im Startgeld von 23 bzw., 13 Euro sind Versorgung und Medaille enthalten. Da gönnten wir uns noch für 15 € je ein Funktionshirt als Erinnerung.

 Anschließend fuhren wir nach Noordwijk aan Zee. Einen wunderschönen Badeort den ich schon seit 1970 kenne und immer wieder gerne besuche. Hier suchten wir uns ein Nachtquartier und verbrachten den Rest des Tages mit einem ausführlichen Spaziergang durch den Ort und am herrlich breiten und neuen Strand.

 Heute ist Sonntag und Marathontag. Es hatte die ganze Nacht geregnet, aber beim Verlassen von Noordwijk klarte es auf. Nachdem wir etwas umständlich das Parkhaus gefunden hatten gingen wir zum nahegelegenen van de Werftpark. Hier war die Kleiderabgabe und alles für die Notdurft. Anschließend gingen wir zum Start der ca. 400m entfernt war. Hier direkt am Stadthuis ging es los. Jetzt wenige Minuten vor dem Start um 10:30 Uhr nieselte es noch mal. Jetzt noch schnell ein Startfoto und los ging es.

 Trotz der ca. 2.500 Starter ging es zügig über die Startlinie. Die Zeit wurde mit einem elektronischen Chip in der Startnummer gemessen. Ich war nach 2:30 Minuten über die Startlinie.

 Mit nachlassendem Nieselregen ging es über den Lammenschansweg Richtung Süden aus der Stadt. Wir überquerten die Lamebrug und bogen auf den Vrouwenweg ein.

 Auf der gesamten Strecke musste man immer aufpassen, denn es gab sogenannte Drempels. Das sind Erhöhungen der Straße damit die Autos langsam fahren. Zum Laufen sehr unangenehm denn es ging immer wieder rauf und runter. Man musste immer auf die Füße sehen um nicht zu stolpern.

 Wir überquerten die Autobahn A4 und erreichten kurz vor Km 5 Zoeterwoude-Dorp. An vielen Häusern war die Nationalfahne gehisst. Hier im Ort war ein Erfrischungsstand (Sponspost) mit Schwämmen. Die Schwämme waren in Form eines Läufers. Eine sehr originelle Idee. Im Ort war dann Gänsehaut pur, denn hier war ein richtiges Stimmungsnest mit Life-Musik und vielen Menschen an der Straße.

 Gleich hinter dem Ort passieren wir das 5 Km Schild an dem auch eine Uhr über die Laufzeit war. Nun ging es durch eine flache Landschaft Richtung Autobahn. Auf der gesamten Strecke ging es immer wieder über einen Kanal, eine Gracht, über eine Straße oder unter verschiedenen Hauptstrassen durch. Im Laufe der 2 Runden kommen da einige Höhenmeter zusammen.

 Wir verlassen den südlichsten Punkt der Strecke und laufen Richtung Voorschoten. Kurz hinter Km 8 führt die Strecke auf ein neues Baugebiet zu. Hier entsteht eines neues Stadtviertel das Vlietlandwohngebiet. Nach dem überqueren der Vlietlandbrücke umrunden wir dieses Baugebiet zum Teil und erreichen am Ende des Voorschoterweges das 10km Schild.

 Es folgt eine lange gerade Strecke am Langs de Korte Vliet entlang. Auf diesem Kanal sind heute morgen Ruderer unterwegs. Auf dem Fahrrad wird ihnen per Flüstertüte Anweisung gegeben.

 Wir kommen wieder an den großen Kanal der das Stadtzentrum von Leiden umringt. An der nächsten Schwammstation sind Kinder damit beschäftigt die von den Läufern weggeworfenen Schwämme zu sammeln. Es geht an den Stadtrand und wir laufen auf eine große Windmühle zu. Die Flügel drehen sich im Wind und geben ein herrliches Bild ab. Hier muss ich mehrmals anhalten um diese schöne historische Mühle auf den Chip zu bannen.

 Es geht weiter durch ruhige Wohngebiete und wir kommen langsam Richtung Innenstadt. Bei Km 19 erwartet die Läufer eine Superstimmung. Gänsehaut pur durchlaufen wir einen glitzernden Tunnel mit vielen jubelnden Menschen. Jetzt noch ein Stück öde Hauptstrasse und wir biegen hinter Km 20 in die Altstadt ab.

 Wir durchlaufen das historische Altstadt Tor und direkt dahinter steht eine laut grölende Zuschauermasse. Jetzt geht es noch über eine sehr spitze Brücke über das Galgewater und dann am Kanal entlang über Pflaster das sehr uneben ist Richtung Ziel, bzw. Halbmarathonziel.

 Kurz vor dem Zieltor gibt es noch einige heftige Wellen und wir erreichen über den Aalmarkt den Vismarkt. Für die Halben ist jetzt Schluss, wir die Marathonis werden kurz vor dem Ziel umgeleitet wieder über eine Brücke und parallel vom Vismarkt nach 200m wieder über eine Brücke zur 2. Runde. Meine Durchlaufzeit liegt knapp unter 2:10 Stunden. Die vielen Pflasterpassagen merken meine Füße schon und auch die nur 2 Wochen Ruhe von Salzburg.

 Die 2. Runde beginnt wieder auf dem Lammenschansweg. Jetzt laufen wir aber nicht mehr auf der Teerstrasse sondern auf einer gepflasterten unebenen Strasse und unterqueren die große Kreuzung zick-zack. Nun beginnt die Einsamkeit des Langstreckenläufers auf der 2. Runde. Beim Blick nach hinten sehe ich keinen Marathoni mehr nur vor mit und weit vor mir sind welche zu sehen. Jetzt kommt auch noch starker Gegenwind auf.

 Hinter Km 25 kommen wir gleich in den Ort Zoeterwoude-Dorp zum 2. mal. Hier sind noch viele Menschen an der Straße und Life-Musik gibt es auch noch. Auf der anderen Seite einer Gracht sitzen viele Menschen vor dem Haus und jubeln den Läufern zu. Bei km 35 hat jemand Lautsprecher auf dem Balkon und beschallt die Strecke mit Rockmusik.

 Kurz nach dem Km 37 Schild kommt gleich noch mal die Stevensbrug, eine spitze hohe Kanalbrücke. Bei Km 38 kommen die 4:30 Pacemaker an mir vorbei. Hinter der nächsten Wohnstrasse sind eine ganze Reihe von Kindern aufgereiht um den jetzt ganz wenigen Läufern einen (Läufer)Schwamm zu reichen.

 Kurz vor Km 40 laufen wir wieder unter dem Silberglittervorhang durch. Auch jetzt sind noch viele der Anwohner und feiern sich selbst und die Läufer. Noch ein Kilometer und wir sind vor dem Stadttor. Mit viel Stimmung geht es in die Altstadt und ich bin kaum durchs Tor da kommen die ersten 10 Km-Läufer. Wie so oft bei Cityläufen vier Kenianer die noch mal Gas geben. Sie fliegen nur so über die spitze Brücke über das Galgewater und rennen dem Ziel entgegen. Ich fliege nicht sondern fotografiere noch um auch einen schönen Zieleinlauf zu haben.

 Auch der letzte Kilometer geht wieder über das holprige Pflaster. Noch einen Hügel und unter dem blauen Tor durch. Jetzt ist das Ziel vor mir. Jetzt noch ein Foto vor dem Ziel und locker durchlaufen.

 Das war mein 55. Marathon mit einer Nettozeit von 4:33:47 und gleichzeitig mein 7. Marathon seit 1. Februar. Das war für mich ein neuer persönlicher Rekord 7 in einem Jahr hatte ich noch nicht gelaufen. Ein paar Meter weiter gibt es noch die obligatorische Medaille. Die netten Damen sehen meinen Fotoapparat in der Hand und machen sofort ein Foto von mir. Jetzt gehe ich weiter zur Versorgung und trinke erst einmal ein Amstelbier. Es gibt aber auch noch Wasser und Iso. Ich warte dann noch auf Angie. Nachdem sie durchs Ziel ist gehen wir zum Auto und ziehen uns um. Kurz danach machen wir uns auf dem Heimweg.

 Zu Hause werte ich meinen Garmin Forerunner 305 aus und siehe die vielen Brücken und Unterführungen ergeben sich doch einige Höhenmeter.

Ergebnisse:

Marathon-SiegerIn

1. Männer         Simon Kipgnetich         02:14:07

1. Frauen          Aurimas Gudaitis          02:37:53

 

Bernd Neumann 4:33:47 - Marathon 244  Finisher -  Halbmarathon 2.152  Finisher -  10km Lauf  2.616  Finisher -  5km Lauf - 922  Finisher -  Kinderlauf - 473  Finisher - Gesamt 6.407 Finishe

 

Eine sehr gut organisierte Veranstaltung mit einem großen Teilnehmerfeld. Jedoch wie so oft sind die Halbmarathonis und 10km Läufer über 2/3 des Teilnehmerfeldes.