Rio de Janeiro Reise mit Marathon 2014

Der neue 4-fache Weltmeister grüßt den 5-fachen Weltmeister

 Als Günter letztes Jahr von Rio wiederkam haben wir so gescherzt, das wir nächstes Jahr dort zusammen laufen werden. Aus dem Scherz wurde ernst und so sind wir (Günter + Anita, Ivett + Hans, Bernd + Roswitha) für 3 Wochen nach Rio de Janeiro gereist. Es sollte eine Reise durch die 12 Mill. Einwohner Metropole mit sehr vielen Eindrücken werden. Für Günter, Ivett und mich gab es außerdem auch noch einen Marathon zu laufen.

 Der Traum ist wahr ich bin in Rio de Janeiro. Die traumhaften Strände der Copacabana liegen uns zu Füßen und vom Corcovado grüßt uns die Erlöserstatue. Wie ich bei google „Rio de Janeiro“ eingebe erhalte ich in 0,37 sec. 117 Millionen Infos. Rio die zweitgrößte Stadt von Brasilien hat als Metropole rund 12 Mill. Einwohner. Brasilien hat rund 200 Mill. Einwohner und ist flächen- und bevölkerungsmäßig fünftgrößter Staat der Erde. Er nimmt 47% der gesamten Fläche von Südamerika ein. Bezahlt wird mit dem brasilianischen Real (1€ rund 3 BRL). Was macht Rio so anziehend und faszinierend? Einmal ist es das Wetter, denn hier in der Nähe zum Äquator sind die durchschnittlichen Temperaturen zwischen 21 und 27 Grad das ganze Jahr. Zweitens ist es die Gastfreundschaft und die vielen außergewöhnlichen Sehenswürdigkeiten. Das werden und wollen wir uns ansehen und genießen.

 Rio hat sehr viele Sehenswürdigkeiten für die jedoch ein 3-wöchiger Urlaub nicht ausreicht. Wir haben unsere High-Lights selber gewählt. Wir wohnen in der Rua Senator Vergueiro im Stadtteil Flamengo unweit vom Flamengo Strand. Der Stadtteil wurde nach den Holländern den Flämischen benannt. 1599 wollte der holländische Seefahrer Oliver van Noort die Stadt überfallen. Flamengo befindet sich zwischen den Stadtteilen Catete und Botafogo.

 Spricht man von Sehenswürdigkeiten in Rio de Janeiro so gibt es rund 500 Attraktionen die es sich lohnt zu besichtigen. Bei 20 Tagen Urlaub hieße es, dass man täglich 25 Plätze besuchen müsste. Da uns das aber zu stressig wird hier einen Überblick über die wichtigsten Sehenswürdigkeiten von Rio: Copacabana, Zuckerhut, Christo Redentor, Ipanema, Corcovado, Nationalpark Tijuca, Estádio do Maracana, Teatro Municipal, Santa Teresa, Leblon, Arpoador, Escadioa Seláron, Pedra da Gávea, Botanischer Garten Rio de Janeiro, Sambódromo, Paquetá, Quinta da Boa Vista, Museu Nacional de Bales Artes, Parque Lage, Pálacio do Catete, Museu Histórico Nacional, Candelária-Kirche, Museu der Arte Moderna do Rio de Janeiro, Kathedrale von Rio de Janeiro, Fort Copacabana, Old Cathedral of Rio de Janeiro, Villegagnon Island, Museu Nacional da Universidale Federal do Rio de Janeiro, Guaratiba, Ilha do Governador, Passeio Público, Parque Aquático Maria Lenk, Praia do Abricó, Estádio Olimpico Joäo Havelange, Museu Imperial, Terra Encantada, Cagarras-Inseln, Recreio dos Bandeirantes, Museu Imagem e do Som de Säo Paulo, Museu, Areoespacial, Museu of Life, Caju Cementry und die vielen Straßen, Plätze und Märkte in allen Stadtteilen. Anmerkung, wir werden auch diese Orte, Plätze und Gebäude nicht schaffen. Was wir uns trotzdem alles angesehen haben, gleich geht´s los.

 

 Unser Flug ging mit Allitalia über Rom nach Rio. Vom Flughafen sind wir mit einem Linienbus in den Stadtteil Flamengo gefahren. Schon auf dem Hinweg hat uns die Christus Statue auf dem Corcovado begrüßt. Dann heißt es frisch machen und frühstücken. In Brasilen frühstückt man nicht wie wir in Deutschland, sondern man geht in eine Bar. Hier trinkt man Kaffee und isst dazu Pasteten. Die Füllungen für die kleinen Pasteten (Empadinha oder Empada) können Hühnchen, Gemüse, Käse aber auch Fisch oder Meeresfrüchte sein. Sehr lecker und auch sättigend.

 Gut das Günter noch einige Reals hatte vom letzten Jahr. 3 Real sind ungefähr 1€. 1 Real sind 100 Centavos. Der Real wurde 1654 von den Holländern als Zahlungsmittel in Brasilien eingeführt. Wir sind dann über den Platz Jose-de-Alencar (brasilianischer Schriftsteller) zum Largo do Marchado (Marktplatz) gegangen.

 Am Nachmittag sind wir in die Innenstadt mit der U-Bahn 6 Stationen nach Uruguaiana gefahren. In einer Wechselstube haben wir € in Rias getauscht. Anschließend ging es noch über den großen Markt.

 SAARA ist der Markt im Centrum von Rio. Heute verkaufen hier 600 Händler ihre Waren. Es ist auch der Tummelplatz für die Touristen um Schnäppchen zu jagen. Es darf auch gehandelt werden, aber längst nicht so wie in China oder Marokko. 1962 wurde er von einer Gruppe von Kaufleuten gegründet und ist ein Muss für jeden Touristen. Geöffnet ist hier in der Regel von 9-18 Uhr, Samstags 4 Stunden kürzer.

 Am Abend sind wir dann am Flamengo Strand entlang mit Blick zum Zuckerhut, der natürlich auch noch auf unserem Besichtigungsprogramm steht. Das Wetter ist herrlich nicht zu heiß und Sonne pur. Im Wasser haben wir sogar große Meeresschildkröten gesehen.

 Am Flamengo Strand haben wir dann Badegäste gesehen. Die Brasilianerinnen tragen ihren Hüft- und Bauchspeck zur Schau. Selbst bei diesen Figuren haben sie Bikinis mit String-Tangas an.

 Direkt an den Sandstrand grenzt der Parque do Flamengo an. Hier konnten wir Papageien in der Freiheit sehen und hören. An die Palmen werden Orchideen angepflockt und erstrahlen in einer Pracht.

 Am nächsten Tag ging es per U-Bahn zur Copacabana. An der Decke ziehen sich sehr schöne Höhlenmalereien entlang zum Ausgang.

 Dann stehen wir vor dem Traumstrand der Copacabana. Der 4km lange Sandstrand wurde 1960 mit einem unverkennbaren Pflaster in Wellenform gestaltet. Über den Sand laufen zig Händler den ganzen Tag und bieten den Touristen Sonnenmilch, Handtücher, Maté oder Kokoswasser an. Durch seinen weißen Sand und sauberen Strand hat dieser Abschnitt Weltruhm erlangt. Er wird auch in Verbindung mit dem in Brasilien übertriebenen Körperkult gebracht. Überall am Strand stehen Geräte wo man seine Muskeln stählen kann.

 Vorsicht ist jedoch beim Baden geboten, denn es gibt hier starke Strömungen und Brandungen. Von 1930 bis 1950 waren hier die goldenen Zeiten was man noch in einigen alten Gebäuden erkennen kann. Heute tummelt sich hier der normale Bürger von Rio. Am Wochenende ist dieser Strandabschnitt total überlaufen.

 Am Strand sind eifrige Cariocas dabei und bauen Sandburgen. Wer das fotografieren will muss zahlen. Auch der legendäre VW-Bus ist hier überall auf den Straßen zu sehen.

 Zum Mittagessen sind wir in ein Kilo-Restaurant gegangen. Hier gibt es ein riesiges Angebot an Fleisch, Gemüse, Beilagen und Süßem. Man nimmt sich einen Teller, füllt auf was man essen will und geht dann zur Waage. 100g kosten so zwischen 2,79 und 3,49 Rias. Vor dem Verlassen des Lokals zahlt man.

 Am Abend sind wir zu Fuß nach Catete. Hier steht der Palácio do Catete, der ehemalige Regierungspalast Brasiliens. Das Gebäude wurde von Gustav Wähnelt für den Kaffeebaron Antonio Celemnte Pinto erbaut. Ab 1896 wurde es als Präsidentensitz genutzt. Hier regierte auch Getúlio Vargas von 1930 bis 1945 und von 1950 bis 1954. Am 24. August 1954 erschoss er sich hier. Das Zimmer kann noch besichtigt werden. Das Gebäude wird aber seit 1960 als Museu da Replica genutzt. Hinter dem Gebäude gibt es einen wunderschönen großen Park der bis an den Flamengo Park reicht. Früher war das der Park des Präsidenten, der auch heute noch mit großen Gittern eingezäunt ist. Bei Einbruch der Dunkelheit wird der Park geschlossen. Dunkel wird es hier im Juli schon so gegen 18 Uhr.

 Noch ein paar Worte zum Straßenverkehr und dem Umgang mit den Fußgängern. Es gibt zwar überall Zebrastreifen und auch Fußgängerampeln. Ich rate jedoch zur Vorsicht, immer genau nach links und rechts sehen bevor man die Fahrbahn betritt, denn es halten nicht immer alle Autos. Auch die Fußgänger gehen nicht nur bei Grün. Wenn es passt wird überall im Laufschritt die Straße überquert egal ob rot oder grün. Wenn die Autos stehen wird auch kreuz und quer zwischen den Autos die Straße überquert. Mit Vorsicht und Umsicht passiert aber nichts, denn die Autofahrer hupen auch um auf sich aufmerksam zu machen.

 Wir sind zu Fuß zur Escadaria Selarón, der wohl berühmtesten Treppe in Rio. Der Chilene Jorge Selarón floh aus seinem Heimatland und reiste während seiner Exilzeit in über 50 Länder der Erde bevor er sich in Rio de Janeiro niederlies. Die Treppe ist auch die Verbindung von Lapa hinauf ins Künstlerviertel Santa Teresa.

 Die 250 Stufen sind geschmückt mit Fliesen, Keramik und Kacheln mit Motiven aus der ganzen Welt. In den 1990er Jahren kam ihm die Idee diese Treppe in ein lebendiges Kunstwerk zu verwandeln. Über 2.000 verschiedene Kacheln hat er meist aus Spendengeldern verarbeitet. Viele Touristen brachten ihm auch Kacheln aus ihrer Heimat mit, die er dann verbaute.

 Günter hat bei einem seiner früheren Besuche den Künstler noch persönlich kennen gelernt. Im Januar 2013 wurde er tot auf seiner Treppe gefunden. Ob Mord oder Selbstmord wurde nicht geklärt.

 Bei der Vielfalt der verschiedenen Fliesen und ihren Anordnungen könnte man stundenlang knipsen und kein Motiv bzw. Kachel würde sich wiederholen. Nur ein Motiv fällt auf das sich auf der gesamten Treppe 365 mal wiederfindet. Es ist die schwarze schwangere Frau. Diese Frau hat er mal mit und mal ohne Gesicht dargestellt. Er malt dies aus seinem Gedächtnis, denn es handelt sich hierbei um seine schwangere Frau die er während seiner Flucht aus Chile zurücklassen musste. Er hat sie und seinen Sohn nie gesehen, denn auch sie leben nicht mehr.

 Wir verlassen die Treppe nach oben an der brasilianischen Flagge vorbei. Jetzt geht es steil über Kopfsteinpflaster nach oben in den Stadtteil Santa Teresa. Von hier oben hat man ein ganz typisches Bild von der Stadt: Hochhäuser, Berge und dazwischen überall Favelas.

 Der Stadtteil liegt malerisch auf einem Hügel und ist bei den Touristen sehr beliebt. Hier oben gibt es enge Gassen zahlreiche Kurven und viele Künstler. Mitte des 18. Jh. begann dieser Hügel an zu leben durch die Bebauung. Die prachtvollen Herrenhäuser entstanden jedoch rund 200 Jahre später und zeigen, dass Santa Teresa ein gehobener Wohnplatz war. Auch viele Deutsche zog es hier her. Wie wir so durch die Straßen gehen und uns in deutsch unterhalten spricht uns ein älterer Mann an. Er ist aus Süddeutschland und in den 50er Jahren hierher gekommen und geblieben. Günter und ich unterhalten uns ein wenig mit ihm, dann geht er wieder in die Bar und wir weiter. Heute ist der Stadtteil ein Künstlerplatz was man auch in vielen Geschäften sehen kann.

 Bei unserem weiteren Gang durch die Straßen stoßen wir auf Straßenbahnschienen. Die sogenannte „Bonde“ gibt es schon seit 1877. Während anfänglich noch Pferde die Waggons zogen wurde sie schon Ende des 19. Jh. elektrifiziert. 1890 wurden die Linien erweitert und die Straßenbahn fuhr sogar über das Aquädukt Carioca. Aufgrund eines schweren Unfalls mit 6 Toten wurde der Betrieb 2011 eingestellt. Man hat jedoch das Bestreben die Bahn wieder in Betrieb zu nehmen und so sehen wir auch an vielen Stellen das neue Gleise verlegt werden. Ende Mai sollte sie schon in Betrieb sein zur Fußball WM, aber bei den Brasilianern gehen die Uhren anders. Vielleicht schaffen sie es ja zu den Olympischen Spielen in 2016.

Günter führt uns immer weiter hoch auf den Berg wo wir durch eine Gasse die Favela Pereira da Silva erreichen. Nun hat man ja schon die schlimmsten Dinge über die totgefährlichen Favelas in Rio gehört. Überall nur Drogen und Kriminalität und für jeden Touristen der sichere Tod. Günter was machst du mit uns?

 

 Aber hier in dieser Favela laufen die Uhren anders. Sie wurde mit einigen sozialen Projekten entkriminalisiert. Vielleicht liegt es auch daran das hier die Elitetruppe Bope sein Trainingslager hat. Vielleicht ist sie auch nur zu klein und sie hat man glaubt es kaum ein Hostel. Hier mitten in der Favela? Wir gehen gemeinsam über die schmalen Pade und Wege abwärts. Dann an einem halb verfallenen Gebäude sagt Günter, das hier war die Pousada Favelinha. Hier haben wir zwei Wochen gelebt zwischen Backpackern aus der ganzen Welt. Sie hat, besser gesagt hatte, fünf Zimmer und einen großen Gemeinschaftsraum. Man muss halt nur jeden Tag den halben Berg hoch mit seinem Gepäck oder Einkauf. Es ist, nein es war wohl eines der letzten Abenteuer in Rio nahe dem Centrum. Für uns ist es ungefährlich, obwohl es hier schon so manche seltsame Gestalt, aus unserer Sicht gibt. Günter führt uns ganz zielsicher durch die vielen Wege und Pfade durch die Favela runter in die Stadt. Traumhaft ist so auf der Hälfte der Blick runter zum Zuckerhut und der Stadt.

 Dann geht es zurück nach Flamengo zum Einkaufen für unser Abendbrot. Christo oben vom Cocovado blickt auf uns, egal wo wir sind. Man könnte ja auch sagen sein Schutz für uns ist überall gegenwärtig.

 Gegenüber unserem Zimmerfenster werden wir von Poldi begrüßt. Er ist auch 14 Tage nach dem Gewinn der Weltmeisterschaft noch in allen Herzen der Brasilianer. Der Kölsche Jung hat die Brasilianer verzückt so dass es sogar Fotos von ihm mit grün-gelber Präsidentenscherbe gibt.

 Für den heutigen Tag steht der Strand von Ipanema auf unserem Programm. Er gehört auch zum Stadtviertel Ipanema das zum teuersten und elitärsten Pflaster der Stadt gehört. Der Name ist abgeleitet vom indianischen Wortstamm „Gefährliches Wasser“. Das kann man wörtlich nehmen, denn die ablandige Strömung ist in den Brandungszonen nicht zu erkennen. Den Namen verbinden auch viele mit dem Lied Garota de Ipanema (Das Girl von Ipanema) von Antonio Carlos Jobim. Das Pflaster an der Strandpromenade hat ein anderes Muster wie bei der Copacabana. Schon eine Querstraße hinter der Strandpromenade gibt es jede Menge von Edelboutiquen und Luxus-Bars. Ein sehr schöner und großer Einkaufstempel ist die Galerie Forum Ipanema.

 Der wunderschöne Sandstrand geht im Norden in den Leblon Strand über und im Süden vom Felsvorsprung Arpoador („Harpunier“) und einem militärisch genutzten Fort. Auf dem Felsvorsprung wimmelt es am Abend nur so von Menschen beim Sonnenuntergang.

 Am Abend waren wir wieder auf dem Plaza do Marchado wo ich unbedingt in die Igreja Matriz de Nossa Senhora da Glória Kirche musste am oberen Ende des Platzes.

 Ja nun ist es fast soweit, Marathon in Rio an den Traumstränden entlang. Aber heute ist erst die Startnummernausgabe. Dazu geht es mit der U-Bahn nach Carioca zum Sul América Convention Centre. Wir müssen an den Stand für die internationalen Athleten. Dort füllen wir ein Formular aus und erhalten einen schönen Beutel mit Funktions-Shirt, Mütze und unserer Startnummer mit Extra-Chip. Dieser Chip wird geprüft und nebenan auf einem Bildschirm kann man seinen Namen mit Startnummer und Alter lesen. Alles ok. Start-Nr. 1026 Ivette, Nr. 1027 Günter, Nr. 1138 Bernd Neumann.

Für uns heißt es jetzt noch weiter über die kleine Messe, die wie überall in Übersee zu ¾ für Frauen ausgerichtet ist. Günter und ich erstehen aber noch ein schönes Shirt vom Rio-Marathon. Dann folgt noch eine ganze Fotoserie vor der großen Wand mit der Landkarte.

Im Programmheft ist die Laufstrecke mit vielen Infos über die Veranstaltung und die Spitzenläufer, leider nur in Portugiesisch. Auch in Rio gibt es Mülltrennung wie die bunte Mülleimersammlung belegt.

Die kahle Betonarena ist das weltberühmte Sambódromo da Marquês de Sapucaí. Auf der 700m langen Arena wird 4 Nächte lang von den Sambaschulen eine 90-minütige Show präsentiert. Bei den Paraden treten bis zu 6.000 Tänzer und Trommler auf und lassen sich von den 88.500 Zuschauern feiern. Der weltberühmte Karneval wird im ganzen Land life übertragen. Heute sind es nur Betontribünen, aber die Bilder von den Feiern sind der absolute Wahnsinn.

Nur ein Stück weiter kommen wir an einen kleinen Park vorbei mit vielen freundlichen Tierchen.

Günter will unbedingt den großen Fifa-Pokal aus Schokolade und so geht es nochmal in die Altstadt. Ja, er hat ihn und muss ihn auch gleich präsentieren.

Anschließend führt uns Günter in die Rue Luis de Camöes. Hier stehen wir vor einem neomanuelino Bau mit der portugiesischen und brasilianischen Flagge. In diesem Gebäude befindet sich die Real Gabinete Português de Leitura, eine prächtige alte Bibliothek die von portugiesischen Einwanderern gegründet wurde. Die Ende des 19. Jh. erbaute Bibliothek ist innen eine wahre Pracht mit ihren mehrstöckigem Leseraum. Unter den rund 350.000 Bänden gibt es auch seltene Werke aus dem In- und Ausland. Jedes Jahr kommen direkt aus Portugal 6.000 neue Bände. Allein die Innenausstattung ist ein Augenschmaus und das alles ohne Eintritt.

Nur unweit dieses tollen Gebäudes kommen wir zu einem ganz besonderen Cafehaus. Das Confeitaria Colombo wurde im Jugendstil erbaut und strahlt eine ganz besondere Atmosphäre aus. Wir würden uns gern dort drinnen mit was Süßem stärken aber es gibt Schlangen bis auf die Straße. Also weiter.

Der Samstag wurde ein ruhiger Tag, denn morgen gilt es, das ist der Marathontag.

 

Rio de Janeiro Marathon – Maratona Caixa da Cidade do Rio RJ 2014 – Sonntag 27. Juli 2014

 Der Rio Marathon ist immer Ende Juni bis Mitte Juli. Dieses Jahr ist der Termin jedoch nicht möglich, denn da ist die Fußball Weltmeisterschaft. Also wurde es spannend bis der Termin bekannt wurde. Dann war es soweit, dieses Jahr wird der Marathon 2 Wochen nach Ende der Fußball-WM sein.

 Günter und seine Tochter Ivette sind hier schon letztes Jahr gelaufen und kennen sich aus. Günter als Weltenbummler war schon des Öfteren in Rio und so hat er mit Yvette die Starts für uns drei Läufer klar gemacht. Marathon laufen in einer der schönsten und interessantesten Städte der Welt das gefällt mir und außerdem ist es mein 1. Besuch in Südamerika.

 Heute heißt es früh aufstehen, denn die Busse zum Start fahren schon um 5 Uhr ab. Im 5 Minuten Takt bis 5:40 Uhr geht es nach Recreio. Da das Ziel nicht sehr weit von unserem Quartier in Flamenco ist haben wir nur einen kurzen Fußweg. Aus allen Seitenstraßen kommen die Läufer zu den Bussen. Dann geht es durch die Dunkelheit raus immer am Meer entlang zum Startpunkt der Marathonis. Wem die Marathonstrecke zu lang ist, der hat die Möglichkeit einen Halbmarathon oder den 6km Lauf zu laufen.

 Die heutige Laufstrecke führt uns 42km fast immer am Meer mit den wunderschönen Stränden zu der einen Seite und den Bergen auf der anderen Seite entlang. Die Wettervorhersage sagt uns Temperaturen um die 22 Grad und Regen am Vormittag voraus. Schau‘n mer mal.

 Wie wir am Startplatz ankommen ist es noch dunkel und es fällt Nieselregen. Wir machen uns langsam fertig. Dann kommt der Startschuss um 7 Uhr für die Frauen-Elite. So rund 20 schnelle Frauen machen sich auf den Weg bei stärker werdendem Regen.

 Für uns heißt es jetzt auch langsam fertig machen. Jacke ausziehen, letzter Toilettengang und noch ein paar Fotos machen.

 Dann füllt sich nach und nach die Startbox. Vorne stehen die Elite-Männer und dahinter reiht sich der Rest des Feldes rund 3.300 Marathonis ein. Um 7:30 Uhr wird unser Start erfolgen. Wie schreibt Günter in seinem Bericht vom letzten Jahr: Das Wetter ist ja allgemein von großem Interesse bei Marathonläufen. Und ich glaube, so mancher Deutscher wäre schon in Rio gelaufen, hätte er nicht Angst vor zu hohen Temperaturen. Aber man sollte nicht vergessen, auf der südlichen Halbkugel ist im Juli Winter.

 Heute gab es aber keine Sonne und auch keine Hitze, aber dafür viel Regen und Wind. Nun fahre ich extra nach Rio um das traumhafte Wetter zu genießen, aber das hat wohl Günter im letzten Jahr alles verbraucht für das Marathon-Wochenende.

Es wird jetzt sehr eng im Startblock und um 7:30 Uhr geht es jetzt auch für uns los durch den Regen.

 Wir starten entgegen von Rio und laufen eine 3km Schleife um wieder am Starttor vorbei zu kommen. Ich bin fleißig am Fotografieren und so sind Günter und Yvette nach vorne weg. Auf dem nächsten Kilometer laufen wir zwischen Strand und Receiro gen Westen. In Receiro ca. 15km vorm Stadtrand von Rio wohnt die Oberschicht.

 Der Regen ist richtig stark geworden. An der ersten Wasserstation bei ca. 6km gibt es Mineralwasser in Bechern, wie bei uns den Joghurt. In großen Holzkisten liegen jede Menge Becher im Eiswasser. Becher aufreißen trinken und weiter.

 Wir laufen auf der Küstenstraße gen Rio. Rechts am Strand gibt es viele Stände wo man normalerweise bei Sonnenschein Essen und Trinken kann, aber heute sind die Hütten alle leer. An einem Holzhaus ist jedoch echt Stimmung mit Musik und vielen tanzenden Menschen, die sind jedoch nicht wegen uns hier sondern haben wohl die ganze Nacht durchgefeiert.