Rio de Janeiro Reise mit Marathon 2014

Der neue 4-fache Weltmeister grüßt den 5-fachen Weltmeister

 Unsere Reise geht weiter durch die Stadt Rio de Janeiro. Eine Stadt von der Fläche wie das Weserbergland oder Rothaargebirge oder dem Frankenwald bzw. so groß wie Hamburg und Köln oder auch Berlin und München jeweils zusammen hat Sehenswürdigkeiten für die man wohl einen Monat Minimum benötigt um auch nur die wichtigsten gesehen zu haben. So machen wir uns weiter auf die Stadt zu erkunden. Heute führt uns der Weg per Bus ins südliche Stadtviertel Jardim Botânico, zum Botanischen Garten.

 Auf einer Fläche von rund 140 ha werden rund 40.000 Pflanzen, die sich auf 6.500 Pflanzenarten verteilen gezeigt, von denen einige sogar vom Aussterben bedroht sind.

 Der Park ist auch eine ruhige Oase im Lärm der Großstadt und so zieht es auch viele Menschen hier her. Gleich hinter dem Eingang ist eine Karte die einem auch die Größe des Parks wiederspiegelt. Es gibt viel zu sehen, also los. Der erste Weg führt uns über die Palmenallee zum Brunnen. Die 128 Palmen die die Allee säumen sind noch zum Teil von der Entstehung des Gartens aus dem Anfang des 19. Jahrhunderts.

 Der botanische Garten wurde auf Veranlassung des Prinzregenten Johann VI. im Jahre 1808 gegründet. Zu diesem Zeitpunkt ist der portugiesische Hof vor Napoleon nach Rio de Janeiro geflüchtet. Die Stadt war damals schon die Hauptstadt von Brasilien und Hauptsitz des portugiesischen Reiches. Der Prinzregent Dom João wollte hier einen Garten schaffen, um Pflanzen wie Muskatnuss, Zimt und schwarzen Pfeffer zu akklimatisieren die bisher von Indien über den beschwerlichen Seeweg heran geschafft wurden. Dieser botanische Garten zählt heute zu den 10 wichtigsten botanischen Gärten der Welt. Er wurde von der Unesco zum Biosphärenreservat erklärt.

 Von vielen Stellen im Park hat man immer wieder den Blick hoch zum Corcovado, zur Christusstatue.

 Fast einen halben Hektar groß ist die Kakteensammlung mit rund 400 Arten. Sie zählt zu den größten Kakteensammlungen Brasiliens. In einem 2004 erbauten Treibhaus kann man auch fleischfressende Pflanzen bestaunen. Eine besondere Attraktion ist der große See mit seinen Riesenwasserpflanzen. Hier ist auch die größte Seerose des Amazonas (Vitória Regia) im See zu bewundern.

 Vor der ehemaligen Schießpulverfabrik sind noch die Original-Malsteine zu sehen. Die Mühle (Casa dos Pilões) selbst ist zwischenzeitlich komplett restauriert worden. Im Gebäude sind viele der ehemaligen alten Mauern erkennbar.

 In einem großen Orchideenhaus werden ca. 3.000 Exemplare gezeigt. Von diesen 600 Arten wurde viele hier selbst gezogen die ihren Ursprung nicht nur in Brasilien sondern auch exotische Hybrid-Arten sind.

 Unter den ca. 40.000 verschiedenen Pflanzen befinden sich ca. 10.000 Bromelien aus Gebieten des Amazonas sowie aus dem Regenwald und verschiedenen Stellen des Buschlandes von Südamerika.

 Nach diesem herrlichen Tag mit viel Ruhe hieß es gegen Abend wieder Einkaufen fürs Abendbrot in einen der vielen Supermärkte.

 Unser Quartier liegt im Stadtteil Flamengo, in der Nähe des Strandes. Die großen Wohnblocks sind hier alle mit großen Gittern gesichert und in den meisten sind auch noch zusätzlich Security. In einem Reisebericht habe ich gelesen, dass hier in Rio bewaffnete Raubüberfälle an der Tagesordnung sind. Meist werden die Überfälle von 12 – 16 jährigen Jungen begangen. Wir sind während unserer gesamten Reise nicht ein einziges Mal in eine solche Situation gekommen.

 Neuer Tag, neuer Ausflug. Heute führt uns Günter auf die Insel Paquetá. Die Insel die auch ein Stadtteil von Rio ist liegt in der Guanabara Bucht. Auch diese Insel ist für viele die Flucht aus der Großstadt in die Ruhe. Sie wird auch „Die Insel der Verliebten“ oder auch „Insel der Muscheln“ genannt. Nur per Schiff in einer 1-stündigen Fahrt ist die Insel zu erreichen.

 Für uns heißt es mit der U-Bahn in die Nähe des Hafens fahren und dann auf eines der Schiffe zu warten die uns durch die Bucht fahren, rüber in eine andere, eine alte Welt. Eine Welt in der nur Pferdegespannen und Fahrräder auf den Sandwegen verkehren, denn die Insel ist autofrei.

 Unsere Fahrt führt an der Ilha Fiscal, einem Gebäude mit ihren neugotischen Türmchen vorbei. Kurz dahinter liegt der Hafen der brasilianischen Marine. Auf dem Wasser entdecken wir sogar ein U-Boot.

 Vom Schiff aus sieht man die Silhouette der Stadt. Links der Zuckerhut und rechts daneben die vielen Hochhäuser der Stadt. Hier auf dem Wasser ist der Lärm der Großstadt weg und es wird ruhig bis auf die Schiffsdiesel und das Lachen von einer Gruppe junger Frauen.

 Es geht übers Wasser der Guanabara Bucht in Richtung der Rio-Niteroi Brücke. Die 13,3km lange Brücke verbindet Rio mit dem anderen Teil der Bucht der Stadt Niteroi. Von der gesamten Länge verlaufen rund 9km über dem Wasser die an der höchsten Stelle 72m über dem Wasserspiegel verläuft. Sie wird täglich von rund 145.000 Fahrzeugen mit rund 400.000 Personen genutzt. Die 1968 erbaute Brücke wurde baufällig und wurde dann an eine Sanierungsfirma verkauft. Die Brückengesellschaft CCR Ponte S.A. hat sie saniert und darf deshalb bis Ende 2014 Maut für die Überquerung nehmen. Wir fahren unter der Mitte durch und man kann die Enden der Brücke kaum erkennen so lang ist sie.

 Hinter der Brücke warten hunderte von Schiffen um gelöscht zu werden. Der Hafen von Rio hat eine große Bedeutung gerade im Bereiche der Öl-Industrie. Dazwischen sind immer noch kleine Fischerboote unterwegs die jedoch seit Jahren klagen das es immer weniger Fische gibt wegen der Umweltverschmutzung der großen Öldampfer.

 Dann kommen wir in den kleinen Hafen von Paquetá und sind in einer anderen Welt. Am Hafen warten viele Pferdedroschken auf Kunden. Früher war es die Insel fürs Wochenende, wo sich viele wohlhabende Rio-Unternehmer ihr Wochenend-Domizil gebaut haben. Heute klagt man, dass es von ehemals 31 Droschken nur noch 19 gibt und es werden immer weniger, da immer weniger Touristen auf die Insel kommen.

 Vom Hafen aus gehen wir quer über die Insel zum Sandstrand. Hier stehen die berühmten Schwäne die die Touristen durch die Buchten führen. Heute sind sie noch alle im Winterquartier. Auf den Sand- und Lehmwegen sind nur ab und zu Pferdedroschken oder Fahrräder unterwegs. Es ist absolut ruhig hier. Es scheint als gehen die Uhren hier anders. Da fällt mir ein Spruch ein der ideal hierzu passt: Die Deutschen haben die Uhren, die Brasilianer die Zeit.

 Ganz im Norden der Insel machen wir halt an einer wunderschönen Bucht mit einem sagenhaften Fernblick übers Wasser zum Gebirge hin. Hier rauscht nur das Meer und man kommt so richtig zum Träumen. Die Berge hinter der Bucht geben eine wunderschöne Silhouette ab.

 Entdeckt wurde die Insel vom Kosmographen André Thevet während einer französischen Expedition 1555 noch bevor Rio gegründet wurde. In der Tupi-Sprache heißt Paquetá „Viele Muscheln“. Thevet konnte für Frankreich die Territorialansprüche jedoch nicht gegen die Tamoio-Indios durchsetzen und so fiel die Insel in portugiesischen Besitz.

 Heute fühlen sich die Bewohner von Rio verlassen und haben selbst eine Organisation zur Förderung des Tourismus gegründet um die Insel mehr zu beleben. Viele Bewohner greifen zur Selbstinitiative und bieten in kleinen Geschäften bzw. auf Verkaufsständen Produkte der Insel an. Wir konnten dies selbst testen indem wir von einem jungen Mann Zuckerrohrsaft und gebackene Pastetchen gekauft haben.

 Auf unserer Runde kamen wir kurz vorm Hafen an einer Kirche vorbei. Ende des 17. Jahrhunderts wurde die Capela Sao Roque errichtet. Die erste Pfarrei Igreja Senhor Born Jesus do Monte wurde jedoch erst 1810 eingeweiht. Anschließend ging es zur Uferpromenade wo ein Droschkenfahrer sein Pferd am Straßenrand neu beschlug. Nun hieß es warten auf das Schiff und die 15km zurück nach Rio.

 Auf dem Schiff hat Roswitha mit dem Kapitän Kontakt aufgenommen und wir sind mit ihm auf der Brücke ein ganzes Stück gefahren. Neben einer netten Unterhaltung gab es super süßen Kaffee für seine Gäste aus Deutschland. Danke.

 Da unser nächster Tag ein Erholungstag wird schlendern wir ganz gemütlich am Morgen über den Markt hier in Flamengo. Am Praca Nicaragua gibt es einen Obst und Gemüsemarkt mit Früchten die wir in dieser Art in Deutschland nicht kennen. Roswitha muss dann auch mal probieren und ist ganz begeistert von den fremden Früchten.

 Dann geht es weiter per Bus zum Stadtteil Leblon der nach einem französischen Siedler und Fischhändler (Le Blond) benannt wurde.

 Im 19. Jh. endete die Stadt hinter Ipanema. Das schwer zugängliche Land hat der portugiesische Kaufmann José de Seixas Magalhaes vom Franzosen Charles Le Blond erworben und dort eine Siedlung für flüchtige Sklaven aufgebaut. Er züchtete dort Kamelien die er nach Aufhebung der Sklaverei an den königlichen Hof brachte.

 Leblon ist ein Stadtteil wo viele Reiche und mächtige wohnen. Wo früher die Kugeln nur so flogen ist heute ein beliebter Stadtteil entstanden. Viele Edelboutiquen und schicke Läden und exklusive Restaurants findet man heute in den Straßen hinter dem Strand. Ein Strand der mit zig LKW Sandladungen entstanden ist. Tagsüber findet man hier wenig Touristen und Einheimische am Strand. Er ist damit auch ideal für uns um ein paar ruhige Stunden zu finden. Während Roswitha und ich durch die Straßen und Einkaufstempel ziehen ist Günter auf die zwei Brüder gewandert. Die anderen haben in der Sonne gelegen.

 Heute wartet ein weiteres Highlight auf uns, wir wollen auf den Zuckerhut. Vor uns der Strand von Flamengo und dahinter liegt der Zuckerhut. Fast überall und immer zu sehen ist Christus, jedoch auf der anderen Seite.

 Der Zuckerhut galt jahrelang als unbesteigbar durch seine glatten Wände. Die erste Person der es 1817 gelang war das Kindermädchen Henriette Carstairs. Wir müssen es heute ihr nicht mehr nachtun, denn es gibt eine Seilbahn bis ganz nach oben.

 Wir gehen am Flamengostrand entlang nach Botafogo zur Halbinsel Urca. Dann geht es in der gläsernen Kabine der "O Bondinho" zur ersten Plattform. Dieser erste Abschnitt wurde schon 1912 in Betrieb genommen. Jetzt heißt es aussteigen und den Blick genießen runter nach Flamenco und die Strände.

 Die früher dort lebenden Indianer nannten ihren Berg Pandasuka, wobei die Portugiesen Pão de Açucar verstanden und ihm so diesen Namen gaben. Der Pão de Açúcar hat die Form eines Zuckerhutes und so wurde er einfach danach genannt. Dieser 394m hohe Granitfelsen ist eines der bekanntesten Wahrzeichen der Stadt. Sein Gestein zeigt Verwandtschaft zu Gesteinen aus der westafrikanischen Atlantikseite. Dies kann möglich sein, denn bevor es den Atlantik gab waren diese Kontinente zusammen. Dieser gneisartige Granit der vor 560 Millionen Jahren aus dem Meer aufstieg, ist durch schalenartige Abschuppung des groben Gneises im feuchtheißen Klima entstanden.

 Dann heißt es umsteigen in den zweiten Teil der Seilbahn und rauf auf den oberen Felsen. Dieser Abschnitt wurde ein Jahr später fertiggestellt. Schon bei der Fahrt zum Gipfel kann man das herrliche Panorama durch die Glaswände genießen. Was für uns schon gigantisch ist wird von anderen waghalsig genutzt. 1967 befuhr ein Deutscher die Seile mit einem Motorrad oder 10 Jahre später lief eine US-Seilartistin zum Gipfel. Auch 007 James Bond hatte hier einen Kampf mit dem Beißer im Film Streng geheim von 1979.

 Für uns heißt es einfach nur den Blick genießen über Copacabana, Ipanema und Christus-Statue. Was hier oben natürlich sein muss, sind viele Fotos nach allen Seiten über die Stadt.

 Dann geht es wieder per Seilbahn runter nach Botafogo und am Abend blicken wir wieder mit Respekt hoch zum Zuckerhut. Es war ein ganz toller und spektakulärer Ausflug und ein Muss für jeden Rio de Janeiro Urlauber. Gegen Abend sind wir dann noch den Flamengostrand entlang mit einem Blick zum heutigen Ausflugsziel den Zuckerhut.

 Heute geht es ins Maracana, doch vorher möchte ich einmal zeigen wie wir in Flamengo leben. Es gibt bei uns einen Innenhof wo man zu allen vier Seiten nur Hochhäuser sieht und in der Mitte eine grüne Oase.

 Wir fahren mit der U-Bahn zum Maracana, der Stadion-Legende für jeden Fußballfan. Außerdem wollten wir doch auch mal sehen wo unsere Jungs vor rund 2 Wochen den Titel des Fußballweltmeisters geholt haben. Heute im Sonnenschein wollen dies mehrere tun und so holen wir uns die Eintrittskarten für rund 10€.

 Der direkte Weg führt uns unters Stadion in die Verkaufsräume der Merchandising-Artikel. Hier gibt es auch Shirts von Flamenco, von Vasco da Gama, das Nationaltrikot, von Botafogo und Fluminence.

 Dahinter gibt es einen Showroom von der Weltmeisterschaft 2014 mit Maskottchen, Pokalen, Fotos und Erinnerungen an die großen Fußballer aus Brasilien. Hier ist auch der berühmte Spruch von Alcides Ghiggia von 1950: „Nur drei Menschen haben mit einer einzigen Bewegung das Maracanã zum Schweigen gebracht: Frank Sinatra, Papst Johannes Paul II. und ich.“ Der Uruguayer hat das ganze Land Brasilien durch sein Siegtor im Endspiel der WM 1950 in Trauer gebracht. Die Folge war auch das die Brasilianer seit damals nicht mehr in Weißen Trikots spielen die bis dahin die übliche Farbe war. Seit damals gibt es die noch jetzt gültigen Farben Blau-Gelb.

 Auch ein Besuch im Pressezentrum ist Pflicht. Hier gibt es verschiedene Räume von wo die Fernsehanstalten weltweite Interviews übertragen haben.

 Dann geht es auf bzw. neben den heiligen Rasen. Wir stehen im umgebauten neuen Stadion Maracana. Der offizielle Name ist Estádio Jornalista Mário Filho. 1950 entstand hier das größte Fußballstadion der Welt mit einem Fassungsvermögen von knapp 200.000 Zuschauern. Heute nach dem Umbau gibt es keine Stehplätze mehr und so ist die Kapazität bei knapp 75.000 Sitzplätzen.

Wir setzen uns auch auf die Trainerbank und die Plätze der Reservespieler. Da gerade Argentinier in ihren Nationaltrikots Fotos machen müssen wir doch auch die Weltmeister mit dem Vizeweltmeister fotografieren.

 Dann geht es wieder ins Innere des Stadions in die Umkleideräume. Hier werden die 22 besten Spieler mit ihren Trikots geehrt. Natürlich muss ich die alle auf den Chip bannen.

 Rund 2 ½ Jahre dauerte der Umbau und dabei wurden knapp 316 Millionen Euro verbaut. Das das Stadion nicht komplett abgerissen wurde liegt daran das es 1998 als nationales Wahrzeichen eingestuft wurde und so musste eine komplette Kernsanierung erfolgen.

 Die Argentinier feiern sich im Nationaltrikot und alle knipsen hier was der Chip nur aushält. Es ist halt Brasilien und das Maracana was für jeden Fußballfan wohl das Gleiche wie für Moslems Mekka ist.

 Auch einmal den Blick von oben genießen, von den Sprecherplätzen und die Weite sprich Größe dieses Stadions genießen gehört zu einem Besuch.

 Wir verlassen die legendäre Spielstation und fahren wieder mit der U-Bahn in die Stadt. Zum Mittagessen gehen wieder in eines der vielen Kilo-Restaurants. Heute gegen Spätnachmittag folgt ein weiteres Highlight.

Am Spätnachmittag geht es per Bus vom Largo do Marchado hoch zum Corcovado (der Buckelige). Auf dem 710m hohen Berg steht das wohl bekannteste Wahrzeichen der Stadt, die Christus-Statue. Wir wählen den Bus da wir noch bis in Dunkelheit hier oben bleiben wollen und es so der sichere Weg wieder zurück in unser Stadtviertel Flamengo ist. An Stelle des Busses kann man auch ein Stück mit einer Zahnradbahn fahren oder über Treppen und Aufzüge zur Aussichtsplattform kommen.