Oman – Auf den Spuren von Sindbads Söhnen III

Sindbad der Seefahrer, die Weihrauchstraße und die Heiligen Drei Könige

Lauf- und Erlebnisreise durch den Oman vom 30.10. – 13.11.2015

30.10. – 13.11.2015 von Bernd Neumann Teil 3

 In Al Mintarib ging es in die Wüste und nun geht es in Al Mintarib aus der Wüste raus. Wir verlassen die Wahiba Sands. Die Jeeps haben wieder Asphalt unter den Rädern.

 Im nächsten Ort Al Ghabbi an der Staatsstraße 23 machen wir halt. Einige wollen Geld tauschen andere sehen sich ein wenig um. Mir fallen hierbei die Firmenschilder besonders auf mit ihren endlos langen Namen der Inhaber. Z.B. Mubarak bin Rashid bin Hamed, bin heißt der Sohn des usw.

 Die Fahrt führt uns durch weite Täler vorbei an Ibra, Lizq nach Birkat Al Mouz an die Füße des Al-Akhdhar Gebirges. Hier machen wir am Touristencenter einen Stopp bevor es aufwärts in die Berge geht. Für unseren Fahrer der nur Temperaturen um die 40 Grad gewöhnt ist wird es eine Winterreise bis auf 20 Grad runter.

 Nach rund 250km und sehr vielen Kehren sind wir oben im Gebirge mit teilweise atemberaubenden Aus-sichten. Leider können wir hier nicht anhalten und Fotos machen. Dann erreichen wir auf einer Höhe von 2.000m unser luxuriöses Resort Alila. Forbes Lifstyle Australia wählte es in die Liste der 10 besten Hotels.

 Das Alila Resort liegt auf dem Saiq Plateau das von schroffen Gipfeln und Schluchten umgeben ist. Von unserer Terrasse sind es nur wenige Meter bis zu einer der vielen Schluchten die die Anlage umgeben. Dieses Gebiet ist bekannt durch den Anbau von Walnüssen und Granatäpfeln. Auch die berühmten Damast Rosen kommen von hier, welche zum osmanischen Rosenwasser verarbeitet werden und die in keinem osmanischen Haushalt fehlen, als kulinarisches Aroma, Duft und auch als Heilmittel.

 Nach einem sehr freundlichen Empfang gab es eine Erfrischung und die Zimmeraufteilung. Roswitha und ich bekamen ein Appartement in einem der vielen Bungalows.

 Wie luxuriös wir hier wohnen merkt man schon an der Großzügigkeit der Räume und deren Ausstattung, aber auch das Personal ist ständig unterwegs um einen alles angenehm zu gestalten. Man hat kaum das Zimmer verlassen und schon ist jemand da der das Bett wieder glattzieht. Nun kann man sagen das ist doch toll, aber muss solcher Luxus sein? Viele unserer Reisegruppe sagen nein, aber es gibt im Oman keinen Billigtourismus. Die Osmani wollen dies nicht und deshalb gibt es hier in den Bergen nur Luxustourismus.

 Nicht nur die Gegend bringt einen in die Geschichte des Landes sondern schon die Hotelanlage mit ihren Steinen für die Häuser. Diese lokalen Steine wurden nach alter traditioneller Bautechnik, von den alten Forts inspiriert und verarbeitet. Die Türen wurden aus massivem Holz gefertigt. Auch im Inneren der Räume der Anlage findet man authentische Elemente von Omani-Design wie Kupferschmuck und handgearbeiteter Keramik von Bahla.

 Von der Lobby-Terrasse aus hat man einen schönen Blick auf das Hadschar-Gebirge und den höchsten Berg den Jebel Shams. Vor der Terrasse gibt es kleine Wasserkanäle die den traditionellen Wassersystemen den Aflaj nachempfunden sind. Nur ein Stück weiter nach vorn hinter dem Pool beginnt schon die endlos wirkende tiefe Schlucht.

 Wenn dann am Abend die Sonne gegenüber hinter den Bergen beginnt unter zu gehen wirft sie lange Schatten und setzt die ganze Landschaft in ein schönes Farbenspiel.

 Am Abend gibt es ein gemeinsames Essen mit mehreren Gängen, mit traditionellen Gerichten modern interpretiert. Die Vielfalt der Vorspeisen ist schon ganz interessant und lecker.

 In der großzügigen Anlage gibt es viele Rückzugsbereiche um auch mal ungestört zu sein. Interessant sind die vielen exklusiven Ausstattungen und natürlich die für uns ungewöhnlichen Türschilder.

 Am Montag den 9.11. heißt es Ausspannen, Erholen oder wer will kann die Gegend erkunden. Das Resort ist von vielen kleinen Weilern sowie alten unbewohnten Dörfern umgeben. Auch der Weg ins Umland kann eine Flucht in die Einsamkeit sein umgeben von herrlichen Panoramablicken. Ich entscheide mich mit einer größeren Gruppe Frauen für eine Wanderung durch ein altes Flussbett.

 Wir verlassen unsere Anlage und gehen durch eine kleine nahegelegene Siedlung talwärts. Schon nach wenigen Metern öffnet sich ein schönes Tal das wir noch ein Stück runter gehen. Dann biegen wir nach rechts in das alte Flussbett ab.

 Es geht recht holprig über Stock und Stein und man muss aufpassen, dass man nicht fällt. Der Weg ist anstrengend aber was will man auch von einem Flussbett verlangen. Es ist auf jeden Fall sehr schön hier und man sollte des Öfteren anhalten um den Blick in die Gegend genießen zu können.

 Nachdem wir schon ein längeres Stück durch das Flussbett gewandert sind sehen wir links oben am Hang die Überreste einer ehemaligen Siedlung. Solche unbewohnten und schon zum Teil zerfallene Dörfer gibt es einige hier in der Region. Fast im ganzen Oman baut man in der Nähe von den alten Dörfern neue Dörfer hin, wobei ein großer Teil der alten Kultur verloren geht denn heute herrscht Plastik vor Keramik.

 Weit oben endet das begehbare Flussbett, denn es gibt hier oben eine Staumauer, über die das Wasser läuft. Für uns ist hier Ende. Jetzt müssen wir einen Weg am Hang hoch finden der uns zurück bringt.

 Nach einigen Versuchen finden wir einen schmalen Pfad der uns oberhalb der Schlucht zu der alten verlassenen Siedlung führt.

 Wir gehen durch die Häuser und sind erstaunt wie exakt die Menschen hier ihre Häuser gebaut haben. Ob sie ihre Siedlung verlassen haben wegen der schlechten Wasserversorgung? Auf jeden Fall hatten sie von hier aus einen herrlichen Blick über die Berge. Dann begann für uns der Abstieg aus dem Hang auf die Straße die uns zurück zur Hotelanlage führt.

 Zurück in der Anlage genießen wir den herrlichen Sonnenuntergang über dem Hadschar-Gebirge. In der Lobby ist der große Kamin angezündet (Gasflamme).

 Bei einsetzender Dunkelheit gehen wir zu unserem Bungalow wobei hier oben auf dem Plateau jetzt durch die viele Beleuchtung im Resort eine schöne Stimmung herrscht. Es ist auch der Abschiedsabend, denn morgen geht es weiter.

 Von der Terrasse unseres Appartements gibt es noch einen Abschiedsblick ins Tal und dann geht es mit unseren Allrad-Jeeps runter ins Tal. Die Omanis freuen sich das die Temperaturen wieder an die 40 Grad steigen und sie nicht mehr frieren müssen.

 Im Tal angekommen steueren wir eine Tankstelle mit Restrooms an. Nebenan stand ein LKW der Ziegen geladen hatte was auch gleich zum beliebten Fotomotiv wurde. Hier am Fuße des Gebirges gibt es viele Kulturstätten. In den Städten Nizwa, Bahla, Ebri gibt es das Nizwa Fort, Jabreen Schloss und das UNESCO-geschützten Bahla Fort.

 Unser Weg führte uns über die Staatsstraße 13 zum Nakhl-Fort an einer alten Karawanen- und Handelsstraße ca. 120km von der Hauptstadt Muscat entfernt.

 Die Gründung geht zurück auf die vorislamistische Zeit. Es wurde auf einem Felsvorsprung am Fuße des Jabel Akhdar Berges erbaut und sollte die Oase hier im Tal schützen. Die Festung ist auch als Husn Al Heem bekannt. Im Laufe der Jahrhunderte wurde es immer wieder renoviert und erweitert. Osmanische Baumeister haben es im 17. Jahrhundert letztmalig geändert. Den heutigen Glanz erhielt das Fort 1990 wo es umfassend renoviert wurde. Aber auch heute noch findet man in vielen Ecken noch Handwerker die immer wieder Hand anlegen um es für die Touristen auf zu hübschen.

 Wir durchlaufen viele der traditionell eingerichteten Räume. Das Tourismusministerium hat hier mitgewirkt bei der Ausstattung der vielen Details in den Höfen und Räumen. Es gibt kunstvoll geschnitzte Türen und liebevoll restaurierte Deckenmalereien zu bestaunen. Neben der historischen Einrichtung gibt es auch eine Waffensammlung zu bestaunen. Jeden Freitag ist die Festung auch ein Schauplatz für einen Ziegenmarkt.

 Die Anlage die zum Teil auf vorhandene Felsen gebaut wurde, den man auch im westlichen Teil der Anlage sieht, ist über 3.400 m2 groß. Sechs Wehrtürme schützen mit der 30m hohen Mauer die Anlage. Das massive Tor sowie die Türme wurden 1834 von Sultan bin Sultan I. errichtet.

 Von einigen Plätzen hinter der Mauer hat man einen Blick über die Zinnen auf die großen Dattelpalmenhaine, Obstgärten und in die Al-Batinah Region.

 Wir gehen noch kurz in den Ort neben dem Fort um Erfrischungen zu kaufen, dann heißt es ab zurück in unsere Hotelanlage am Meer „Al Sawadi Beach Resort & Spa“.

 Unsere letzten zwei Tage verbringt unsere Gruppe in der Hotelanlage. Roswitha und mich zieht es jedoch wieder in das kleine Fischerdorf Sawadi ca. 2km von unserem Strand entfernt. Auch diesmal gehen wieder einige von unserer Gruppe mit.

 Bei fast 40 Grad machen wir uns begleitet von einem leichten Lüftchen am Strand entlang nach Sawadi.

 Auch heute zieht es uns wieder in den kleinen Imbiss wo wir unseren erfrischenden Mango-Lassie trinken. Hier ist es schön kühl gegen die knalle Sonne und den vielen Staub im Ort. Dann geht es wieder an den vermüllten Strand und auf den Heimweg zum Hotel.

 Den Abend genießen wir bei unserem leckeren Buffet und einen schönen Sonnenuntergang.

 Heute Donnerstag der 12.11. ist der Tag der Abreise. Da wir aber erst am Abend fliegen haben wir die Zimmer auch noch bis 20 Uhr und können so den letzten Tag nochmal am Strand oder am Pool verbringen. Roswitha und mich wie auch einige andere der Gruppe zieht es zum letzten Mal nach Sawadi. Strand und Pool können wir zu Hause auch haben aber den Flair eines orientalischen Fischerdorfes nicht.

 Auch heute sind die vielen Ziegen im Ort unterwegs und fressen an allem rum was sie sehen. Man könnte glauben sie leben von Pappe und Plastik, denn das gibt es genug auf den Straßen. Dann kommen wir an der Hauptstraße zu einem Beerdigungszug. Alle Autos und Fußgänger bleiben stehen bis die vielen Menschen die den Toten begleiten vorbei gezogen sind.

 Zum Abschluss geht es nochmal in den Supermarkt um unser letztes Geld auszugeben und noch etwas Proviant für die Heimreise zu kaufen.

 Als Resümee kann man sagen das der recht unbekannte Oman durch seine faszinierenden Sand- und Kieswüsten sowie auch durch seine archäologischen Zeugnisse interessant ist und in Zukunft sicherlich mehr Touristen anziehen wird. Als außergewöhnliches Reiseziel, gibt es dem Besucher aus der Welt der Hektik, eine Chance der Besinnlichkeit, Ruhe und Entspannung.

 Wir fliegen durch die Nacht und kommen müde aber voller neuer Eindrücke aus dem Oman nach München.

Ende Teil 3