17. Marathon Kevelaer-Twisteden 2019

Neues Jahr – Neuer Marathon am Dreikönigstag

 

06.01.2019 von Bernd Neumann

 Das Neue Jahr ist erst 6 Tage alt und es zieht mich schon wieder auf die Marathonstrecke. Diesmal bin ich aber nicht allein, sondern Heike begleitet mich an die holländische Grenze. Es geht schon sehr früh los, denn wir haben rund 275 km vor uns. Wir fahren über die A 44, nördlich über dem Ruhrgebiet über die A2 und weiter über A42 und A57 nach Sonsbeck. Ab hier geht es über Landstraßen direkt durch Kevelaer, der 2größten Wallfahrtstätte in Deutschland, nach Twisteden einem Ortsteil von Kevelaer. Nach knapp 3 Stunden erreichen wir den Großparkplatz Irrland.

 Es wird schon mein 4 Start beim Kevelaer Marathon. In 2010 hieß er noch Honigkuchen Marathon und startet in der Nähe der Jugendherberge. Dort wurde es aber zu eng und es gab auch ein Teilnehmerlimit. Ab 2011 an neuer, jetziger Strecke ist viel mehr Platz und ohne Teilnehmerlimit.

 Wer nicht weiß wo der 2.-größte Wallfahrtsort in Deutschland liegt hier einige Infos. Die Stadt Kevelaer (28.000 Einwohner) liegt in der niederrheinischen Tiefebene inmitten einer Donkenlandschaft, im Kreis Kleve. Donk oder auch Dunk sind flache Erhebungen in sumpfigen Gelände die vermutlich schon im frühen Mittelalter Ausgangspunkte für die Besiedlung dieses feuchten Tieflandes waren. Die Stadtteile heißen Winnekendonk, Kervendonk, Kolvendonk und Grotendonk.

 Es ist heute in einigen Bundesländern Feiertag. Er wird als Epiphanias gefeiert, ein christliches Fest, das an die Offenbarung Christi an die ganze Welt durch den Besuch der Heiligen Drei Könige erinnert. Epiphanias stammt aus dem Griechischen und bedeutet „Erscheinung“, was den Moment widerspiegelt, in dem Christus sich nicht nur Israel, sondern allen Völkern offenbart hat. In einigen Ländern geht auch das Weihnachtsfest bis zum 6. Januar und so erhalten die Kinder in Italien und Spanien ihre Geschenke erst an diesem Tag.

 Irrland ist ein Allwetter Freizeitpark für Familien mit Kindern bis 17 Jahren die dort auf über 90 verschiedenen Attraktionen toben können. Wir stellen hier nur unser Fahrzeug ab und gehen den knapp einen Kilometer zum Sportplatz am Beetenackerweg.

 In einem Zelt neben dem Sportplatz haben sich schon viele Marathonis eingefunden und sind dabei ihre Startnummer ans Trikot zu heften und umzuziehen für den Lauf. Die Startunterlagen gibt es im Sportplatzgebäude. Wenn es in der Ausschreibung heißt es geht nach Irrland so heißt das nicht das derjenige der am 1. Sonntag im Neuen Jahr Marathon läuft auch irre sein muss.

 Die Gruppe von knapp 300 Teilnehmern stellen sich kurz vor 10 Uhr auf dem Beetenackerweg auf. Es müssen heute 7 Runden zu je 6 km plus 195 Meter gelaufen werden.

 Ich stelle mich weit hinten in die Gruppe, denn ich will nur im Zeitlimit von 6 Stunden bleiben. Auf dem Weg dorthin kommt man schon mal am Versorgungsstand vorbei und kann, wenn man will noch was trinken oder die erste Kostprobe vom Honigkuchen genießen. Es ist 10 Uhr Startschuss und es geht los für die Marathon-Runner.

 Wir laufen eine 500m Gerade bis zum Hinweisschild Kevelaer nach links. Wir folgen nun dem Gerberweg. An den ersten Häusern rechtsseitig erwartet uns Rockmusik der 60er und 70er Jahre die uns ab jetzt jede Runde zweimal anfeuert. Die Anwohnertruppe hier stand schon früher an der alten Strecke, bekannt durch den alten Truck „Emma“.

 Wir folgen weiter dem Gerberweg zur Siedlung Heide, wo es an vereinzelten Häusern entlang geht. An der nächsten Kreuzung zeigt das Radwegzeichen geradeaus nach Niederlande. Wir wollen jedoch nicht soweit und biegen links ab wo gleich das Km-Schild 2 steht.

 Die Kilometerschilder sind jedes Mal regelrechte Schilderbäume, denn auf jedem Schild sind 7 Km-Angaben. Da wir 7 Runden laufen kann man in jeder Runde das obige Schild ausblenden bis nur noch die unterste Reihe übrigbleibt.

 Es geht über die Straße „Am Bollenberg“ parallel der niederländischen Grenze entlang. Bei ca. 2,5km gibt es eine weitere Versorgungsstation mit allem was das Läuferherz verlangt, außer dem Bier des Sponsors, das gibt es erst später hinterm Ziel.

 Bei km 4 tauchen wir wieder ein Stück in den Wald ein. Nochmal ein Richtungswechsel und es geht am Waldrand entlang in Richtung Rojensweg der uns zum 5 Km-Schild und 400 m weiter zum Rundenende bringt.

 Die meisten Läufer bleiben hier stehen und genießen die Auswahl. Da es doch noch kühl ist greifen viele nach dem warmen Tee. Auch ich nehme einen warmen Tee und einige Kekse und dann weiter.

 Am nächsten Gehöft steht der 3km Schilderbaum. Es geht weiter übers Kuckusfeld. Ein Stück später biegen wir nach links ab auf den Boshey. Hier laufen wir am Waldrand entlang begleitet von Windstille und herrlichstem Frühlingswetter.

 Nach ca. 300m steht das 4 Km Schild und wir sind beidseitig kurz im Wald. Am nächsten Abzweig nach links abbiegen auf den Weg Am Haag. Es geht am Waldrand entlang in Richtung Rojensweg der uns zum 5 Km-Schild und 400m weiter zum Rundenende bringt. Es folgt jetzt eine Wendepunktstrecke.

 Von weitem werden wir durch Emmas Rockpalast begrüßt und mit lauter Rockmusik weitergetrieben. Super diese Truppe hat viel Flüssiges und viel Spaß. Wir klatschen die Läufer der nächsten Runde ab und weiter geht’s auf die letzten 800m der ersten Runde Hier kann man sehen wer so alles vor einem ist und es wird gegenseitig den anderen Läufern zugejubelt. Es ist eine tolle Stimmung hier auf der Strecke. Von Runde zu Runde kann man auch messen wie sich der Abstand verändert.

 Jetzt über die Zeitmatte am Km-Schild 6 und auf in die 2. Runde. Kurz danach wieder Versorgung, der zweite oder erste Versorgungsstand und daneben der Streckensprecher und einige Zuschauer. Die Runde die wir laufen sind durchgehend asphaltierte Wirtschaftswege. Also weiter auf den Asphalt trommeln.

 Ich habe gerade 500m der zweiten Runde begonnen da kommt mir schon der spätere Sieger kurz vorm Ende seiner zweiten Runde entgegen. Jetzt in der zweiten Runde ist die Truppe bei Emma größer geworden und die Musik weiterhin super. Genau mein Musikgeschmack Rockmusik der 60er und 70er Jahre gemixt mit Brian Adams und Bon Jovi.

 Ein paar Häuser weiter stehen auch Anwohner mit Biertischen vorm Haus. Ich sehe, dass sie 6 oder 7 Kisten Bier geparkt haben. Joe ist doch heute nicht dabei, für wen sind die wohl?

 Ich bin in der 2. Runde und kann nun die oberste Zahl ignorieren. Die erste Runde bin in 45:10 und die 2. Runde in 44:40. Die 3. Runde wurde dann etwas langsamer mit 47:27. In der 4. Runde habe ich etwas länger an der Versorgung gebraucht uns so wurden es 48:24.

 Bei der 5. und 6. Runde habe ich mir dann an den Getränkestellen etwas mehr Zeit genommen und bin auch zwischendurch einige Meter gegangen. Für die Runde 5 brauchte ich 51:16 und für die 6. Runde 53:21. Nach meiner Zeitrechnung hatte ich jetzt genügend Zeit für die 7. Runde + die 195 Meter was wohl locker reichen sollte unter 6 Stunden. Dann plötzlich bei km 39 hatte ich Schmerzen in der Brust und Atemnot. Verflucht was ist das denn, also sofort gehen Zeit ist unwichtig nur gesund ankommen ist wichtig. Nach knapp einem Kilometer gehen war wieder also im grünen Bereich und weiter ging‘s. (Was ich damals noch nicht wusste das dies Vorzeichen von meinem Herzstillstand 2 Monate später waren die mich zwangen fast 9 Monate nicht zu laufen.)

 Jetzt noch die letzten zwei Kilometer durchtraben noch zum letzten Mal über die Piepsmatte rechts ab und durch’s Ziel. Nettozeit 5:45:09, geht doch. Super zufrieden, bin noch nicht mal Letzter geworden. Heike wartete im Ziel und dachte ich müsste noch eine Runde laufen. Der Start in ein neues Marathonjahr war gut gelungen.

 Vom Ort Twisteden haben wir wenig gesehen, denn wir sind nur an einigen Höfen vorbeigelaufen und haben den Kirchturm von St. Qurinus von weitem gesehen. Der Ort selbst hat aber schon eine lange Vergangenheit die bis ins 14. Jahrhundert zurückreicht. Der Ortsname ist vermutlich aus dem niederdeutschen „tussen twee steden“ (zwischen zwei Städten) entstanden. Bis letztes Jahr konnten die Einwohner auch noch stolz auf einen Bürger schauen der hier geboren wurde. 1959 erblickte hier Franz-Peter Tebartz-van Elst (der Protz- und Verschwende-Bischof von Limburg) das Licht der Welt.

 Nachdem der letzte Teilnehmer durchs Ziel ist begann die Auswertung und es gab auch eine Siegerehrung dann im Zelt. Später kann man dann in der Ergebnisliste nachlesen, dass heute 285 (214 Männer und 71 Frauen) gefinisht haben.

Ergebnisse

Männer

1. Nikki Johnston (GBR)             LAZ/Rhein Sieg                        2:24:18

2. Ralph Steegh (NED)               ATV Venray                              2:46:38

3. Dennis Schäfer                       ---                                             2:50:10

Frauen

1. Dioni Gorla                            LAZ-Puma Rhein-Sieg               2:53:20 

2. Birgit Schönherr-Hölscher     TV Triathlon Witten                    3:11:11

3. Kathrin Willems                     TuS Xanten                                3:17:17

 Anschließend haben wir noch einen Stopp in Kevelaer gemacht vor der Heimreise.

 Kevelaer ist der größte Wallfahrtsort Nordwesteuropas und zugleich die bekannteste Stadt am Niederrhein. Seit mehr als 360 Jahren strömen jedes Jahr rund eine Million Pilger und Besucher aus aller Welt in die Marienstadt. Ihren besonderen Rang unterstreichen auch die Besuche von Papst Johannes Paul II. und Mutter Teresa im Jahr 1987.

 Das Herz Kevelaers ist der weitläufige Kapellenplatz. Im Mittelpunkt steht die Gnadenkapelle mit dem berühmten Gnadenbild. Um sie gruppieren sich die eindrucksvolle Marienbasilika, die Kerzenkapelle, die Beichtkapelle sowie vier einladende Fußgängerzonen, die den historischen Stadtkern prägen.

 Kevelaer ist der größte Wallfahrtsort Nordwesteuropas und zugleich die bekannteste Stadt am Niederrhein. Seit mehr als 360 Jahren strömen jedes Jahr rund eine Million Pilger und Besucher aus aller Welt in die Marienstadt. Ihren besonderen Rang unterstreichen auch die Besuche von Papst Johannes Paul II. und Mutter Teresa im Jahr 1987.

 Das Herz Kevelaers ist der weitläufige Kapellenplatz. Im Mittelpunkt steht die Gnadenkapelle mit dem berühmten Gnadenbild. Um sie gruppieren sich die eindrucksvolle Marienbasilika, die Kerzenkapelle, die Beichtkapelle sowie vier einladende Fußgängerzonen, die den historischen Stadtkern prägen.

 Ein Rundgang durch Kevelaer führt den Besucher auf eine spannende Reise durch Geschichte, Glauben und beeindruckende Architektur. Von der Busmannstraße gelangt man zunächst zur Statue von Hendrik Busmann, dessen Name untrennbar mit der Entstehung der Wallfahrt verbunden ist. Wenige Schritte weiter öffnet sich der Kapellenplatz mit der Gnadenkapelle als spirituellem Mittelpunkt. Direkt daneben befinden sich die Marienbasilika mit der Beichtkapelle, der Sakramentenkapelle und dem Priesterhaus. Gegenüber lädt die Kerzenkapelle zu Gebet und Besinnung ein.

 Ein besonders reizvoller Ort ist der Brunnenhof neben der Basilika. Bereits am Eingang begrüßt ein Bild der Gottesmutter mit dem Jesuskind die Besucher. Rechts erhebt sich die Basilika, daneben befindet sich die Sakristei, deren Vorraum mit eindrucksvollen Wandmalereien geschmückt ist. Von hier gelangt man direkt in die Beichtkapelle. Das im Jahr 1857/58 errichtete Gebäude ist 42 Meter lang, 10 Meter breit und zweigeschossig. Ein langer Klostergang verbindet die Beichtkapelle mit der Sakramentenkapelle und der Basilika. Am linken Eingang des Brunnenhofes befindet sich die Sakramentenkapelle, die ebenfalls zur stillen Einkehr einlädt.

 Die Geschichte der Wallfahrt begann im Jahr 1642. Damals brachte der Kaufmann Hendrik Busmann das kleine Marienbild nach Kevelaer, das bis heute als Ursprung der Wallfahrt verehrt wird. Dieses Andachtsbild befindet sich in der Gnadenkapelle und wird jedes Jahr von über einer Million Pilgern und Touristen besucht.

 Die eigentliche Wallfahrtskirche ist jedoch die Kerzenkapelle. Hier brennen mehr als 450 Kerzen als Zeichen des Glaubens, der Hoffnung und des Dankes. Besonders stimmungsvoll ist das tägliche Marienlob um 18 Uhr, wenn etwa 150 Kerzen gleichzeitig leuchten und eine einzigartige Atmosphäre schaffen.

 Unmittelbar neben der Kerzenkapelle erhebt sich die imposante Marienbasilika, die 1864 fertiggestellt wurde. Besonders sehenswert ist das Pilgerportal mit der von Bert Gerresheim geschaffenen Darstellung der Apokalypse. Die prachtvolle Ausmalung der Basilika stammt von Friedrich Stummel, der den Gedanken der „Biblia Pauperum“ – der Bilderbibel für alle Menschen – kunstvoll umgesetzt hat. Die Wand- und Deckengemälde erzählen Szenen aus der Heilsgeschichte, der Kirchengeschichte, der Heiligen Schrift, der Liturgie und dem christlichen Leben. Sie laden Besucher und Pilger dazu ein, innezuhalten, die Kunst auf sich wirken zu lassen und Momente der Ruhe und Meditation zu finden.

 Kevelaer verbindet auf einzigartige Weise Glauben, Geschichte, Kunst und Gastfreundschaft. Ob als Pilger, Kulturinteressierter oder Tagesgast – ein Besuch der Marienstadt am Niederrhein hinterlässt bleibende Eindrücke und lädt immer wieder zum Wiederkommen ein.

 In Kevelaer wird von vielen Wundheilungen bei den Wallfahrten erzählt. Wunder brauchen wir Marathonis aber nicht, sondern vernünftiges Training mit den richtigen und wichtigen Erholungspausen. Ob das auch alle beherzigt haben kann jeder in den nächsten Tagen selbst feststellen.

 Von der Innenstadt von Kevelaer sind wir dann noch gut 3 Stunden bei winterlichem Wetter nach Hause gefahren.