5. Kalimandscharo Marathon 2020

Werner’s Jubiläum (500. Marathon) mit Sturm und Hagel

 

04.01.2020 von Bernd Neumann

 Werner hat gerufen – und 29 Läuferinnen und Läufer sind seinem Ruf gefolgt, um gemeinsam mit ihm seinen Jubiläumsmarathon zu feiern. Natürlich wollen auch Heike, Dieter und ich bei diesem besonderen Ereignis dabei sein. Da die Anreise rund zweieinhalb Stunden dauert, legen wir bereits am Vortag einen Zwischenstopp mit Übernachtung in Bad Nenndorf ein.

 Unser Ziel ist der Frühstart um 9 Uhr. Pünktlich um 8:45 Uhr treffen wir am Kaliwerk Sigmundshall in Bokeloh ein. Direkt hinter den Werkshallen erhebt sich eine gewaltige weiß-graue Abraumhalde – der sogenannte „Kalimandscharo“. Doch was verbirgt sich hinter diesem ungewöhnlichen Namen?

 Der Kalimandscharo, auch Monte Kali genannt, ist eine gewaltige Halde aus Abraum der Kalisalzförderung. Unter Tage werden die wertvollen Kalisalze gewonnen, während das nicht verwertbare Gestein zu riesigen Bergen aufgeschüttet wird. Einige dieser künstlichen Berge erreichen Höhen von über 500 Metern. Die Halde in Bokeloh darf bis zu 140 Meter hoch werden und prägt schon von weitem das Landschaftsbild. Mit dem Abbau des Salzstocks wurde hier bereits im Jahr 1906 begonnen.

Auf dem kleinen Parkplatz gegenüber dem Werk befinden sich heute Start, Ziel und die Verpflegungsstation. Den Frühstart nehmen Werner, Jürgen, Dieter, Heike, Maik und ich in Angriff. Für mich wird es ein besonderer Marathon. Nach meinem Herzinfarkt darf ich mich noch nicht zu stark belasten und muss meinen Puls niedrig halten. Deshalb werde ich große Teile der Strecke gehen und rechne mit einer Zielzeit von etwa siebeneinhalb Stunden.

Neues Jahr, neue Marathons – auf geht's!

 Da die eigentliche Runde lediglich 5,1 Kilometer lang ist, beginnt der Marathon mit einer 1.544 Meter langen Einführungsstrecke. Danach folgen noch acht identische Runden. Vom Parkplatz aus laufen wir zunächst entgegen der späteren Laufrichtung bergab auf der Straße Tienberg etwa 800 Meter bis zum Wendepunkt. Anschließend geht es leicht bergauf zurück zum Parkplatz – und dort beginnt die erste der acht Runden.

 Zunächst führt die Strecke den Tienberg hinauf, vorbei an der Werkfeuerwehr von K+S und durch eine kleine Siedlung. Nach rund 730 Metern erreichen wir den Fuß des Kalimandscharo. Der Rundweg führt direkt am imposanten weißen Salzberg entlang und verläuft dabei leicht bergab.

 Bei Kilometer 1,5 verlassen wir den Rundweg und folgen einem parallel verlaufenden Weg in Richtung des Friedhofs von Mesmerode. Der heute knapp 700 Einwohner zählende Ort gehört seit 1974 zur Stadt Wunstorf. Bereits im Jahr 1055 wurde Mesmerode erstmals urkundlich als „Merstemgaues“ erwähnt. Ende des 19. Jahrhunderts entdeckte man hier Kalisalze, wodurch die Industrialisierung Einzug hielt. Von 1905 bis 1970 bestand sogar ein Eisenbahnanschluss nach Wunstorf über die Steinhuder-Meer-Bahn.

 Nach der Überquerung der Mesmeroder Straße passieren wir den Rastplatz am Mesmeroder Ehrenmal. Das Denkmal erinnert an die Gefallenen des Ersten und Zweiten Weltkriegs und bildet zusammen mit der Kirche den historischen Mittelpunkt des Dorfes. Anschließend folgen wir einer ruhigen Straße in östlicher Richtung und kommen an mehreren liebevoll erhaltenen, denkmalgeschützten Vierständerhäusern vorbei, die den ländlichen Charakter des Ortes eindrucksvoll widerspiegeln.

 Bei Kilometer vier biegen wir nach Norden ab. Ein kurzer Blick nach Süden fällt auf das Schloss Bokeloh. Über die Straße zum Pumpwerk gelangen wir auf die Bokeloher Straße, der wir nur wenige Meter folgen. Danach verläuft die Strecke entlang des Kaliwerks Sigmundshall.

 Das Kaliwerk wurde nach Sigmund Meyer, dem damaligen Aufsichtsratsvorsitzenden, benannt. Bis vor zwei Jahren wurden hier Kalisalze und Kaliumchlorid gefördert. Die Produkte dienten vor allem der Herstellung von Mineraldünger, fanden aber auch Verwendung in der Chemie- und Pharmaindustrie.

 Nach der Umrundung des Werks erreichen wir nach 5,1 Kilometern wieder den Parkplatz. Dort hat Veranstalter Reinhard Reuter ein reichhaltiges Buffet aufgebaut. Die hervorragende Verpflegung sorgt dafür, dass wir gestärkt in die nächste Runde starten können.

Heute laufe ich mehrere Runden gemeinsam mit meinem Lauffreund Werner Kater. Wir beginnen unsere Runden stets etwas früher, damit der Veranstalter nach dem Zieleinlauf nicht unnötig lange mit dem Abbau warten muss. Mit dabei sind außerdem viele langjährige Weggefährten: Heike Kabella, Dieter Reich, Jürgen Kuhlmey und Werners Sohn Gordian.

 So vergeht Runde um Runde. Immer wieder überholen uns die schnelleren Läuferinnen und Läufer, mit denen wir ein paar Worte wechseln. Die Stimmung ist hervorragend. Doch zwei Runden vor dem Ziel zieht der Himmel plötzlich bedrohlich dunkel zu. Auf den letzten fünf Kilometern werden Werner und ich von kräftigem Wind und einem heftigen Hagelschauer überrascht. Innerhalb weniger Minuten sind wir bis auf die Haut durchnässt.

 Trotz der widrigen Bedingungen erreichen wir glücklich das Ziel und haben den Marathon erfolgreich beendet. Zum Abschluss stoßen wir am Bus von Dieter gemeinsam auf Werners beeindruckenden 500. Marathon beziehungsweise Ultra an. Ein würdiger Ausklang für einen besonderen Lauftag. Danach heißt es nur noch: trockene Kleidung anziehen und die Heimreise antreten.

Von 29 gestarteten Personen haben 17 den Marathon und 7 den Halbmarathon vollendet.

 

Reinhard Reuter: Am 07.04.22, verstarb mein Lauffreund und Stammkunde bei meinen Veranstaltungen WERNER KATER. Werner war immer ein zuverlässiger Starter. Oftmals startete Werner früh, um dann mit dem Starterfeld zusammen ins Ziel zu kommen und auf der Strecke mit jedem anderen Starter eine Runde plaudern zu können. Bei vielen Veranstaltungen trafen wir uns und liefen/gingen viele Kilometer gemeinsam.  Am 04.01.2020 organisierte ich auf Werner´s Wunsch seinen 500. Marathon am Kalimandscharo (Kaliberg) in Wunstorf. Unvergessen bleiben diese Begegnungen.