Zwischenahner Meer Marathon 2020

Rund um's Meer ab und bis Bad Zwischenahn

29.11.2020 von Bernd Neumann

 Jürgen Kuhlmey hat eingeladen, gemeinsam in der Nähe seines Wohnortes eine der schönsten Laufstrecken des Ammerlandes zu erkunden – eine Runde um das malerische Zwischenahner Meer. Dieses Angebot lassen wir uns natürlich nicht entgehen. Drei Nordhessen machen sich deshalb noch in der Dunkelheit auf den Weg in den hohen Norden. Nach rund drei Stunden Fahrzeit und knapp 300 Kilometern erreichen wir den Yachthafen Am Delf von Bad Zwischenahn, wo uns bereits die ruhige Morgenstimmung am Wasser empfängt.

 Unser Start- und Zielpunkt liegt zwischen dem Yachthafen und den Tennisplätzen „Am Delf“. Bereits nach wenigen Metern treffen wir auf den ausgeschilderten Rundwanderweg, der mit einem schwarzen Pfeil und weißer Schrift auf schwarzem Quadrat markiert ist. Dieser führt auf einer Länge von rund 13 Kilometern einmal komplett um das Zwischenahner Meer und begleitet uns über weite Strecken direkt am Wasser entlang.

 Das Zwischenahner Meer, liebevoll auch die „Perle des Ammerlandes“ genannt, gehört zu den schönsten Naturlandschaften Niedersachsens. Mit einer Wasserfläche von rund 550 Hektar ist es nach dem Steinhuder Meer und dem Dümmer der drittgrößte Binnensee des Bundeslandes. Der See misst von Nord nach Süd etwa 2,8 Kilometer und von Ost nach West rund 2 Kilometer. Sein Ufer hat eine Länge von ungefähr 11 Kilometern. Die durchschnittliche Wassertiefe beträgt lediglich 3,3 Meter, während die tiefste Stelle oberhalb der mächtigen Faulschlammschicht etwa 5,5 bis 6 Meter erreicht. Darunter lagern weitere vier bis sechs Meter Faulschlamm. Gespeist wird der See hauptsächlich durch die Aue, die Otterbäke mit der Heller Bäke sowie die Halfsteder Bäke mit ihren Zuflüssen Bokeler und Nutteler Bäke.

 Um die Entstehung des Sees rankt sich eine der bekanntesten Sagen Norddeutschlands. Der Legende nach wollte der Teufel – auf Plattdeutsch „Düwel“ – den Bau einer Kirche in Oldenburg verhindern. Er riss deshalb ein riesiges Stück Wald aus dem Boden, um es auf die Kirche zu werfen. Während seines Fluges wurde er jedoch durch das Krähen von drei Hähnen so verwirrt, dass er die Orientierung verlor. Kurz vor Oldenburg ließ er den gewaltigen Waldboden fallen. Daraus entstanden der Große und Kleine Wildenloh. Die riesige Vertiefung, aus der der Wald herausgerissen worden war, füllte sich mit Wasser – das heutige Zwischenahner Meer war geboren. Deshalb wird seine Entstehung bis heute auch als „Düwelswark“, also Teufelswerk, bezeichnet.

 Unser Weg führt zunächst in nördliche Richtung. Immer wieder genießen wir herrliche Ausblicke auf den See. Nur an wenigen Stellen müssen wir das Ufer kurz verlassen, beispielsweise im Bereich der DLRG-Station oder am Pier 19. Zwischen Wanderweg und Wasser liegen häufig breite Schilfgürtel, die zahlreichen Wasservögeln als Rückzugsgebiet dienen. Bei Kilometer 2,5 verlassen wir den direkten Uferbereich, da hier ein geschütztes Landschaftsschutzgebiet beginnt, das nicht betreten werden darf.

 Kurz darauf erreichen wir die Hofstelle Hösjekamp. Sie gehört historisch zur Bauerschaft Rostrup und wurde bereits im Jahr 1305 erstmals urkundlich erwähnt. Damit zählt sie zu den ältesten nachweisbaren Hofstellen des Ammerlandes.

 Bei Kilometer 4,5 gelangen wir nach Dreibergen, einem Ortsteil der Bauerschaft Helle. Hier befindet sich eine Anlegestelle der bekannten „Weißen Flotte“, deren Ausflugsschiffe das Zwischenahner Meer befahren. Außerdem mündet hier die rund zwölf Kilometer lange Otterbäke in den See.

 Anschließend führt der Weg hinauf zur Dreiberger Straße und wenig später wieder zurück ans Wasser. Dabei umrunden wir einen kleinen Hügel, auf dem zahlreiche Ruhebänke zu einer Pause mit herrlichem Seeblick einladen. Was heute wie ein gewöhnlicher Aussichtspunkt wirkt, war einst ein bedeutender historischer Ort.

 Hier befand sich im 9. Jahrhundert die Burg Elmendorf, auch Drei-Hügel-Motte genannt. Dabei handelte es sich um eine sogenannte Turmhügelburg, eine Motte, deren Hauptmerkmal ein künstlich aufgeschütteter Erdhügel mit einem hölzernen Wehrturm war. Vermutlich entstand die Burg bereits im 9. Jahrhundert. Nach Zerstörung und Wiederaufbau befand sie sich im 12. Jahrhundert im Besitz von Graf Egilmar I., einem der Ahnherren des Hauses Oldenburg. Im Jahr 1134 wurde die Burg erstmals ausdrücklich als Wohnsitz des Friedrich von Anvorde erwähnt, der der Überlieferung nach während eines Kreuzzuges verschollen sein soll.

 Über den Niblheimweg gelangen wir bei Kilometer 5,6 wieder direkt ans Wasser. In der Nähe liegt die Meyerei Meyerhausen, die besonders im Sommer mit ihrem großen Biergarten zahlreiche Besucher anlockt.

 Vorbei an der Dreiberger Hütte führt unsere Strecke zunächst ein Stück entlang der Landstraße, bevor wir bei Halfstede in den Freesebusch einbiegen.

 Halfstede ist eine kleine Bauerschaft am nordöstlichen Ufer des Zwischenahner Meeres. Hier stehen noch zwei der ursprünglich drei alten Meier- beziehungsweise Hausmannshöfe. Besonders bemerkenswert ist der Oeltjen-Hof. Er wird seit mindestens 574 Jahren ununterbrochen von der Familie Oeltjen bewohnt und bewirtschaftet und gehört damit zu den ältesten Familienhöfen Deutschlands.

 Kurz darauf überqueren wir zunächst die Halfsteder Bäke und wenig später die Aschhauser Bäke. Anschließend passieren wir das idyllisch gelegene Romantik Hotel Jagdhaus Eiden direkt am See. Gleich daneben befindet sich die Spielbank Bad Zwischenahn.

 Bei Kilometer 10 erreichen wir schließlich den Kurpark und den Strandpark. Hinter dem Wellenbad wartet bereits eines der kulturellen Highlights der Runde: das Freilichtmuseum Ammerländer Bauernhaus.

 Bei Kilometer 10 erreichen wir schließlich den Kurpark und den Strandpark. Hinter dem Wellenbad wartet bereits eines der kulturellen Highlights der Runde: das Freilichtmuseum Ammerländer Bauernhaus.

 Das Museum besteht aus insgesamt 17 historischen Gebäuden und Nebengebäuden, die eine typische ammerländische Hofstelle um das Jahr 1700 darstellen. Obwohl sich auf diesem Gelände ursprünglich niemals ein Bauernhof befand, wurden die Gebäude aus verschiedenen Orten des Ammerlandes hierher umgesetzt und originalgetreu wiederaufgebaut. Im Norden grenzt das Museum unmittelbar an das Zwischenahner Meer, im Westen an die Aue und im Osten an den historischen Bauernwald.  Herzstück der Anlage ist das Ammerländer Bauernhaus. Es wurde aus Teilen zweier Bauernhäuser aus der Zeit um 1700 zusammengesetzt und war das erste Gebäude, das der Heimatverein auf dem Museumsgelände errichten ließ.

 Darüber hinaus gibt es zahlreiche weitere historische Gebäude zu entdecken: den Spieker, der heute ein Restaurant mit Gartenterrasse beherbergt, den Bargfred als Schutzgebäude für Vorräte, das Heuerhaus für die damaligen Landarbeiter, den Dweersack mit zwei Rücken an Rücken errichteten Heuerwohnungen, ein Einraumhaus für einen Schäfer, eine historische Schmiede sowie mehrere Nebengebäude wie Schafkoven, Timmerkamer, Bootsschelf und zwei Scheunen. Gemeinsam vermitteln sie einen eindrucksvollen Einblick in das ländliche Leben vergangener Jahrhunderte.

 Besonders beeindruckend ist die große Windmühle im Stil eines Galerieholländers. Sie wurde ursprünglich im Jahr 1811 in Westerstede erbaut. Nachdem sie 1958 stillgelegt worden war, rettete der Heimatverein Bad Zwischenahn die Mühle vor dem Verfall und baute sie 1960 im Freilichtmuseum originalgetreu wieder auf.

 Wir laufen anschließend ein Stück auf der schönen Kurpromenade entlang, bevor wir kurz vor dem Friedhof zur Straße abbiegen. Schon wenig später erreichen wir die Pfarrkirche St. Johannes der Täufer. Sie ist mehr als 850 Jahre alt und zählt damit zu den ältesten erhaltenen Bauwerken des Oldenburger Landes. Mit der Reformation wurde sie evangelisch-lutherisch.

 Von der Kirche aus führt unser Weg über einen Holzsteg zum Yachthafen Bünting. Entlang des Aue-Godenhofer Tiefs folgen wir noch einmal dem Wasser, bevor wir schließlich wieder den kleinen Yachthafen Am Delf erreichen.

 Damit ist die erste Runde über 13 Kilometer geschafft. Am Auto wird kurz verpflegt, die Trinkflaschen werden aufgefüllt und dann: dieselbe wunderschöne Runde noch einmal zum Genießen.

 Ende der 2. Runde und damit sind 26 Kilometer geschafft. Am Auto wieder verpflegt, trinken und essen und dann weiter mochmal in dieselbe wunderschöne Runde, diesmal mit Fotos vom geschmückten Kurpark.

 In der letzten Runde mache ich einen Stopp an derJohanneskirche und gehe kurz rein um ein paar schöne Fotos zu machen. Das hat sich wirklich gelohnt. Jetzt noch den Rest der 3. Runde.

 Die erste steinerne Johanneskirche entstand um das Jahr 1150 aus mächtigen Feldsteinen. Fenster- und Türgewände bestanden aus eisenhaltigem Sandstein aus dem Weserbergland. Das Gotteshaus verfügte über Rundbogenfenster, einen eingezogenen Chor mit Apsis und maß ohne Chor rund 18 Meter Länge sowie gut 10 Meter Breite.

 Etwa um das Jahr 1200 erhielt die Kirche ihren nahezu quadratischen Westturm. Bis zur Dachhöhe wurde dieser aus sorgfältig bearbeiteten Granitquadern errichtet, darüber verwendete man Backsteine – eines der frühesten Beispiele dieser Bauweise in Niedersachsen. Der Turm besaß einen eigenen, von innen verriegelbaren Eingang und war mit Schießscharten ausgestattet. In unruhigen Zeiten diente er den Bewohnern als sicherer Zufluchtsort.

 Ganz am Ende fehlen dennoch einige Meter, sodass wir den Wanderweg noch etwa 1,5 Kilometer weiterlaufen, wenden und wieder zurückkehren.

 Geschafft! Der 32. Marathon im Corona-Jahr ist vollendet.

 Nun heißt es erst einmal die Beine ausruhen, die vielen Eindrücke Revue passieren lassen und anschließend die 300 Kilometer lange Heimreise antreten. Hinter uns liegt ein wunderschöner Tag mit herrlichen Landschaften, interessanten historischen Sehenswürdigkeiten und einer hervorragend ausgeschilderten Laufstrecke. Das Zwischenahner Meer hat seinem Ruf als „Perle des Ammerlandes“ alle Ehre gemacht – ein Ausflug, der sich jederzeit wieder lohnt.