8. Lübeck Marathon 2015

Lübeck – Travemünde - Lübeck

 

18. Oktober 2015 von Bernd Neumann

 Nun findet schon zum 8. Mal der Lübeck Marathon eine Veranstaltung des Lübecker Marathon e.v. in Kooperation mit der Stadt Lübeck statt und ich reise zum 1. Mal zum Marathon an. Es gibt aber neben der klassischen Distanz von 42,2km auch noch ein Staffelmarathon 10 x 4,2 km, einen Halbmarathon sowie einen 10km Lauf und diverse Kinderläufe statt. In diesem Jahr wird beim Halbmarathon und Marathon auch noch der Deutsche Feuerwehrmeister gesucht. Unser schneller Reporter Anton Lautner wird heute nur rennen um bei den Feuerwehrmeisterschaften im Marathon in seiner Altersklasse weit vorn mitzuspielen. Da bleibt keine Zeit zum Fotografieren.

 Für uns Normalos liegt das Marathonstartgeld zwischen 30€ und 60€ je nach Meldedatum. Wer gern zur Erinnerung ein Funktions-Shirt haben möchte zahlt 15€ für Kurzarm und 25€ für Langarm. Die Finisher-Medaille gibt es für jeden.

 Die Veranstalter rechnen heute auch mit einem neuen Finisher-Rekord. Einen neunen Teilnehmerrekord haben sie schon bis zum offiziellen Anmeldeschluss gehabt, denn es haben sich über 4.000 Teilnehmer aus 22 Nationen angemeldet. 456 Marathonteilnehmer haben vorab gemeldet und mehr wie das doppelte auf der halben Strecke. Die Wettervorhersage ist heute nicht so freundlich, denn es soll fast den ganzen Tag regnen, aber schau‘n wir mal wie es wirklich wird.

 Nach 300km Anfahrt erreiche ich den Rand der Innenstadt der altehrwürdigen Hansestadt. Nun heißt es Unterlagen abholen im Haeder-Center, das sich nur ca. 200m von meinem Parkplatz befindet. Da ich schon 1 ½ Stunden vorm ersten Start hier bin sind noch wenige Läufer unterwegs im Center. Die Startunterlagenausgabe geht sehr schnell und so habe noch Zeit mich ein wenig umzusehen.

 Neben dem großen Marktplatz auf der Holstenstraße ist Start und Ziel. Hier auf der Altstadtinsel ist auch das touristische Zentrum der Hansestadt. Der Name Lübeck ist aus dem slawischen Wort „Liubice“ entstanden, was so viel wie lieblich heißt. Am großen Marktplatz steht auch das alte Rathaus aus Anfang des 13. Jh. Mit seinen vielen Schmuckbalkonen und den drei Türmen ist es ein High-Light des Platzes. Zur Zeit der Hanse fanden auch im Hansesaal die Hansetage statt.

 Beim Blick über den Platz fallen einem auch die vielen Kirchtürme ins Auge. Lübeck wird auch seit Jahrhunderten von den sieben Türmen der Innenstadtkirchen (Marienkirche, Dom, Aegidienkirche, Petrikirche und Jakobikirche) geprägt. Die Kirchtürme der Marienkirche sind jetzt noch im Dunst verschwunden. Der Regen hat nachgelassen und es nieselt nur noch.

 Kurz vor 10 Uhr versammeln sich rund 400 Marathonis auf dem grünen Teppich vorm Starttor. Jetzt treffe ich auch unseren Anton. Nach einem wenig ratschen wünsche ich ihm noch viel Glück für seinen Lauf um den besten Feuerwehr-Marathoni. Er möchte gern seinen AK-Titel von der letzten Meisterschaft verteidigen.

 Dann gehe ich noch durch die Reihen und schieße viele Fotos von den Teilnehmern.

 Pünktlich um 10 Uhr werden wir auf die Reise nach Travemünde geschickt. Unser heutiger Kurs heißt einmal nach Travemünde und gleiche Strecke zurück. Zielschluss ist nach 6 Stunden.

Nach dem Start geht es abwärts runter zum Holstentor dem Wahrzeichen von Lübeck. Viele werden es noch kennen von unserem alten 50 DM-Schein. In Lübeck gab es auch mal eine Dreimark-Münze. In 2007 wurde eine 100 Euro-Goldmünze ausgegeben.

 Die reiche und wohlhabende Hansestadt schützte ihre Stadt durch dicke Mauern und erlaubte nur durch die drei Stadttore den Zugang zur Stadt auf der Insel. Im Norden gab es den Zugang durch das Burgtor, im Süden durch das Mühlentor, im Westen durch das Holstentor und im Osten das ehemalige Hüxtertor. Ist dabei das wohl bekannteste aus dem Spätmittelalter. Es war früher ein Teil der Stadtbefestigung. Heute steht es selbst in Mitten einer Straßeninsel die wir auch zum Auftakt gleich umlaufen. Auf dem Rückweg werden wir diese Schleife nicht laufen sondern gleich direkt zum Marktplatz zum Ziel.

 Dann geht es an der Untertrave weiter vorbei am Lübecker Marzipan Speicher. Lübeck und Marzipan sind ein fester Begriff bei Süßwaren. Hier im Marzipanspeicher gibt es viel zu sehen, wie z.B. das letzte Abendmahl von Leonardo da Vinci aus Marzipan (20qm, 1,5 t). In der Marzipanshow kann man auch das Marzipan-Abitur ablegen.

Marzipan durfte im 16. Jahrhundert nur von Apothekern hergestellt werden, denn es galt als Heilmittel. Somit konnte sich damals nur der reiche Adel diese Köstlichkeit leisten. Erst Ende des 18. Jh. durfte Marzipan auch durch Konditoreien hergestellt werden. Durch die Gewinnung des Rübenzuckers wurde es auch für andere Bevölkerungsgruppen erschwinglich. Lassen sie sich durch die Mandel-Zucker-Spezialitäten verführen.

 Kurz danach biegen wir von der Trave ab und laufen leicht aufwärts über die Bäckergrube vorbei am Theater zur St. Jacobi Kirche. Ein Helfer mit einem Hinweisschild zeigt uns das wir nach links abbiegen müssen.

 Wir laufen über den gepflasterten Platz und weiter auf der Großen Burgstraße. Am Ende der Straße steht das spätgotische Burgtor. Dieses nördliche Stadttor wurde nach der alten hoch über der Trave gelegenen Lübecker Burg benannt. Im Jahre 1227 wurde aus der Burg ein Burgkloster.

 Durch das Stadttor verlassen wir die Altstadtinsel über eine der vielen Brücken die es in Lübeck gibt. Es sind rund 210 Brücken die der Stadt auch den Beinamen „Klein-Venedig“ einbrachten.

 Das Wetter ist immer noch ekelig nasskalt und trübe. Wir folgen der Travemünder Allee stadtauswärts. Auf der nun 4-spurigen B75 ist die linke Seite für uns Läufer gesperrt. Links befindet sich der Stadtteil Karlshof. Ein Stück weiter kommt auf der rechten Seite ein größeres Waldgebiet der Lauer Holz. Am Rande steht ein Trommlergruppe die auf Gymnastikbällen uns anfeuern. Kurz danach gibt es Versorgung mit Flüssigem und auch schon fester Nahrung. Ich greife nach was Süßem und Trinke einen Becher Wasser obwohl wir das ja auch von oben ganz dünn bekommen. Am Ende der Karlshofsiedlung haben wir die ersten 5 Kilometer geschafft. Es geht weiter über die B75. Dann kommt laute Musik auf die Laufstrecke und ein DJ bei Km 6 motiviert uns für unsere Reise gen Norden.

 Ich bin zu drei Läufern aus der Nähe von Stuttgart aufgelaufen. Daniel, Nicolai und Stephan (LG Eiernest) sind auch zum ersten Mal hier in Lübeck und wollen so um die 5 Stunden laufen. Wir laufen ein ganzes Stück zusammen und unterhalten uns sehr nett.

 Es geht gemeinsam zu einen der High-Lights der Strecke dem Herrentunnel. Der 866m lange Tunnel ist Mautpflichtig und wurde an Stelle der Brücke über die Trave gebaut. Er ist ausschließlich für Kfz. Erlaubt. Radfahrer, Mofafahrer und Fußgänger werden per Shuttle-bus kostenlos transportiert. Für uns wurde heute jedoch eine der zwei Röhren für Kfz. gesperrt und nur für uns Läufer freigehalten.

 Schon am Eingang zum Tunnel werden wir mir fetziger Musik beschallt. Es geht abwärts runter in den Tunnel. Am tiefsten Punkt ist eine riesige Light-Show mit lauter Musik. Tolle Idee.

 Nun geht es rauf auf der anderen Seite. Es geht rund einen Kilometer mit 6% bergab und auf der anderen Seite somit auch wieder rund einen Kilometer mit 6% bergauf. Diese Steigung ist nicht nur sichtbar sondern man merkt sie auch in den Beinen.

Hinter dem Tunnel biegen wir ab und folgen ein Stück parallel der Travemünder Landstraße. Durch eine Wohnsiedlung erreichen wir den Stadtteil Kücknitz.

 Hinter km 15 biegen wir von der Straße ab und laufen kreuzen über eine Brücke die Eisenbahnlinie. Hier kommen mir die ersten Marathonläufer auf ihrem Rückweg entgegen. Der jetzt führende Robert Kubisch wir noch von seinen Verfolgern Markus Mey und Paul Muluve überlaufen.

 Es geht bei Km 16 über einen Kieselweg rauf zu einem Aussichtspunkt. Jetzt kommen in Abständen die nächsten Läufer und so wird dieser Streckenteil sehr interessant, denn man kann viele Läufer nochmal sehen.

 Dann kommt ein kurzes eckiges Matschstück und ich habe fast die schnellste Frau Marion Halbreiter von der Uni Lübeck verpasst. Sie hat hier schon einen großen Vorsprung vor der jungen Miriam Hübner die Zweite werden wird. Dazwischen läuft unser Laufender Reporter Anton der heute seine AK bei den Feuerwehrmeisterschaften gewinnen wird. Hinterm Km-Schild 17 streifen wir ein kurzes Stück die Siedlung Teutendorfer Weg.

 Es beginnen die ersten Häuser von Travemünde. Es geht an vielen Werften vorbei. Direkt dahinter verläuft die Trave. Ein Stück weiter befindet sich der Fischereihafen.

 An der Priwall-Fähre kommen wir auf die Einkaufszeile die heute trotz Regen stark frequentiert wird. Gegenüber ist der Skandinavienkai. Hier haben wir ein Stück Kopfsteinpflaster das sehr unangenehm für Knöchel und Beine ist.

 Wir laufen vorbei am Ostpreußenkai, Postbrücke und Prinzenbrücke. Dahinter fängt die Trave-Promenade eine Einkaufszeile an. Hier befinden sich viele Lokale und schöne Geschäfte. Trotz des widrigen Wetters sind die Feriengäste unterwegs. Die Strecke führt uns die Promenade entlang bis zur Lotsenstation. Hier biegen wir ab auf die neue Strandpromenade.

 Wir laufen nun die breite Strandpromenade entlang vorbei am Strandbad. Seit 2013 hat die Stadt hier viel investiert und für die Kurgäste eine wunderschöne Flanier- und Ausflugsmeile gebaut. Direkt daneben lädt im Sommer ein herrlicher Sandstrand zum Baden ein, jedoch heute ist der breite Sandstrand verwaist.

 Meine Stuttgarter Lauffreunde kommen mir entgegen. Ich habe jetzt auch nur noch ein kurzes Stück bis zum Wendepunkt.

 Wir folgen der neuen und breiten Flaniermeile direkt neben dem breiten Sandstrand. Dann kommt das 21km Schild. Es geht aber noch ein Stück weiter, denn unsere Anfangsrunde ums Holstentor gibt es auf dem Rückweg nicht mehr.

 Es heißt einmal um die Säule, Halt vorher noch ein Foto und dann ab auf den Heimweg. Wie ich mich auf den Heimweg mache sehe ich das es noch einige Läufer gibt die die Wendemarke noch umkreisen müssen. Nun meint es das Wetter nicht mehr gut mit uns Läufern. Es beginnt nun stärker zu regnen.

 Der Rückweg führt uns am Dienstältesten Leuchtturm von Travemünde vorbei. Der in fünf Gesimse unterteilte Turm wurde 1827 im klassizistischen Stil erbaut. Bis 1972 war er in Betrieb, denn da wurde das riesige Maritim-Hotel erbaut das ihm die Sicht nahm. Er wurde zu einem Museum umfunktioniert wo auf 8 Etagen viel über Schifffahrtausrüstung und Leuchttürme gezeigt wird. Das Leuchtfeuer wurde in 1974 auf das Dach der Hotelanlage umgesiedelt und ist heute damit in 114,7m Höhe das höchste in Europa.

 Wir sind auf dem Rückweg und laufen wieder am Yachthafen und den Werften vorbei in Richtung Ivendorf. Es folgt das 25-KM-Schild. Nun bin ich schon eine ganze Weile mit Susanne und Lisa unterwegs. An der Wende bin ich mal wieder vor ihnen. Unsere Positionen wechseln sich aber immer wieder ab, wenn ich eine Laufpause bzw. Fotopause mache. Susanne läuft heute ihren 1. Marathon und wird von ihrer in Irland lebenden Freundin begleitet.

 An der nächsten Versorgungsstelle ruft uns der Posten zu „Tee, Cola, Wasser von oben oder aus dem Becher“. Danke für die gute Versorgung unterwegs. Alle ca. 2,5 km gibt es eine Versorgungsstelle. Auch sehr viele Streckenposten leiten uns auf dem richtigen Weg. Wirklich vorbildlich. Es gibt sogar soviel Streckenposten das man zwischendurch kaum eine Lücke zum Pisseln am Waldrand findet.

 Wir folgen immer weiter der Travemünder Landstraße in Richtung Kücknitz. An der Halbmarathonwendestelle ist es jetzt viel ruhiger geworden. Der Sprecher kündigt aber auch jetzt noch jeden Läufer mit Namen an. Zu mir hat er noch den Hinweis „Das ist der Läufer der viele Fotos von der Strecke macht“. Er will sich unsere Homepage ansehen ob auch sein Foto drauf ist. Es gibt also noch Menschen die Marathon4you.de nicht kennen?

 Nun geht es wieder ab in den Herrentunnel durch den aber auch die Frauen laufen dürfen (Scherz). Unten im Tunnel ist die grell leuchtende Disco auch noch für uns langsamere Läufer im Gange. Wir werden mit rockiger Musik beschallt.

 Am Ende des Tunnels sind die Mädels vor mir und biegen ab, aber Halt da sind wir doch nicht hergekommen. Ein anderer Läufer bleibt auch stehen und wird unsicher. Tausend gefühlte Streckenposten und hier keiner. Es gibt auch kein Trassierband. Verflucht wo geht es jetzt weiter. Nach einer Weile und irrendem umherlaufen entdecke ich die nächsten Posten an der Mautstelle. Also dahin und weiter über die Landstraße.

 Km 36 und die Mädels haben schon wieder rund 200m Vorsprung. Ich arbeite mich wieder ran. Dann kommt die lange gerade Straße in Richtung Lübeck Burgtor. Rechts ein Schild noch 3km. Ja stimmt und ich mobilisiere letzte Kräfte an meinem 3. Marathonwochenende am Stück. Ich hole noch weitere Läufer auf und es läuft. Vielleicht komme ich ja noch unter 5:15 mit 150 Fotos von der Strecke an.

 Es geht durchs Burgtor und die Strecke wird plötzlich immer voller, denn die Marathonstaffeln sind noch im Rennen. Hinterm Burgtor noch 1km zeigt mir das Schild an.

 Dann geht es nochmal leicht aufwärts in die Altstadt. Wir kommen an vielen historischen Gebäuden vorbei die den Altstadtbereich bilden. Viele verwinkelte Gassen sind auch ein historisches Erbe der alten Hansestadt. Es gibt heute noch rund 90 Gänge, Torwege und Innenhöfe auf der Altstadtinsel. Diese weltweit einzigartigen Baudenkmäler sind ein Zeichen der damals schnell wachsenden Altstadt im Mittelalter. Es lohnt sich diese Winkel und Gassen zu erkunden, denn sie sind schon sehenswert. Entstanden sind auch viele Hinterhöfe weil die Bebauung auf der Insel ja nicht unendlich ist. In diesen Hinterhöfen die durch das Vorderhaus begehbar wurde entstanden sogenannte Buden. Diese versteckt von der Straße aus gelegenen Buden wurden auch Gangviertel genannt und waren meist für die Tagelöhner oder Träger.

 Gleich ist das Ziel erreicht. Noch einmal um die Ecke und die Uhr zeigt 5:12 an. Ich bin sehr zufrieden, dass es heute mal wieder so gut ging. Kurz nach mir kommen auch die zwei Mädels ins Ziel.

 Nun ab zur Nachversorgung, dann Tasche holen und im nahegelegenen Schwimmbad heiß duschen. Eine schöne Veranstaltung mit einer schönen neuen Strecke geht zu Ende. Ich komme wieder wenn das Wetter schöner ist.

 Beim Marathon sind heute 317 Männer und 59 Frauen im Ziel.

Marathonsieger:

  1. Markus Mey                 PETERS Sportteam                  2:46:12
  2. Paul Muluve                 LBV Phönix Lübeck                   2:47:53
  3. Robert Kubisch             Feuerwehr Cottbus                   2:48:34

Marathonsiegerinnen:

  1. Marion Halbreiter          LG Uni Lübeck                          3:09:10
  2. Miriam Hübner              Elmshorn                                  3:14:28
  3. Lorina Buhr                  FG Tangendorf                          3:24:18